Seit 22:03 Uhr Kriminalhörspiel
Montag, 17.05.2021
 
Seit 22:03 Uhr Kriminalhörspiel

Fazit | Beitrag vom 22.02.2021

Ausstellung "Seuchen" in HildesheimVon Hilflosigkeit und Hoffnung

Oliver Gauert im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Zwei Mernschen in Corona-Schutzanzügen vor Schildern mit japanischen Schriftzeichen. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Masamine Kawaguchi)
Die aktuelle Corona-Pandemie dauert nun schon rund ein Jahr. Ein Bild aus der Anfangszeit im Februar 2020 in Japan. (picture alliance / ASSOCIATED PRESS / Masamine Kawaguchi)

Vom alten Ägypten über das Mittelalter bis in die Gegenwart: Seuchen spielen eine wichtige Rolle in der Geschichte der Menschheit. Wie genau, das soll die multimediale Schau "Seuchen" in Hildesheim zeigen. Es soll die größte ihrer Art werden.

Von Viren ausgelöste Pandemien sind die größte Herausforderung für die Menschheit neben dem Klimawandel, sagt der Kurator Oliver Gauert. Als sie im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim vor mehr als zwei Jahren mit der Planung für die Ausstellung "Seuchen: Fluch der Vergangenheit – Bedrohung der Zukunft" anfingen, hätten sie nicht geahnt, wie aktuell das Thema werden würde: "Wir konnten uns damals gar nicht vorstellen, wie nah wir dran waren mit unserer Prognose."

Viele historische Originalexponate

Das Museum bereitet die Schau derzeit zusammen mit dem Paul-Ehrlich-Institut und der Medizinischen Hochschule Hannover vor. Die Schau soll die größte werden, die es je zu dem Thema gab. Sie beleuchtet das Thema aus medizinischer, technischer sowie kunst- und kulturgeschichtlicher Perspektive.

Abonnieren Sie unseren Kulturnewsletter Weekender. Die wichtigsten Kulturdebatten und Empfehlungen der Woche. Ab jetzt immer freitags per Mail. (@ Deutschlandradio)

In der Ausstellung werde es auch begehbare Szenen geben, in denen originale Exponate integriert seien, erklärt Gauert. So könne man etwa das rekonstruierte Labor des Immunologen Paul Ehrlich betreten, das originale Gegenstände aus seinem eigenen Labor enthalte. Auch einen anatomischen Hörsaal in Padua des 15. Jahrhunderts soll man betreten können. 

Medizinische Fachbücher aus dem alten Ägypten

Schon im alten Ägypten wurden Infektionskrankheiten beschrieben: "Wir stellen die sogenannte ägyptische Augenkrankheit, das Trachom vor. Eine Krankheit, die bis heute vorkommt und die damals schon in der Fachliteratur dokumentiert war", so der Historiker und Philosoph Oliver Glauert. Diese medizinischen Fachbücher aus dem zweiten Jahrtausend vor Christus werden in der Ausstellung gezeigt.

Von der Antike über das Mittelalter bis in die frühe Neuzeit waren die Menschen den Seuchen mehr oder weniger hilflos ausgeliefert: "Damals gab es schon großartige Erkenntnisse über den menschlichen Körper. Aber man konnte sich nicht wirklich zur Wehr setzen gegen diese Krankheiten", so Glauert.

Große Veränderungen bewirkt

Das ändert sich erst mit dem bakteriologischen Zeitalter. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wird die Keimtheorie formuliert, unter anderem von Louis Pasteur. Dann geht es Schlag auf Schlag: Robert Koch entdeckt den Tuberkulose-Erreger, Paul Ehrlich ein Medikament, mit dem man zum ersten Mal eine Infektionskrankheit direkt bekämpfen kann - den Erreger der Syphilis -, und schließlich findet Alexander Fleming die Antibiotika: "Eine Epoche von Aufbruch und Optimismus", sagt Glauert.

Auch in der Gesellschaft haben Seuchen immer ihre Spuren hinterlassen: "Viele von ihnen haben zum Umdenken geführt", betont der Kurator. Nach der Pest war zum Beispiel nichts mehr wie vorher: "Ganze Kriege sind zum Erliegen gekommen, weil die Soldaten weggestorben sind. Europas Bevölkerung wurde regelrecht dezimiert."

Auch wenn es immer Seuchen geben werde, wolle die Ausstellung Hoffnung vermitteln, sagt Glauert: "Es ist kein Grund zum Verzweifeln". Das zeige sich auch an der Corona-Pandemie: "Vor einem Jahr ist sie aufgetreten, und nach einem Jahr gibt es schon einen Impfstoff."

(beb)

Die Ausstellung "Seuchen. Fluch der Vergangenheit – Bedrohung der Zukunft" ist vom 28. August 2021 bis 27. März 2022 im Roemer- und Pelizaeus-Museum in Hildesheim zu sehen.

Mehr zum Thema

Fixerstuben in Hamburg - Süchtige leben seit Corona gefährlicher
(Deutschlandfunk Kultur, Zeitfragen, 22.02.2021)

Konzept für Veranstaltungen - Vor Ort getestet ins volle Theater
(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 22.02.2021)

Corona weltweit - So unterschiedlich geht die Welt mit Corona um
(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 22.02.2021)

App: Dlf Audiothek

Die neue Dlf Audiothek App ist ab sofort in den Appstores von Apple und Google zum kostenlosen Download erhältlich (Deutschlandradio)

Entdecken Sie mit der Dlf Audiothek die Vielfalt unserer drei Programme, abonnieren Sie Ihre Lieblingssendungen, wählen Sie aus Themenkanälen und machen daraus Ihr eigenes Radioprogramm.


Jetzt kostenlos herunterladen

Kulturpresseschau

Aus den Feuilletons"Wir weigern uns, Feinde zu sein"
Eine Wand an der Grenze zum Gazastreifen. Darauf die Worte: "Weg zum Frieden" auf Hebräisch, Arabisch und Englisch. (Unsplash / Cole Keister)

Der Nahostkonflikt hält die Welt in Atem. Man erklärt sich entweder mit der einen oder der anderen Seite uneingeschränkt solidarisch. Dabei sollte unsere Solidarität denjenigen gelten, die Brücken bauen, meint Meron Mendel in der "FAZ".Mehr

weitere Beiträge

Der Theaterpodcast

Folge 34Auf der Bühne mit Behinderung: Theater und Inklusion
Lucy Wilke & Paweł Duduś in dem Stück „Scores that shaped our friendship”. (Theresa Scheitzenhammer)

Die Nominierung der Schauspielerin Lucy Wilke zum diesjährigen Theatertreffen macht die Fragen nach der Vereinbarkeit von Theaterarbeit und Behinderung wieder aktuell: Was fehlt zur ganzheitlichen Barrierefreiheit? Mit Lucy Wilke suchen wir nach konkreten Handlungsansätzen.Mehr

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur