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Fazit | Beitrag vom 15.10.2019

Ausstellung "Re:Orient" in LeipzigVorurteile in Frage stellen

Léontine Meijer-van Mensch im Gespräch mit Eckhardt Roelcke

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Leontine Meijer-van Mensch ist die Direktorin des GRASSI Museum für Völkerkunde in Leipzig. (epd-bild/Rolf Zoellner)
Mit der Ausstellung im Grassi-Museum will Léontine Meijer-van Mensch Besucher deren eigene Vorurteile bewusst machen. (epd-bild/Rolf Zoellner)

Die Ausstellung "Re:Orient" soll Vorurteile gegen Muslime erklären und in Frage stellen. Künstlerische Deutungen aus Migrantenperspektive sollen den Dialog zwischen den Kulturen verändern.

Die Palette der Emotionen zum Orient reicht von der Vorstellung eines wundersamen Ortes mit fliegenden Teppichen und überirdischen Genüssen bis zur Angst vor messerstechenden Flüchtlingen. Mit der Ausstellung "Re:Orient – Die Erfindung des muslimisch Anderen" im Leipziger Völkerkundemuseum wolle sie einen Perspektivwechsel vornehmen und einen neuen Blick anstoßen, sagt Museumsdirektorin Léontine Meijer-van Mensch.

Kategorisierungen würden zwar für eine schnelle Orientierung und schnelles Einordnen von Menschen hilfreich sein: "Da wollen wir re-orientieren. Da wollen wir einen neuen Blick darauf setzen und damit auch kritisch die Erfindung des 'muslimisch Anderen' hinterfragen."

Kunst von Betroffenen eröffnet neue Blickwinkel

Dazu habe sie zwei Kuratorinnen, Özcan Karadeniz und Anna Sabel, vom Verband binationaler Familien und Partnerschaften für die Gestaltung der Ausstellung ausgewählt. Die beiden seien Experten für einen Perspektivenwechsel und setzten sich schon länger mit anti-rassistischen Perspektiven auseinander. In der musealen Praxis würden solche Stimmen noch viel zu wenig gehört.

Die Kuratorinnen hätten mit Künstlern gearbeitet, die selbst eine migrantische Biografie haben. So gebe es eine Installation der türkischen Künstlerin Canan zu Karl May und dessen Orient-Zyklus. Darin setze sich Canan mit dessen Haremsfantasien auseinander.

Kunstwerk von Gülcan Turna: Reenacting The Empress? Power To The People. What Are We For? The Turkish Artist As An Empress, 2019 (Gülcan Turna )Kunstwerk von Gülcan Turna: Reenacting The Empress? Power To The People. What Are We For? The Turkish Artist As An Empress, 2019 (Gülcan Turna )

Zwar würde sich die Ausstellung auch dem Orientalismus und dem postkolonialen Diskurs widmen, so Meijer-van Mensch. Sie wolle aber viel mehr in unsere Zeit schauen und zeigen, wie dieser immer noch orientalistische Blick auf Menschen mit Migrationshintergrund oder "Menschen, die als Muslim gelesen werden" im Alltag beeinträchtigt.

"Ich hoffe schon, dass sich da viele Besucher selbst befragen 'Was mache ich da eigentlich und wie bin ich dabei, einen anderen zu erfinden:' ob das jetzt 'die Muslime', 'die Ostdeutschen' oder 'die Holländer' sind."

(mle)

Die Ausstellung "Re:Orient – Die Erfindung des muslimischen Anderen" ist bis zum 19. Januar 2020 im Grassi Völkerkundemuseum in Leipzig zu sehen

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