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Interview | Beitrag vom 10.09.2019

Ausstellung "Purer Luxus"Ohne Luxus geht es nicht

Iris Benner im Gespräch mit Axel Rahmlow

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Alte Mercedeskarossen in rot und silber sind im Mercedes-Benz-Museum im Stuttgart ausgestellt. (Unsplash/JG Photography)
Über Dekaden ein Symbol des Luxus: Autos der Marke Mercedes-Benz im gleichnamigen Museum in Stuttgart. (Unsplash/JG Photography)

Ein teures Auto oder Zeit mit geliebten Menschen verbringen: Luxus ist für jeden etwas anderes. Und was früher Luxus war, ist inzwischen vielleicht schon alltäglich. Ein Schau in Leipzig blickt auf die Zeitspanne von 1945 bis heute.

Das Zeitgeschichtliche Forum in Leipzig geht in der neuen Ausstellung "Purer Luxus" der Frage nach, was für die Menschen in Deutschland seit 1945 Luxus war oder ist. Die Schau zeigt anhand von rund 400 Objekten die Unterschiede in Ost und West, nimmt aber auch die Gegenwart in den Blick. Heute Abend wird die Ausstellung eröffnet, sie ist noch bis 13. April 2020 zu sehen.

In der Natur des Menschen

Luxus sei, unabhängig von der Epoche, immer eine Mischung aus einerseits einer individuellen Freude am Genuss und am persönlichen Besitz, andererseits spiele aber auch die gesellschaftlich definierte Bewertung von Übermaß eine Rolle - also dem, was über dem Standard liege, sagt Iris Benner, Projektleiterin der Ausstellung.

Ein mit funkelnden Steinen besetzter Einkaufswagen steht in der Ausstellung "Purer Luxus" im Zeitgeschichtlichen Forum. (Picture Alliance/dpa-Zentralbild/Jan Woitas)Ein funkelnder Einkaufswagen gehört zu den Stücken der Ausstellung "Purer Luxus" im Zeitgeschichtlichen Forum in Leipzig. (Picture Alliance/dpa-Zentralbild/Jan Woitas)

"Dieses Übermaß wird in jedem System unterschiedlich wahrgenommen. Aber die persönliche Freude daran, sich selbst darzustellen oder etwas Individuelles zu besitzen, das ist sicher etwas, was im Menschen von Natur aus angelegt ist." Daher sei eine Gesellschaft ohne Luxus nicht so recht vorstellbar, meint Benner. Das könne man auch sehen, wenn man in der Geschichte zurückblicke. So sei eine der Todsünden die Luxuria, die Wolllust - etwas, das sich kaum kontrollieren lasse und immer wieder durchbreche.

Die Jeans als Statussymbol

Ein Luxus-Symbol, das es sowohl in der DDR als auch in der Bundesrepublik gab, war die Marken-Jeans, wie Benner sagt. "Das ist zwar nicht das klassische Luxusprodukt. Doch es ist ein Statussymbol. Die richtige Jeans hatte, wenn auch im Osten schwerer zu erlangen, einen Statuscharakter ähnlich wie im Westen."

Heute werde von den Menschen vor allem Zeit genannt, wenn sie gefragt würden, was für sie Luxus sei, berichtet Benner. Im Vordergrund stünden nicht teure Uhren oder Autos, sondern Zeit mit Menschen zu verbringen, die einem wichtig seien. "Das mag oft eine reflektierte Darstellung von Luxus sein, die schon mit einberechnet, dass das Protzen etwas ist, das gesellschaftlich sanktioniert wird." Doch Luxus habe auch nicht immer etwas mit Protzen zu tun.

(rzr)

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