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Weltzeit / Archiv | Beitrag vom 14.04.2016

Ausstellung "Pharao in Kanaan" 3500 Jahre alte ägyptische Kunst in Jerusalem

Von Torsten Teichmann

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Ausstellung "Pharao in Kanaan" in Jerusalem (picture-alliance / dpa / Foto: Jim Hollander)
Die Ausstellung "Pharao in Kanaan" im Israel Museum in Jerusalem. (picture-alliance / dpa / Foto: Jim Hollander)

Pharao-Statuen, Schmuck, Sarkophage - die Ausstellung "Pharao in Kanaan" in Jerusalem zeigt die mehr als 350 Jahre der Geschichte der Kanaaniter. Vor 3500 Jahren wehrten sie sich gegen die Alleinherrschaft der Ägypter, wurden jedoch niedergeschlagen und annektiert.

Eine dunkle Stele aus Stein mit dem Namen des ägyptischen Pharao Sethos I. In der Mitte eines Raums Kapitäle von Säulen aus dem zweiten Jahrtausend vor Christi Geburt. Außerdem Inschriften auf Steinen aus dem Palast eines ägyptischen Gouverneurs. Sie wurden bei Ausgrabungen in Beit Shean, im Norden Israels, gefunden. Die Ägypter waren dort, als die Kanaaniter auf dem Land lebten, sagt Kurator Eran Arie. Eine Episode der Geschichte, die vor fast 3500 Jahren begann:

Eran Arie: "Doch die Öffentlichkeit weiß kaum etwas darüber. Der Grund mag verwundern: Aber über diese Phase ist nichts in der Bibel vermerkt. Und die Bibel erzählt viel über das Verhältnis zwischen Kanaan und Ägypten. Deshalb ist es eine unentdeckte Geschichte. Wir sind die Ersten, die sie erzählen."

Austellungsstücke stammen vom Ostufer des Nils

Diese Ausstellung hat alles: Statuen von Pharaonen im Vergleich, Schmuck, Sarkophage und eine Auswahl von Steintafeln aus Amarna, einem Ort am Ostufer des Nils. Mithilfe eines Audioguides erzählt die Ausstellung die Geschichte:

Audioguide der Ausstellung: "Das Jahr 1457 vor Christi Geburt ist das zweite Jahr der Regentschaft von Tuthmosis III. als Alleinherrscher über Ägypten. Doch Rebellionen lokaler Führer in Kanaan sorgen für Unruhe. Die lokalen Herrscher sammelten sich in Megiddo. Sie sind eine Gefahr für die ägyptische Vorherrschaft in der Region."

Pharao Tuthmosis III. schlägt den Aufstand nieder. Aber er ist gekommen, um zu bleiben. Kanaan wird annektiert:

Arie: "Die Ägypter errichten mehrere Stützpunkte. Sie bringen ihre Soldaten, Beamte und Schriftgelehrten mit. Sie herrschen über 300 Jahre. Und sie verlangen Abgaben. Jeder Herrscher in den Stadtstaaten von Kanaan muss Abgaben, Steuern und Geschenke an den Pharao abführen."

Die Ägypter beeinflussen die Politik, das Leben, die Kultur. Aber die fremden Herrscher unterwerfen nicht. Sie sind stattdessen offen für Einflüsse durch Rituale und Ästhetik des eroberten Gebiets. Ein Beispiel ist eine Steintafel aus Ägypten mit Figuren in Beige, Braun und Rot. Eine Leihgabe des Museum Egizio aus Turin:

Audioguide der Ausstellung: "Es ist eine ägyptische Stele aus einem privaten Haushalt. Sie zeigt eine göttliche Triade. Überraschend: Zwei der drei Figuren sind Götter aus Kanaan, nicht aus Ägypten."

Arie: "Diese Gottheiten sind nur für etwa 200 Jahre Teil des ägyptischen Pantheons. Das zeigt uns, dass polytheistische Gesellschaften offener sind. Die Ägypter nehmen Heilige auf und löschen nicht die Kultur der Kanaaniter aus."

Nach dem Ende der ägyptischen Herrschaft verschwinden diese Einflüsse in Ägypten wieder, allerdings auch in den bedeutenden Städten der Kanaaniter wie Megiddo oder Schechem, nahe dem heutigen Nablus.

Vergleich zur heutigen Flüchtlingsströmen

Der Direktor des Israel Museums, James Snyder, sagt, er sei ins Grübeln gekommen über aktuelle Entwicklungen, wie die Flüchtlingsbewegung Richtung Europa:

"Die Ausstellung zeigt, was passiert, wenn in einer Phase der Geschichte rituelle und ästhetische Einflüsse aufgenommen werden, Kulturen einander spiegeln, aber Ideologien getrennt bleiben. Wenn sich das geopolitische Klima ändert, werden diese verschiedenen Kulturen ihre Unterschiede beibehalten und sich auf unterschiedlichen Wegen entwickeln."

"Pharao in Kanaan" ist eine unheimlich konzentrierte und reiche Ausstellung über 350 Jahre der Geschichte, die bisher kaum beachtet waren. Die Frage, ob tatsächlich alle Pharaonen in dieser Zeit in Kanaan waren, lasse sich aber nur schwer beantworten, sagt Kurator Arie. Selbst bei Pharo Sethos I. ist es unsicher:

"Wir wissen nicht, ob er nur schreibt, hier gewesen zu sein, oder tatsächlich nach Kanaan gekommen war. Thutmosis III. war der erste Pharao, der Kanaan ins Ägyptische Reich integrierte. Er war hier. Ramses II. kam hier durch, auf dem Weg zur Schlacht bei Kadesch. Bei den anderen hoffen wir mal, dass sie auch hier waren."

Die Ausstellung "Pharao in Kanaan: die unerzählte Geschichte" ist bis zum 25. Oktober in Israel zu sehen.

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