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Länderreport | Beitrag vom 24.10.2018

Ausstellung „Ocean Plastics Lab“ in BerlinDem Plastikmüll auf der Spur

Von Peter Kaiser

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Angeschwemmter Plastikmüll an der Adriaküste. (imago stock&people)
Angeschwemmter Plastikmüll an der Adriaküste. (imago stock&people)

Jede Stunde landen 35 Schiffs-Container Plastik-Müll im Meer. Welche verheerenden Auswirkungen das auf die Umwelt hat und wie moderne Forschung das Problem zu lösen versucht, das ist in der Ausstellung "Ocean Plastics Lab" zu sehen.

Zwei Sandproben unter dem Mikroskop: Eine aus Kiel und eine von den weit entfernten Osterinseln. Der Unterschied ist immens: Die Osterinsel-Probe ist voll von kleinsten, bunten Plastikteilen. Der eigentliche Sand wirkt wie eine Beigabe. 

Die Wanderausstellung "Ocean Plastic Lab" hat zum ersten Mal in Deutschland angedockt, in Berlin am Schiffbauerdamm, nahe des Bahnhofs Friedrichstraße. Vier Schiffscontainer stehen auf einem Ponton am Spreeufer, alle Behälter stehen offen. Darin Video-Bildschirme, Mikroskope, Tafeln, etliche interaktive Elemente. Mitarbeiterin Nathalie erklärt:

"Das ist tatsächlich vor Hawaii gesammelt"

"Container I ist so der emotionale Einstieg. Wir haben hier diese Riesenmüllinstallation draußen, um dem Besucher klarzumachen, okay, das ist tatsächlich da, das landet irgendwo am Meer. Und das ist auch tatsächlich vor Hawaii gesammelt worden."

Nathalie rüttelt an den Müllsäcken, die am ersten Container hängen. Unmengen Flaschen klappern, etliche Fischernetze und Stühle rappeln, Undefinierbares aus Plastik quietscht. 

"Man sieht ein paar Fakten über Plastik. Also, dass zum Beispiel nur neun Prozent des Plastiks, das produziert wurde, recycelt wurde. Oder dass fast 42 Prozent des Plastiks, das je produziert wurde, für Verpackung benutzt wird." 

Ein Junge blickt in der Ausstelleung "Ocean Plastic Lab" in Brüssel durch ein Mikroskop. (BMBF / John Staples​)Ein Junge blickt in der Ausstelleung "Ocean Plastic Lab" in Brüssel durch ein Mikroskop. (BMBF / John Staples​)

Meeresbiologin Julia Schnetzer vom Konsortium Deutsche Meeresforschung lieferte den wissenschaftlichen Background zur "Ocean Plastic Lab". Mehr als 50 rund um den Globus verteilte Wissenschafts-Institute haben sich an der Ausstellung mit Artefakten, aufgezeichneten Videos oder Schauexperimenten beteiligt. Begonnen hat das alles vor 3 Jahren. 

"2015, in Ellmau, haben die G7 sich zusammengesetzt und sich verabredet, dass es eine Kampagne geben muss."

Die Kampagne ist ein Ergebnis des G7-Gipfels im Juni 2015 auf Schloss Ellmau. Erstmals wurde dort der Plastikmüll in den Ozeanen aus Herausforderung er- und anerkannt. Waren damals die Hintergründe des Problems noch unerforscht, so habe sich nun einiges getan, sagt Martin Visbeck. Er ist Meeresforscher am Kieler Geomar Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung. 

"Wir gehen davon aus, dass ungefähr 80 Prozent durch Landeinträge kommen. Und ungefähr 20 Prozent durch Handel auf dem Meer, sagen wir mal Fischerei und Schifffahrt, ne Rolle spielen." 

Plastik vermeiden ist die beste Strategie

Es sei unrealistisch, das Plastik einfach aus dem Meer holen zu wollen, meint der Professor. Weil es ökonomisch nicht sinnvoll sei. 

"Man kann an Land die Müllwirtschaft umstellen, das machen wir in Deutschland teilweise ganz gut. Man kann die großen Plastikstücke an Flussmündungen abfangen. Dort würden wir ein Abfangen noch für möglich halten. Aber am Ende geht es eigentlich um Vermeidungsstrategien."

 (gekürzte Online-Fassung)

Die Ausstellung "Ocean Plastics Lab" ist bis zum 29. Oktober in Berlin zu sehen. 

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