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Fazit | Beitrag vom 16.07.2021

Ausstellung "Kéré Architecture"Palaverbäume als Leitidee für Begegnungsstätten

Francis Kéré im Gespräch mit Sigrid Brinkmann

Außenansicht des Goethe-Instituts Senegal mit Besuchern auf der Wiese vor dem Gebäude.  (Kéré Architecture)
Das von Francis Kéré gebaute Goethe-Institut im Senegal zeigt dessen typischen Umgang mit lokalen Materialien und traditionellen Handwerkstechniken (Kéré Architecture)

Francis Kéré ist einer der wichtigsten Vertreter sozial engagierter Architektur. In Berlin wird nun eine Ausstellung gezeigt, die seine energiesparende, kostengünstige und nachhaltige Bauweise dokumentiert.

Der in Burkina Faso geborene und in Berlin ansässige Francis Kéré gehört zu den wichtigsten internationalen Vertretern einer sozial engagierten Architektur. Er wurde vielfach ausgezeichnet für die Verbindung gesellschaftlicher und ökologischer Ansätze in seiner Gestaltung.

Das Hamburger Magazin "Architektur und Wohnen" würdigte ihn kürzlich als Architekten des Jahres 2021. In Deutschland erreichte er seit 2009 mit dem Projekt "Operndorf Afrika" mit Christoph Schlingensief besondere Aufmerksamkeit. Das Architekturforum Aedes in Berlin zeigt nun in der Ausstellung "Arbre á Palabres" zahlreiche geplante und realisierte Projekte seines Berliner Büros Kéré Architecture. 

Wissenstransfer und Kostenersparnis

Es falle ihm schwer zu beschreiben, was soziale Architektur theoretisch ausmache, sagt Kéré. In seiner Heimat Burkina Faso mangele es überall an gut ausgebildeten Fachkräften, auch in der Architektur. Wenn man bestimmte Bauten verwirklichen wolle, fehle oft das Geld. 

"Ich versuche die Menschen so einzubinden, dass sie ein Teil des Prozesses werden", sagt Kéré. "Dadurch wird Wissen transferiert und Menschen lernen, wie man Dinge anders und besser machen kann. Aber es hilft auch, die Kosten zu reduzieren."

Darüberhinaus sei es wichtig zu verstehen, dass ein Gebäude in das Leben der Menschen eindringe, ob man nun Nutzer und Nachbar sei. "Es ist wichtig mit den Menschen zu reden, um sie zu informieren, was da in der Nachbarschaft entsteht."

Architekt Francis Kéré vor dem von ihm entworfenen Serpentine Gallery Summer Pavilion 2017. (imago-images / Bettina Strenske)Architekt Francis Kéré vor dem von ihm entworfenen Serpentine Gallery Summer Pavilion 2017. (imago-images / Bettina Strenske)

Wenn Gebäude als Begegnungsstätten geplant würden, sei schon das verwendete Material sehr wichtig, sagt Kéré. Es gebe Materialien, in denen sich Menschen besonders geborgen fühlten.

"Man muss sich darin wohlfühlen und es soll sich nicht von außen aufdrängen, sondern mit der Umgebung kommunizieren", findet der Architekt. "Es muss eine Struktur sein, bei der man das Gefühl hat: wow, das passt hierher! Ein Ort, wo ich gerne hingehe. So soll ein Gebäude sein, so soll ein Wohnraum sein, so soll auch ein Arbeitsplatz sein."

Computergrafik des von Architekt Francis Kéré entworfenen neuen Parlaments für die Republik Benin. (Kéré Architecture)Traditioneller Palaverbaum als Inspiration: Die Arbeiten zur neuen Nationalversammlung in Benin haben schon begonnen. (Kéré Architecture)

Kéré hat für die Republik Benin ein neues Parlamentsgebäude entworfen, das sich gerade im Bau befindet. Dabei habe er sich von einer alten afrikanischen Tradition inspirieren lassen: Der Versammlung unter einem sogenannten Palaverbaum ("Arbre á Palabres"), nach dem auch die Ausstellung in Berlin benannt ist. Er hatte auch seinen Serpentine Pavilion 2017 in London beeinflusst.

Er lasse sich jedesmal von dieser Idee leiten, wenn er eine Aufgabe habe, die mit einer Begegnungsstätte zu tun habe, sagt Kéré. Auch bei der neuen Nationalversammlung in Benin habe er darauf zurückgegriffen: "Wenn sie über Demokratie nachdenken, ist es eine sinnvolle Idee, dass man den Menschen sagt: Lasst uns zu den Ursprüngen zurückgehen und ein modernes Parlamentshaus als 'Arbre á Palabres' definieren, als einen Ort, an dem alle zusammenkommen können." Dieses Gebäude sollte so offen sein wie ein Riesenbaum. "Die Krone spendet Schatten, und die Menschen können jederzeit hinkommen und sehen, was die Volksvertreter für die Zukunft des Landes planen."

(rja)

Arbre à Palabres - Kéré Architecture
In Kooperation mit AW Architektur & Wohnen
Aedes Architekturforum, Berlin
Bis zum 9. September 2021

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(Deutschlandfunk Kultur, Fazit, 04.09.2017)

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(Deutschlandfunk Kultur, Studio 9, 23.06.2017)

Der Architekt Francis Keré - "Ich bin ein deutsches Produkt"
(Deutschlandfunk Kultur, Im Gespräch, 15.12.2016)

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