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Fazit | Beitrag vom 23.03.2019

Ausstellung in ParisBlick in die Ewigkeit mit Tutanchamun

Von Barbara Kostolnik

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 Vergoldete Holzstatue des Tutanchamun in der Ausstellung "Tutanchamun. Der Schatz des Pharaos" in Paris. (Imago / Aurelien Morissard)
Ein jugendlicher Pharao macht Werbung für sein Land und lockt die Besucher in Scharen: Tutanchamun als Holzstatue in der Pariser Ausstellung. (Imago / Aurelien Morissard)

In Paris ist eine Ausstellung mit Funden aus dem Grab des Pharaos Tutanchamun zu sehen − ein Fest in Gold und Blau, Schmuckstück an Schmuckstück atemberaubend in Szene gesetzt. "Ägyptens bester Botschafter" soll das Image des Landes aufpolieren.

Das neue Ägypten braucht dringend Werbeträger - und der beste kommt aus dem alten Ägypten. "Tut-Anch-Amon" bedeutet das "lebendige Abbild des Gottes Amon", erläutert der Kurator der Ausstellung Tarek El Awady. Die Statue von Gott Amon mit seinem Schützling steht am Eingang der Ausstellung. Amon wacht über den Pharao, dem der Kopf fehlt.

"Sie sehen Tutanchamun ohne Kopf und denken sich vielleicht, der Kopf mag abgefallen sein im Laufe der Jahre. Aber wenn Sie hinter die Statue gehen, sehen Sie auch, dass es zwei Hieroglyphen-Namen für Tutanchamun gab, und dass man die Silben Tut-anch sorgfältig zerstört hat, so dass nur mehr der Name des Gottes Amon übrig blieb", sagt El Awady.

Sein Grab blieb von Räubern verschont

Ironischerweise hat diese komplette Auslöschung seines Namens nach seinem Tod dazu beigetragen, dass heute alle Welt ausgerechnet diesen ägyptischen Pharao am besten kennt. "Man radierte seinen Namen aus, setzt alles daran, ihn vergessen zu machen", erklärt der Ägyptologe Dominique Farout. "Und weil man es geschafft hat, dass sich Jahrtausende niemand an ihn erinnert, hat sein Grab als einziges die Grabräuber und die Plünderungen überlebt und ist ungeöffnet geblieben".

Bis der Engländer Howard Carter im November 1922 den Pharao und seine Schätze ans Licht brachte. Die Ausstellung in den Hallen von La Villette ist ein Fest in Gold und Blau, Schmuckstück an Schmuckstück bestens in Szene gesetzt in abgedunkelten Sälen. "Das ist atemberaubend", sagt Dominique Farout. "Sie haben wirklich interessante Exponate ausgewählt, dieses Boot aus Holz, das den Herrscher ins Jenseits begleiten sollte, dieser vergoldete Fächer oder das Etui für seinen Jagd-Bogen, auf dem ein Etikett mit Hieroglyphen zu finden ist".

Der Wächter blickt ins Jenseits

Ein Kelch aus Alabaster, ebenfalls mit prächtigen blauen Hieroglyphen verziert, den Carter am Eingang des Grabes gefunden hatte. Eine schwere Kette mit blauen Skarabäen aus Lapislazuli, Krummstab und Geißel, ein vergoldeter Schrein. Der Wächter: eine Statue, die wie 60 andere Objekte auch, zum allerersten Mal Ägypten verlassen hat. "Das ist das interessanteste Artefakt, dieser Wächter, ein Meisterwerk", schwärmt Kurator El Awady. "Die einzige Statue in Lebensgröße, die Howard Carter im Grab gefunden hat, und wenn Sie vor ihm stehen, dann sieht er Sie nicht an, weil er ins Jenseits blickt, in die Ewigkeit".

Teil einer 3 Meter hohen Quarzit-Statue von Tutanchamun in der Ausstellung "Tutanchamun. Der Schatz des Pharaos" in Paris. (Imago / Aurelien Morissard)Teil einer 3 Meter hohen Quarzit-Statue von Tutanchamun in der Ausstellung "Tutanchamun. Der Schatz des Pharaos" in Paris. (Imago / Aurelien Morissard)

Die Exponate sind atemberaubend inszeniert, sie wurden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen von Kairo nach Paris transportiert, die Versicherungssumme ist enorm, bestätigt der ägyptische Antikenminister Khaled El-Alani. "Die Objekte dürfen Ägypten für einen eng umrissenen Zeitraum verlassen, aber nur weil es Staatsgarantien gibt, unsere Kuratoren wachen über die Objekte, sie fertigen täglich einen Bericht über ihren Zustand an und sorgen dafür, dass alles zurückkehrt".

Die Botschaft lautet: "Das Land ist stabil"

Die Mumie des Pharao, der Sarkophag und auch die Grabmaske fehlen in Paris. Sie dürfen Ägypten nicht verlassen. Staatsräson. Die Exponate werden nach der Zehn-Länder-Tournee, die Tutanchamuns Schätze im Mai 2020 auch nach Mannheim bringen wird, pünktlich zum 100. Jahrestag der Entdeckung des Grabs 2022 wieder nach Ägypten zurückkehren, um dort für alle Zeiten zu bleiben.

Denn die Tour ist auch ein Werbefeldzug für Ägypten, wie der Kurator der Ausstellung unumwunden zugibt: "Wir laden alle Besucher dieser Ausstellung ein, den gesamten Schatz des Pharao, inklusive der Maske, der Mumie und des Sarkophags im Neuen Ägyptischen Museum in Kairo zu erleben. Das Land ist sicher und stabil. Wissen Sie: Tutanchamun ist Ägyptens bester Botschafter." Ein Botschafter, der die Menschen aus aller Welt seit seiner Entdeckung vor fast einhundert Jahren in seinen Bann zieht.

Die Ausstellung "Toutânkhamon - Le trésor du Pharaon" in der Grande Halle de la Villette in Paris ist bis 15. September 2019 geöffnet.

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