Seit 13:00 Uhr Nachrichten

Freitag, 24.05.2019
 
Seit 13:00 Uhr Nachrichten

Tonart | Beitrag vom 19.10.2018

Ausstellung in HannoverFalco ganz privat

Carsten Niemann im Gespräch mit Mathias Mauersberger

Der Sänger Falco am 19. Juni 1984 auf einem Konzert in Köln. (imago stock&people)
Der Sänger Falco am 19. Juni 1984 auf einem Konzert in Köln. (imago stock&people)

Er hieß Johann Hans Hölzel, doch als Falco wurde er zum Star. 20 Jahre nach seinem Tod stellt das Theatermuseum in Hannover persönliche Gegenständen des Musikers aus, darunter Spielzeugautos und ein Brief von Tina Turner.

Mathias Mauersberger: Für manche ist er der erste weiße Rapper, für andere ein österreichischer Volksheld: Johann Hans Hölzel, besser bekannt unter seinem Künstlernamen Falco. Er war der bis heute einzige Musiker, der es mit einem deutschsprachigen Song an die Spitze der US-Charts schaffte, "Rock Me Amadeus", im Jahr 1986. Zwölf Jahre später verunglückte der gebürtige Wiener bei einem Autounfall in der Dominikanischen Republik tödlich. Ab heute widmet sich eine Ausstellung im Theatermuseum Hannover dem Musiker, und welche Seiten Falcos diese Ausstellung zeigen möchte, das wollte ich im Vorfeld von Museumsdirektor Carsten Niemann wissen.

Carsten Niemann: Wir zeigen in Hannover eine ganz andere Seite, den privaten Falco beziehungsweise Johann Hölzel, wie er ja hieß, Hans Hölzel genannt. Wir wollen den privaten Aspekt, den persönlichen Menschen zeigen.

Museumsdirektor Carsten Niemann mit einem Plakat der Ausstellung "Falco, in Gars am Kamp". (dpa / picture-alliance)Museumsdirektor Carsten Niemann mit einem Plakat der Ausstellung "Falco, in Gars am Kamp". (dpa / picture-alliance)

Mauersberger: Und wie machen Sie das?

Niemann: Ich hatte das Glück, es gibt eine Villa, eine Jugendstilvilla in Gars am Kamp im Waldviertel, die hat er 1987 gekauft, aufwendig umgebaut. Seine Mutter lebte zum Teil in dem Haus, und viele wussten gar nicht, dass es dieses Haus gibt. Das wurde für ihn Rückzugsort, wenn es ihm in Wien zu trubelig wurde, in der Welt, und da hat er so sein persönliches kleines Refugium sich aufgebaut, und das Spannende ist, dieses Haus gibt es heute noch, auch noch so eingerichtet, wie Falco es damals hinterlassen hat. Es ist kein Museum, es kommt keiner rein, keine Fans. Es ist quasi eine Zeitkapsel, und wir hatten die Möglichkeit, dort hineinzugehen und dort ganz persönliche Gegenstände uns auszusuchen für die Ausstellung in Hannover.

Mauersberger: Und wie haben Sie sich Zugang zu diesem sehr privaten Bereich verschafft?

Niemann: Es gibt ja die Falco-Privatstiftung, und da hatte ich Kontakt aufgenommen, ich war dann im Sommer in Wien, habe dort Gespräche geführt. Man war natürlich erst verwundert, dass wir aus Hannover kommend etwas über Falco machen wollen und dann auch keine Highlights zeigen wollen, also kein Bühnenoutfit oder Gitarren, sondern ganz profane Dinge uns aussuchen wollten. Wir konnte die überzeugen, und dann war ich Mitte August dort im Haus und habe mir Sachen aussuchen können.

Eine Mitarbeiterin betrachtet eine Vitrine mit mehreren Gegenständen aus dem Besitz des verstorbenen Musikers Falco. (dpa / picture-alliance)Eine Mitarbeiterin betrachtet eine Vitrine mit mehreren Gegenständen aus dem Besitz des verstorbenen Musikers Falco. (dpa / picture-alliance)

Mauersberger: Und was haben Sie sich ausgesucht, was wird konkret in der Ausstellung zu sehen sein?

Niemann: Es hört sich erst mal sehr unspektakulär an. Das ist seine Kappe mit der Breitling-Aufschrift, die er oft getragen hat. Es ist ein Schreiben von Tina Turner. Es sind Zeitschriften, die bei ihm lagen. Es ist ein emailliertes Hausschild, was neben seinem Schreibtisch lag, ein Flugzeugmodell, was gleichzeitig eine Uhr ist. Billboardcharts gerahmt, ein Globus, sein Hut, Handschuhe. Natürlich haben wir dann auch ein Bambi genommen. Also all die Sachen, die bei uns zu Hause auch uns umgeben, die haben wir ausgesucht für die Ausstellung hier in Hannover, weil jedes Stück kann im Grunde etwas von Falco erzählen beziehungsweise von Hansi Hölzel.

Mauersberger: Wieso wollten Sie diese bodenständige Seite des Musikers zeigen und eben nicht die glamouröse Seite?

Der Mensch hinter dem Star

Niemann: Jetzt in diesem Jahr war 20. Todestag, und es gab viele Dokumentationen, man hat sich noch mal mit Falco auseinandergesetzt, und man macht sich ja im Grunde gar nicht klar, dass hinter diesem Falco eine Privatperson existiert, und das fand ich dann fast spannender. Er hat ja immer versucht, neben Falco noch ein zweites Leben zu führen, auch mit einer Familie, mit einem Kind, mit einem Stück Normalität. Das hat natürlich dann beides irgendwann nicht funktioniert, und ich wollte auch eine Ausstellung machen, die man nicht erwartet, sondern einen Aspekt, den auch die Fans vielleicht gar nicht so kennen.

Mauersberger: Welche Rolle spielt denn die Musik in der Ausstellung?

Niemann: Also es gibt verschiedene Installationen, es gibt im Mittelpunkt … Wir haben eine kleine Kinoecke. Dort ist das Livekonzert zu sehen von 1993, Donauinselfest, ein wichtiger Auftritt für Falco, so ein bisschen Comeback. Das finde ich sehr schön. Ich wollte eigentlich erst keine Musik spielen, weil man die ja eigentlich im Ohr hat, kennt, aber das umrahmt die Ausstellung sehr schön. Daneben wird es noch geben ein Radiointerview zum 40. Geburtstag von Falco, und da muss man ja realisieren, dass er wenig später verstorben ist. Da erzählt er ganz offen, ganz frei über sich. Damit beginnt auch die Ausstellung. Wir haben einen kleinen Film organisiert vom Radio Charivari, die auch in der Villa waren, die einen kleinen Film gedreht haben. Es gibt – da freue ich mich sehr drüber – eine Ausstellung zu Joachim Fuchsberger, der ja die Sendung damals hatte "Heute Abend", und da war auch Falco zu Gast. Ich habe mit der Gundula Fuchsberger telefoniert. Wir haben ja im Frühjahr eine Ausstellung auch gehabt zu Joachim Fuchsberger und gefragt, ob wir die Sendung zeigen dürfen. Das dürfen wir. Die ist jetzt seit 1986 – das sind ja über 30 Jahre – zum ersten Mal wieder zu sehen, und da begegnet uns auch ein ganz einfacher Falco, eine ganz bodenständige Person, die ganz frei und offen erzählt. Also auch das ein Stück Privatheit, die uns wichtig war.

Eine Bassgitarre des verstorbenen Musikers Falco liegt einer Vitrine in der Ausstellung "Falco, in Gars am Kamp". (dpa / picture-alliance)Eine Bassgitarre des verstorbenen Musikers Falco liegt einer Vitrine in der Ausstellung "Falco, in Gars am Kamp". (dpa / picture-alliance)

Mauersberger: Herr Niemann, Falco scheint ja auch heute noch eine große Ausstrahlung auszuüben, eine große Anziehungskraft zu haben. Wieso ist der heute noch relevant?

Niemann: Also ich war erstaunt. Wir waren im Sommer lange in Österreich, und sobald man das Radio anmacht, hört man Falco. Er hat über die Jahre, wenn man guckt, wie alt die Titel zum Teil sind, eigentlich nichts verloren, weil es, wie ich finde, ganz unschuldige, noch ganz reine Musik ist, die uns heute noch anspricht, natürlich auch durch die Sprache, durch das Verständnis, und er hat ja ein Stück Neuland betreten damals mit seiner Art, Musik zu machen, zu sprechen, Kombination aus Deutsch, aus Österreichisch, auf Englisch. Da ist er bis heute Vorbild. Was wir heute als ganz selbstverständlich ansehen mit Fanta-Vier, das hat er so ein bisschen mit auf den Weg gebracht und ich finde, auf eine ganz reine, eine ganz schöne Sache.

Mauersberger: Das Theatermuseum Hannover zeigt Poplegende Falco ganz privat, gibt mit Fotos, Videos 100 Exponate aus seinem Privatbesitz exklusive Einblicke in dessen Villa, die der Öffentlichkeit bis heute unzugänglich ist. Die Ausstellung "Falco in Gars am Kamp" ist vom 19. Oktober 2018, also ab heute, bis zum 17. März 2019 zu sehen.

Äußerungen unserer Gesprächspartner geben deren eigene Auffassungen wieder. Deutschlandradio Kultur macht sich Äußerungen seiner Gesprächspartner in Interviews und Diskussionen nicht zu eigen.

Mehr zum Thema

Comic-Hommage an den Ausnahmemusiker - "Falco: Die Legende lebt"
(Deutschlandfunk, Corso, 20.02.2017)

Falco - Mythos und Wahrheit - Erinnerungen an einen Pop-Pionier
(Deutschlandfunk, Corso, 18.02.2017)

Friedhöfe in Wien - Wollust des Morbiden
(Deutschlandfunk, Sonntagsspaziergang, 26.11.2017)

Tonart

weitere Beiträge

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur