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Interview / Archiv | Beitrag vom 19.12.2019

Ausstellung im Vitra Design MuseumDas zeitlos gute Design der Obstkiste

Viviane Stappmanns im Gespräch mit Liane von Billerbeck

Ein Mann zieht an einem Seil, das an vielen aufeinander gestapelt Obstkisten auf einem Lastwagen befestigt ist. Im Hintergrund weitere gestapelte Obstkisten.  (Collections Typologie, Studie zur Obstund Gemüsekiste (Cam Nouvelle HolzFabrik, Nueil-les-Aubiers), Frankreich, 2019 © Collections Typologie)
Rechteckig und aus dünnem Pappelholz: So haben sich Obstkisten über lange Zeit bewährt. (Collections Typologie, Studie zur Obstund Gemüsekiste (Cam Nouvelle HolzFabrik, Nueil-les-Aubiers), Frankreich, 2019 © Collections Typologie)

Weinkorken oder Obstkiste: Wer hat Alltagsobjekte wie diese entworfen? Und warum bleiben sie fast unverändert? Das zeigt eine Ausstellung im Vitra Design Museum in Weil am Rhein. Kuratorin Viviane Stappmanns erklärt das Design ohne Designer.

Es ist eine aufwändige Forschungsarbeit, die das französische Designkollektiv "Collections Typologie" betreibt: Es untersucht, welche Einflüsse unsere Alltagsgegenstände formen. Dabei taucht es tief in die Geschichte ein. Ergebnisse dieser Recherchen zeigt nun das Vitra Design Museum in Weil am Rhein in der Ausstellung "Typologie. Eine Studie zu Alltagsdingen"

Die Designer dieser Alltagsobjekte wie Weinkorken und -flaschen oder Obstkisten sind dabei nicht bekannt. Diese entstünden auch im "Wechselspiel mit technologischen Fortschritten, mit kulturhistorischen Entwicklungen, aber vor allem dadurch, ob etwas angenommen wird oder sich bewährt oder nicht", sagt Kuratorin Viviane Stappmanns.

Um etwa der Geschichte der Obstkiste auf die Spur zu kommen, sei ein Blick auf die Kunst aufschlussreich gewesen: 

"Da muss man sich einfach nur mittelalterliche Holzschnitte oder Marktszenen aus der Renaissance anschauen und das weiter verfolgen - später auch in der Fotografie. Da kann man das sehr gut verfolgen, wie sich das entwickelt hat."

Viele Weinkorken in einer Kiste bei der Herstellung (Collections Typologie, Studie zum Korken (Amorim & Irmãos KorkenFabrik, Mozelos), Portugal, 2019 © Collections Typologie)Weinkorken waren von Anfang an perfekt geformt. Warum sie also verändern? (Collections Typologie, Studie zum Korken (Amorim & Irmãos KorkenFabrik, Mozelos), Portugal, 2019 © Collections Typologie)

Der Weinkorken als perfektes Objekt

Für Designer sei es essentiell zu verstehen, was dazu beitrage, wie sich Dinge entwickeln oder welche Konsequenzen es habe, wenn man eine bestimmte gestalterische Entscheidung treffe. Der Weinkorken etwa – ein einziges Stück Rinde – sei von Anfang an ein "sehr perfektes Objekt" gewesen, das für seinen Nutzen funktionierte. Auch die Weinflasche habe sich in Form und Farbe kaum verändert über die Zeit:

"Da kann man vielleicht daraus schließen, dass wir bei manchen Dingen so traditionsbewusst sind, dass wir gar nicht wollen, dass es sich verändert. Vielleicht möchte niemand aus einer wild geformten Weinflasche trinken."

(bth)

Die Ausstellung "Typologie. Eine Studie zu Alltagsdingen" ist bis 3. Mai 2020 im Vitra Design Museum in Weil am Rhein zu sehen.

  

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