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Fazit | Beitrag vom 02.02.2020

Ausstellung im Kunstmuseum StuttgartAls die Nazis das "Schwäbische" in der Malerei suchten

Kai Artinger im Gespräch mit Marietta Schwarz

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Die Landschaftsmalerei "Erinnerungen im Herbst" von 1941 gemalt in Öl auf Leinwand von Franz Heinrich Gref zu sehen im Kunstmuseum Stuttgart in der Ausstellung "Der Traum vom Museum »schwäbischer« Kunst" (Frank Kleinbach, Stuttgart © Nachlass Gref)
Das spezifisch Schwäbische in der Malerei zu erkennen, fällt dem Provenienzforscher Kai Artinger schwer. Hier "Erinnerungen im Herbst" von Franz Heinrich Gref (1941). (Frank Kleinbach, Stuttgart © Nachlass Gref)

Während des Nationalsozialismus hegte man in Stuttgart den Traum von einem Museum "schwäbischer" Kunst. Die gleichnamige Ausstellung im Kunstmuseum Stuttgart zeigt Werke, die nach damaliger Meinung typisch schwäbische Merkmale aufweisen.

"Man ging davon aus, dass die schwäbischen Künstler ein ganz besonderes Verhältnis zu ihrer Landschaft, zu ihrer Region gehabt haben." Die Ideologie der völkischen Kunst komme bereits aus dem 19. Jahrhundert, erklärt Kai Artinger, Provenienzforscher und Kurator der Ausstellung "Der Traum vom Museum 'schwäbischer' Kunst" im Kunstmuseum Stuttgart. In den 20er-Jahren sei diese Idee wieder hochgekommen und dann von den Nationalsozialisten instrumentalisiert worden. 

Typisch schwäbische Landschaften?!

"Bestimmte Merkmale, die für die schwäbische Landschaft typisch sind", gäbe es auf den ausgestellten Bildern schon, so Artinger, beispielsweise die Schwäbische Alb. Allerdings seien die welligen Landschaften und Hügel für ihn als Nicht-Schwaben nicht unbedingt von anderen Landschaften als schwäbisch zu unterscheiden. "Für die Zeitgenossen war es aber so. Sie haben diese Bilder so rezipiert und waren der Meinung, dass das auf diesen Bildern erkennbar sei."

Im Zuge seiner Provenienzforschung stieß Kai Artinger auf einen Widerspruch bei den Einkaufszahlen der damaligen Städtischen Kunstsammlung, nämlich, "dass einerseits von diesen kunstlosen Jahren gesprochen wird" und andererseits, "dass in den Jahren von 1933 bis 1945 circa 1.800 Gemälde angekauft worden sind".

Werke erlangten in der NS-Zeit mehr Bedeutung

Der Besucher der Ausstellung sieht Werke, die von der Kunstgeschichte vergessen worden seien. Im Zuge der nationalsozialistischen Kunstpolitik mit neuen Normen hätten sie dann wieder eine Bedeutung bekommen und so ein größeres Gewicht in der Sammlungs- und Ausstellungspolitik erlangt: "Und deswegen finden wir sie unter anderen in der Sammlung des Kunstmuseums Stuttgart heute, die zu der damaligen Zeit eben die Städtische Kunstsammlung war."

Dass das erträumte Kunstmuseum dann nie Realität wurde, hatte einen einfachen Grund, meint Artinger: "Die hatten immer die Idee gehabt, nach dem erfolgreich geführten, gewonnenen Krieg würde dieses zukünftige Kunstmuseum dann endlich eröffnet werden können."

(kpa)

Die Ausstellung "Der Traum vom Museum 'schwäbischer' Kunst" im Kunstmuseum Stuttgart ist bis zum 1. Juni 2020 zu sehen

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