Kompressor 10.08.2015

Ausstellung "Global Games"Politisch korrekte BallerspieleStephan Schwingeler im Gespräch mit Max Oppel

Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie in Karlsruhe (imago / Enters)Die Schau ist im ZKM Karlsruhe zu sehen. (imago / Enters)

Spiele für PC und Smartphone gelten als ziemlich brutal und dumpf. Stephan Schwingeler, Kurator der Karlsruher Ausstellung "Global Games", zeigt die globalisierungskritische Seite der Computerspiele. Apple hat bereits eines gesperrt, das sich mit Produktionsbedingungen von iPhones auseinandersetzt.

Gerade noch wurde heiß diskutiert, ob Computerspiele als "Kulturgut" zu betrachten sind oder nicht. Nun richtet die Ausstellung "Global Games" im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) den Fokus auf Computerspiele als politisches Medium: Dort präsentiert sich das Genre  von seiner aktuellen und tagespolitischen Seite. Offenbar ist das ein neuer Trend.

Stephan Schwingeler, Kurator der Ausstellung, erläutert, wie sich weltpolitische Effekte deutlich in Computerspielen niederschlagen: Games thematisierten zum Beispiel den Syrien-Konflikt, den Einsatz von Drohnen in Kriegsgebieten, weltwirtschaftliche Zusammenhänge des globalisierten Finanzmarktes oder die Situation von Flüchtlingen an den europäischen Grenzen.

Anti-Kriegs- statt Ballerspiel

So gebe es etwa inmitten diverser Baller-Spiele einen Trend zum Anti-Kriegs-Spiel. Ein gutes Beispiel dafür sei "This War of Mine" eines polnischen Entwicklers. "Wir schlüpfen in die Rolle von Zivilisten, die in einem besetzten Haus einen Unterschlupf suchen und nur indirekt von kriegerischen Handlungen bedroht sind." Normalerweise stünden die Soldaten im Vordergrund, doch dieses Spiel nehme einen Perspektivwechsel vor und stelle das Geschehen aus Sicht schutzloser Zivilisten dar.

Auch die Globalisierung wird kritisch thematisiert: So gebe es ein Smartphone-Spiel, das die Produktionsbedingungen von iPhones kritisch unter die Lupe nehme. "Phone Story" zeige, wie schlecht die Arbeiter behandelt würden. Die Spieler müssten diese wie Sklaven antreiben, nach seltenen Erden zu schürfen, aus denen dann die iPhones hergestellt würden. "Das Ganze ist karikaturhaft und satirisch überzeichnet." Die kritische Reflexion der Phone-Nutzer solle angeregt werden. "Interessant ist übrigens, das Apple das Spiel verboten hat. Man kann es im App-Store nicht runterladen, es ist zensiert."

"Global Games", bis 17. April 2016 im Rahmen der "Globale" im Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) Karlsruhe

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