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Kompressor | Beitrag vom 30.11.2017

Ausstellung "Carmen Herrera"Mit 89 das erste Bild verkauft

Susanne Gaensheimer im Gespräch mit Christine Watty

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Die Künstlerin Carmen Herrera im Jahr 2009 (picture alliance / dpa / Adriana Lopez Sanfeliu)
Die Künstlerin Carmen Herrera im Jahr 2009 (picture alliance / dpa / Adriana Lopez Sanfeliu)

Die kubanisch-amerikanische Künstlerin Carmen Herrera wurde vom Kunstmarkt in einem Alter entdeckt, in dem andere Karriere und Leben schon hinter sich haben. Ihr erstes Bild verkauft sie im Alter von 89 Jahren. Nun sind 70 ihrer Werke in Düsseldorf zu sehen.

Herrera gilt heute als eine Pionierin der geometrischen Abstraktion. Sie verkehrte in Avantgarde-Zirkeln verschiedener Jahrzehnte in Paris und New York, kannte Picasso und Pollock. Dass ihre Kunst nicht die Vorstellung kubanischer Exotik traf, wird als einer der Gründe für ihre Nichtbeachtung genannt. Ein anderer ist sicher der, dass sie eine Frau ist.

Modern und radikal

Das Besondere an Herreras Werken sei, dass allen Gemälden "ein architektonisches Denken zugrunde liegt", sagte Susanne Gaensheimer, Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen. Es entstünden "Architekturen, die ins Zwiedimensionale übertragen werden. Das Zusammenspiel von Fläche und Linie sei deshalb so ungewöhnlich, weil es "immer aus einer Balance zu kippen droht".

Bilder aus der Ausstellung "Carmen Herrera – Lines of Sight":Green and Orange (1958)Halloween (2011)Irlanda (1985)Red with White Triangle (1961)Some blue some white (1992)Verticals (1952)

Gründe für den späten Durchbruch

Dass Herrera erst mit Ende 80 ihren Durchbruch feiern konnte, führt Gaensheimer auf mehrere Faktoren zurück. Sie habe zwar Zeit ihrer Lebens ausgestellt, sei aber in einen lateinamerikanischen Kontext eingeordnet worden. Diesen Zusammenhang habe Herrera für sich selbst aber immer als "total uninteressant" betrachtet. Außerdem habe Herrera wie viele andere Künstlerinnen in den 60er-, 70er- bis in die 80er-Jahre hinein nicht die künstlerische Wertschätzung erhalten wie ihre männlichen Kollegen. Natürlich habe auch ihre Herkunft als Lateinamerikanerin eine Rolle gespielt. Sie habe zwar in New York arbeiten können, so richtig integriert sei sie aber nicht gewesen.

Heute seien ihre Arbeiten in den wichtigsten Museen der Welt. Ihre Werke erzielten auf den Auktionen Millionenpreise. Kunsthistorisch würden sie "als absolut wichtige Position in der minimalistischen Malerei anerkannt", betonte Gaensheimer.

70 Werke aus sieben Jahrzehnten

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen zeigt 70 Werke von Carmen Herrera aus den Bereichen Malerei, Grafik und Skulptur von 1947 bis 2017. Ab dem 1. Dezember ist die Ausstellung "Carmen Herrera – Lines of Sight" in Düsseldorf zu sehen.

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