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Fazit / Archiv | Beitrag vom 14.03.2019

Ausstellung "Bauhaus Imaginista"Ideen, die um die Welt gingen

Nikolaus Bernau im Gespräch mit Gabi Wuttke

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Die Ausstellung "Bauhaus Imaginista" im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Zwei Besucher sitzen vor einer Leinwand oder einem Bildschirm und schauen sich eine Installation an. (Silke Briel)
Anspruchsvoll: Die Ausstellung "Bauhaus Imaginista" im Berliner Haus der Kulturen der Welt. (Silke Briel)

Das Bauhaus zog Menschen aus aller Welt an und nahm zugleich Ideen aus aller Welt auf. Eine Ausstellung in Berlin spiegelt nun den Prozess der gegenseitigen Befruchtung. Anspruchsvoll und gelungen, aber nicht selbsterklärend sei die Schau, findet unser Kritiker.

Überall auf der Welt wurden die Bauhaus-Ideen interpretiert, untersucht und weiterentwickelt. So weit, so bekannt. Das Bauhaus war aber nicht nur Ideengeber, sondern nahm auch viele Anregungen von außen auf. Seit der Gründung 1919 stand die Bauhaus-Schule in Kontakt mit avantgardistischen Bewegungen in allen Teilen der Welt.

Das Ausstellungs- und Forschungsprojekt "Bauhaus Imaginista" schaut sich diese Einflüsse, die von außen zum Bauhaus kamen, genauer an und untersucht die wechselseitigen internationalen Beziehungen. 

Seit März 2018 gab es verschiedene Ausstellungen, Symposien und Workshops in Rabat, Hangzhou, New York, Kyoto und Tokio, Moskau, São Paulo, Lagos und Delhi in Zusammenarbeit mit den Goethe-Instituten und Partner vor Ort. Im Berliner Haus der Kulturen der Welt führt das internationale Ausstellungs- und Forschungsprojekt Bauhaus Imaginista diese einzelnen Ausstellungen nun in einer Gesamtschau zusammen.

Die Ausstellung "Bauhaus Imaginista" im Berliner Haus der Kulturen der Welt. Ein Ausstellungsraum mit verschiedenen Objekten innerhalb der Ausstellung. (Silke Briel)Im Haus der Kulturen der Welt werden verschiedenen Schauen des Projekts "Bauhaus Imaginista" zusammengeführt. (Silke Briel)

Funktioniert die Ausstellung im Haus der Kulturen der Welt – kann sie die Wechselbeziehungen gut aufzeigen? Der Kulturjournalist Nikolaus Bernau meint, die Ausstellung sei ebenso interessant wie anspruchsvoll – und alles andere als selbsterklärend.

Einiges habe er in der Ausstellung "überhaupt nicht verstanden" – da habe es erst der erklärenden Worte der Kuratorin Marion von Osten bedurft. In der Ausstellung gebe es sehr wenig Erklärendes zu lesen. "An den Wänden gibt es jeweils eine kurze Erklärungstafel, die von jemandem geschrieben ist, der nicht übermäßig viel Energie in Verständlichkeit investiert hat."

Man hat nicht nur nach Deutschland geschaut

Sehr gut sei das kleine schwarze Heft zur Ausstellung, das Besuchern an die Hand gegeben werde, denn man brauche es "ganz, ganz dringend, um zu verstehen, wie dieses dichte Netzwerk aus Beziehungen, die einmal um die ganze Welt gegangen sind, funktioniert hat. Und wo eben nicht nur die Leute nach Deutschland geguckt haben oder die Deutschen  nach Brasilien. Sondern die Brasilianer haben dann eben auch nach Japan geguckt oder nach Indien geguckt."

Denn in Japan, beispielsweise, entstand 1931, inspiriert vom Bauhaus in Weimar und Dessau, eine Gestaltungsschule, die den Ideen des Bauhauses aber wiederum eine eigene Prägung gab. Doch solch grundsätzliches Wissen vermittle die Ausstellung nicht. Dies sollten Besucher lieber zuvor in einschlägigen Büchern nachlesen.

Die Dozentin Toni Maraini steht vor einer Tafel und unterrichtet in den 60er Jahren ihre Kunstgeschichtsklasse an der Ecole des Beaux-Arts in Casablanca, Marokko. Das Bild stammt aus einer pädagogischen Broschüre der Ecole de Casablanca, 1962-1965. (Mohammed Melehi)Das Bauhaus und seine Ideen war bald in der ganzen Welt zu Hause. Das Foto zeigt die Dozentin Toni Maraini an der Ecole des Beaux-Arts im marokkanischen Casablanca. (Mohammed Melehi)

Sehr schön deutlich würden die Wechselwirkungen etwa am Beispiel von Ieoh Ming Pei, dem berühmten amerikanisch-chinesischen Architekten, und dem Bauhaus-Gründer Walter Gropius.  Beide hätten jeweils Universitäten in China geplant. "Diese Universitäten sind ganz erstaunlich", sagt Bernau. "Gropius hat nämlich eine Universität im chinesischen Stil geplant – mit Pavillons und kleinen Gängen und hübschen Gärten – sehr locker komponiert. Pei dagegen hat eine Universität geplant wie einen amerikanischen Campus, mit lauter Klostergärten, die abgeschlossen sind nach außen – kleine Bildungsburgen, wenn man so will."

Die eurozentrische Sicht darauf sei: Pei habe von Gropius gelernt. Aber es sei vielmehr so: Gropius habe von Pei gelernt, wie man frei im Raum komponiert, und Pei habe eine amerikanische Universität nach China transferieren wollen. Und die Frage, wer wen wie beeinflusst habe, werde in der Ausstellung ständig gestellt. "Insofern ist es eine sehr gelungene Ausstellung: Weil man nämlich keine Antworten bekommt."

(mkn)

"Bauhaus Imganinista"
Haus der Kulturen der Welt, Berlin, bis 10. Juni 2019

Hören Sie hier das Gespräch mit der Ausstellungskuratorin Marion von Osten:
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