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Fazit | Beitrag vom 13.09.2020

Ausstellung "100 Jahre Ruhrgebiet" in EssenVon Kohle und Maloche zu Kunst und Kultur

Heinrich Theodor Grütter im Gespräch mit Eckhard Roelcke

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Zwei festlich gekleidete Junge Frauen stehen vor einem Döner-Imbiss in Herne-Wanne (Fotoarchiv Ruhr Museum, Brigitte Kraemer)
Ruhrgebiet heute: ein Imbiss in Herne-Wanne. (Fotoarchiv Ruhr Museum, Brigitte Kraemer)

Das Ruhrgebiet steht für rauchende Schlote und hart arbeitende Kumpel, aber auch für Strukturwandel und Kunst und Kultur. Eine Ausstellung in Essen zeigt jetzt, wie sich die Identität des Reviers entwickelt hat.

Das Ruhrgebiet wird hundert Jahre alt: 1920 wurde der Siedlungsverband Ruhrkohlenbezirk gegründet, heute Regionalverband Ruhr. Aus diesem Anlass zeigt das Ruhr Museum in Essen nun die Ausstellung "100 Jahre Ruhrgebiet. Die andere Metropole".

Anders als London oder Paris, München oder Hamburg sei das Ruhrgebiet nicht aus einer mittelalterlichen Keimzelle erwachsen, sagt der Direktor des Museums, Heinrich Theodor Grütter: "Wir sind ein Produkt der Industrialisierung." Ein "Siedlungsbrei" von 53 Städten sei zu einer "polyzentrischen Stadt" geformt worden.

Eine Identität entsteht

Die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg war auch im Ruhrgebiet unruhig, es herrschte eine revolutionäre Stimmung. "Da entdeckt man in Preußen, in Berlin, die Notwendigkeit der Ordnung und der Stabilisierung dieser Region", sagt Grütter. In der Folge wurden Bereiche wie die Wirtschaft, die Stromversorgung oder der Wohnungsbau für die ganze Region geordnet. "Und damit entsteht die Identität Ruhrgebiet", so Grütter.

Diese Identität sei bei der Kommunalwahl in Nordrhein-Westfalen nun gestärkt worden, berichtet Grütter. Denn zum ersten Mal wurde die Verbandsversammlung des Regionalverbandes Ruhr von der Bevölkerung direkt gewählt: "Das ist für die demokratische Legitimation des Verbandes, aber auch für das Selbstverständnis des Ruhrgebietes ganz entscheidend."

In der Ausstellung werden über tausend Exponate gezeigt, darunter Dokumente wie die Urkunde der Montanunion. "Das ist im Prinzip die Gründungsurkunde der Europäischen Union", so der Museumsdirektor.

Zugleich kann man entdecken, dass das Ruhrgebiet sich schon länger nicht mehr nur über seine ehemals starke wirtschaftliche Kraft definiert. So gibt es das Kostüm von Ulrich Wildgruber aus der legendären Hamlet-Inszenierung von Peter Zadek im Schauspielhaus Bochum zu sehen, oder ein Kostüm aus dem Starlight Express. "Das ist das erfolgreichste Musical der Welt, das seit 30 Jahren im Ruhrgebiet tagtäglich aufgeführt wird", sagt Grütter.

(beb)

Die Ausstellung "100 Jahre Ruhrgebiet. Die andere Metropole" ist noch bis zum 9. Mai 2021 im Ruhr Museum in Essen zu sehen. 

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