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Fazit / Archiv | Beitrag vom 11.01.2016

#ausnahmslosKampagne gegen Sexismus und Vorurteile

Emine Aslan im Gespräch mit Vladimir Balzer

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Demonstranten mit Transparenten vor dem Hauptbahnhof, darauf zu lesen "Nein zu Rassismus, nein zu Sexismus". (dpa / Oliver Berg)
Demonstranten verschiedener linker Gruppen demonstrieren vor dem Kölner Hauptbahnhof gegen Rassismus und Sexismus. (dpa / Oliver Berg)

Unter dem Hashtag #ausnahmslos hat eine Initiative gegen Sexismus die Twitter-Hitliste gestürmt. Vor dem Hintergrund der Silvester-Ereignisse in Köln warnen die Aktivistinnen vor einer Instrumentalisierung der Gewalt-Debatte durch Rechtsextreme. Sexuelle Gewalt müsse zudem konsequenter geahndet werden.

Hinter dem Tweet #ausnahmslos verbirgt sich eine Kampagne gegen Sexismus. Ein Aufruf von Feministinnen gegen sexualisierte Gewalt nach den Silvester-Angriffen in Köln hat im Netz schnell viele Unterstützer gefunden. Unter dem Hashtag solidarisierten sich auf Twitter zahlreiche Menschen mit den Initiatorinnen. Zu den 300 Erstunterzeichnern des Appells gehörten auch Familienministerin Manuela Schwesig (SPD), Grünen-Politikerin Claudia Roth oder Linken-Chefin Katja Kipping und Musikerin Inga Humpe. 

Unter den Aktivistinnen ist auch die Mainzer Soziologie-Studentin Emine Aslan. Sie sagte, #ausnahmslos wehre sich entschieden dagegen, dass konservative und rechtsextreme Populisten die Debatte um sexualisierte Gewalt für ihren Rassimus instrumentalisierten.  "Es ist für alle schädlich, wenn feministische Anliegen von Populist_innen instrumentalisiert werden, um gegen einzelne Bevölkerungsgruppen zu hetzen, wie das aktuell in der Debatte um die Silvesternacht getan wird", schreiben die Initiatorinnen auf der Webseite. 

Unter #ausnahmslos wollen die Begründerinnen aufmerksam machen gegen sexualisierte Gewalt und Rassimus. (Screenshot ausnahmslos.org)Unter #ausnahmslos wollen die Begründerinnen aufmerksam machen gegen sexualisierte Gewalt und Rassimus. (Screenshot ausnahmslos.org)

Kann eine Twitterkampagne das Problem lösen?

Doch ist das Problem Sexismus mit einer Twitterkampagne lösbar – sei sie auch noch so erfolgreich?

"Ich denke, dass dort, wo gesetzliche Schwachstellen sind, diese auch geändert werden müssten. Zum Beispiel, wenn man Strafanzeige stellt bei sexuellen Übergriffen." Man müsse sich beispielsweise fragen, warum es eine Minderung des Strafmaßes gebe, wenn seitens des Täters Alkohol im Spiel sei. "Wenn wir es ernst meinen mit der Sexismusdebatte, dann müssen wir auf jeden Fall auf gesetzlicher Ebene anknüpfen."

Wichtig sei es, mit den Vorurteilen in den Köpfen aufzuräumen und die Sexismusdebatte vom Rassismus befreien: 

"Es gibt bestimmte gesellschaftliche Vorurteile in unseren Köpfen, die, wenn bestimmte Fälle eintreten, als eine Art selbsterfüllende Prophezeiung funktionieren. Das heißt zum Beispiel, wenn ein weißer, deutscher Mann sexuelle Straftaten begeht, dann wird es als Einzelfall wahrgenommen, dann wird es dem Alkohol zugeschrieben oder er ist dann einfach nur ein Macho." Handele es sich bei dem Täter aber um eine schwarze, eine muslimische Person oder um einen Flüchtling, dann wird der Grund sofort in der Kultur gesucht, in der Religion gesucht."

Auf Twitter meldeten sich viele der Mitunterzeichnerinnen zu Wort.

Die Journalistin und Medienberaterin Kübra Gümüşay setzt sich gegen Rassismus und Sexismus ein.

Auch die LINKEN-Politikerin Katja Kipping hat unterzeichnet und ihre Teilnahme auf Twitter bekannt gegeben.

Die Stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend Manuela Schwesig erklärt auf Twitter warum sie dabei ist.

 

Die Autorin und Speakerin Anne Wizorek, die auch schon die Onlinekampagne #aufschrei initiiert hatte, setzt sich auch für #ausnahmslos ein.

 

Kulturpresseschau

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