Seit 10:05 Uhr Lesart

Donnerstag, 14.11.2019
 
Seit 10:05 Uhr Lesart

Kulturpresseschau | Beitrag vom 08.09.2019

Aus den FeuilletonsŽižek warnt vor einer "Ökologie der Angst"

Von Adelheid Wedel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Der slowenische Philosoph Slavoj Zizek (imago stock&people)
Slavoj Žižek vergleicht die heutigen Voraussagen über die Klimaerwärmung mit den damaligen über das Waldsterben. (imago stock&people)

Der slowenische Philosoph Slavoj Žižek warnt in der "Welt" vor den drastischen Voraussagen über den Klimawandel: "Schnelle Schlussfolgerungen geben nur den Leugnern der Klimaerwärmung Feuer, deshalb sollten wir die Falle einer 'Ökologie der Angst' vermeiden."

"Steuern wir tatsächlich auf einen kollektiven Selbstmord zu?", fragt Slavoj Žižek in der Tageszeitung DIE WELT. Er erklärt:

"Wenn wir uns ernsthaft den Bedrohungen unserer Umwelt stellen wollen, sollten wir gerade diese schnellen Extrapolationen vermeiden, die unsere Einbildungskraft in Bann schlagen. Vor dreißig Jahren redeten in Europa alle über das Waldsterben, es gab Berechnungen darüber, wie es in einem halben Jahrhundert in Europa ohne Wälder aussehen würde."

Žižek ist der Ansicht: "Obwohl wir ökologische Bedrohungen sehr ernst nehmen müssen, sollten wir uns gleichzeitig darüber im Klaren sein, wie unsicher die Analysen und Projektionen in diesem Bereich sind." Der Philosoph warnt: "Schnelle Schlussfolgerungen geben nur den Leugnern der Klimaerwärmung Feuer, deshalb sollten wir die Falle einer 'Ökologie der Angst' vermeiden."

Am Ende seiner Überlegungen zieht Žižek Bilanz: "Ökologische Bedrohungen machen vor allem eines klar, nämlich dass die Ära souveräner Nationalstaaten auf ihr Ende zusteuert – stattdessen wird starke globale Handlungsfähigkeit gebraucht, gepaart mit der Macht, die notwendigen Maßnahmen zu koordinieren."

Alexander von Humboldts Idee der Humanität

Ob auch er schon globale Prozesse im Blick hatte – der vor 250 Jahren geborene Alexander von Humboldt?

Im TAGESSPIEGEL schreibt der Berliner Erzbischof Heiner Koch über die "herausfordernde Nachbarschaft" zwischen Wissenschaft und Glaube, die im Berliner Stadtbild durch "die Nachbarschaft der Humboldt-Universität mit der katholischen St. Hedwigs-Kathedrale" augenfällig ist. "Hier die Brutstätte aufgeklärter Wissenschaft, da der Hort traditionsgebundener Religiosität; hier das säkulare Wissen, da der christliche Glaube."

Heiner Koch begründet die Notwendigkeit und seine Begeisterung für das neu gegründete Zentralinstitut für Katholische Theologie an der Humboldt-Universität. Er sei überzeugt, "dass die Universität, um wirklich universal zu sein, die Theologien braucht". Und er sei genauso überzeugt, "dass sich die katholische Theologie, um wirklich katholisch zu sein, dem wissenschaftlichen Diskurs an den Universitäten stellen muss".

An die Stelle der Gottesidee setzte Alexander von Humboldt die Idee der Humanität. Sein Bruder, Wilhelm von Humboldt, verteidigte die Idee, "dass die gesamte Menschheit ohne Rücksicht auf Religion, Nation und Farbe, als ein großer, nahe verbrüderter Stamm, als ein bestehendes Ganzes zu behandeln sei."

Peggy Parnass: "Konflikten nie aus dem Weg gehen"

"Die ganze Welt ist Krieg", sagt Peggy Parnass in der Tageszeitung TAZ. Sie sei "Konflikten nie aus dem Weg gegangen: als Jüdin, große Schwester, Theatermacherin, Gerichtsreporterin und Autorin", setzt Friedrich Gräff seinem Interview voran, in dem es um Rachegefühle, Wiederbegegnungen nach dem Krieg, die Bedeutung von Freundschaften und das Älterwerden geht.

Die inzwischen über 90-Jährige nimmt noch an Demos teil und tritt für Entrechtete ein. So etwas habe man noch nicht erlebt, hörte sie Menschen reden angesichts der Flüchtlinge, die nirgends an Land gehen durften. Das weiß sie besser und sagt: "Doch. Hat man. Wir als Juden haben überall hingeschrieben, bitte lasst uns kommen, wir werden sonst ermordet, das wusste jedes Kind. Nein, kein Land wollte uns haben. So neu ist das alles nicht."

An diesem Montagabend wird in der Hamburger Akademie der Künste eine Filmcollage über Peggy Parnass aufgeführt.

Kiran Nagarkars erzdogmatischer Liberalismus

Einen Nachruf auf Kiran Nagarkar lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Alex Rühle schildert den 1942 geborenen indischen Schriftsteller als "das Gewissen Mumbais". Bekannt wurde er mit seinem Roman "Gottes kleiner Krieger" über einen rigorosen Fundamentalisten. Auf die Frage, ob er selbst dogmatische Wesenszüge trage, antwortete er: "Oh, absolut, ich bin ein erzdogmatischer Liberaler." Die Frage, ob er an einen Gott glaube, konterte er mit dem Satz, "die einzige Gottheit, die Verehrung verdiene, sei das Leben".

Mehr zum Thema

Generation "Fridays for Future" - Wer ist denn die Jugend?
(Deutschlandfunk Kultur, Politisches Feuilleton, 30.08.2019)

Zum 250. Geburtstag - War Humboldt ein Humanist?
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 08.09.2019)

Zum 70. Geburtstag von Slavoj Žižek - Warum wir radikaler denken müssen
(Deutschlandfunk Kultur, Sein und Streit, 17.03.2019)

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur