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Kulturpresseschau | Beitrag vom 14.06.2020

Aus den FeuilletonsWie das Smartphone uns um den Schlaf bringt

Von Klaus Pokatzky

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Ein Mann liegt im Bett und schaut auf sein Smartphone-Display. (imago images / Cavan Images)
Wir nehmen unser Smartphone überall mit hin und vergessen dabei fast, es auch nachts mal wegzulegen. Welche Folgen das hat, ist in der "Süddeutschen" nachzulesen. (imago images / Cavan Images)

Von der "Süddeutschen" lernen wir das Wort der Stunde: Doom Scrolling. Grob gesagt handele es sich "um das obsessive Konsumieren von schlechten Nachrichten", erklärt die Zeitung. Das gefährde auch die Nachtruhe.

"Neue Zeiten erfordern neue Wörter", steht in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. "Eine solche Vokabel", schreibt Michael Moorstedt, "ist ‚Doom Scrolling‘. Die deutsche Übersetzung steht noch aus." Versuchen wir es dann mal: "Doom" heißt "Untergang" und das "Scrollen" betreiben wir, wenn wir uns auf dem Bildschirm des Rechners oder des Smartphones langsam durch all das herumtasten, was das Internet so bietet.

"Grob gesagt handelt es sich um das obsessive Konsumieren von schlechten Nachrichten. Menschen versorgen sich bis spät in die Nacht mit den neuesten Hiobsbotschaften", erklärt uns das neue Wort die SÜDDEUTSCHE – und gibt einen Tipp des Wissenschaftsmagazins "Popular Science" wieder: "Die Menschen sollten einfach mal ihre Smartphones ausschalten und ‚eine gottverdammte Zeitung lesen‘."

Zum Tod des Verlegers Jörg Schröder

Das machen wir gerne, finden da aber auch nicht immer nur gute Nachrichten. "Das heroische Zeitalter geht zu Ende, die wilden Kerle fallen einer nach dem anderen", lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN zum Tode von Jörg Schröder, dem "Verleger einer ganzen Epoche, die Sex und Literatur feierte", der "längst in die Literaturgeschichte eingegangen" ist, wie Willi Winkler würdigt.

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1969 hatte Jörg Schröder den März-Verlag gegründet, der dann 1987 in Konkurs ging: eine "Institution der literarischen Gegenkultur", so der Berliner TAGESSPIEGEL. "Dessen Veröffentlichungen sollten die Zeit und die Kultur der Bundesrepublik der frühen siebziger Jahre prägen", schreibt Gerrit Bartels: "Hier die von der US-Subkultur beeinflusste Underground- und frühe Popliteratur, dort die emanzipatorischen Diskursbücher, mal mit mehr, mal weniger Diskurs: Das war das März-Programm."

Und da dürfen wir Günter Amendts Aufklärungsbuch "Sexfront" natürlich nicht vergessen: "Auch in den achtziger und neunziger Jahren war es Heranwachsenden noch ohne große Worte und Umstände von den Eltern in die Hand gedrückt worden." Heute drücken die auf ihrem Smartphone herum beim "Doom Scrolling". So ändern sich die Zeiten.

Mehr Raum für Radfahrer und Fußgänger

"Radfahrer und Fußgänger bekommen in London, Brüssel, Paris und anderswo mehr Raum zu Lasten der Flächen für Autos", lesen wir im TAGESSPIEGEL zu den Änderungen in Zeiten von Corona. "Die Universität von Cambridge teilt mit, dass die Vorlesungen des kommenden Jahres online stattfinden. Was bedeutet das für unsere Städte?", fragt der Stadtplaner und Architekt Markus Appenzeller – und gibt die Antwort des Fachmannes:

"Kurzfristig werden einige Läden und Einkaufszentren schließen und natürlich wird die Frage entstehen, wie man den öffentlichen Raum lebendig halten kann. Büros werden leer stehen und möglicherweise in Wohnraum umgewandelt." Aber der sollte dann etwas großzügiger gestaltet sein – denn:

"Schon heute haben Firmen angekündigt, dass sie bleibend anders werden. Twitter überlässt es seinen Angestellten zu entscheiden, ob sie wieder an ihren Arbeitsplatz kommen wollen, oder zu Hause arbeiten."

"Ordnung schaffen hilft gegen die Angst"

Egal, wie groß die Wohnung ist – eines lohnt sich immer. "Ordnung schaffen hilft gegen die Angst", empfiehlt Julia Lüdemann. "Man hat ja Angst vor dem Chaos und das Leben ist Chaos, weil es anders kommt, als man denkt, da hilft Aufräumen und Struktur schaffen total", sagt sie im Interview mit der Tageszeitung TAZ.

"Ich packe häufig mit Menschen Erinnerungskisten, das ist etwas ganz Schönes. Die kann man auch zumachen und wegstellen", erzählt die gelernte Buchhändlerin, die in Hamburg als "Aufräumcoach" tätig ist. Ganz wichtig dabei: "Jeder hat seine eigene Ordnung. Man darf nie einem anderen seine eigene Ordnung aufdrängen."

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