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Kulturpresseschau | Beitrag vom 02.11.2018

Aus den FeuilletonsWie Angela Merkel ihre Partei und das Land verändert hat

Von Ulrike Timm

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Bundeskanzlerin Angela Merkel läuft zwischen EU-Fahnen auf einem EU-Gipfel am 28. Juni 2018. (imago/Belga)
Kanzlerin Angela Merkel auf einem EU-Gipfel in Brüssel im Juni 2018 (imago/Belga)

In den Feuilletons geht es um den Blick zurück: Die "Welt" und die "SZ" sinnieren darüber, was sich unter Merkel verändert hat - in ihrer Partei genauso wie in Deutschland. Und auch die "FAZ" schaut zurück: in die US-amerikanische Vergangenheit.

"Am Tag, da Merkel ihren Rückzug als Parteichefin verkündete, gab die Agentur für Arbeit bekannt, dass die Arbeitslosigkeit auf das niedrigste Niveau seit der Wiedervereinigung gesunken ist." Angela Merkel habe in ihrer Amtszeit das Land komplett verändert, meint Alan Posener in der WELT, und zwar nicht nur, weil eine derartige wirtschaftliche Stärke wie heute bei ihrem Amtsantritt eine "fast utopische Zielsetzung schien".

Tenor des Artikels in der WELT: Erst jetzt, wo sie auf dem Absprung ist, wird deutlich, was wir an ihr hatten. Und mit Blick auf das kommende Rennen um den Parteivorsitz schreibt Posener: "Sollte Friedrich Merz sie beerben, wäre es die späte Rache des Abservierten. Eine größere Ironie der Geschichte ist es, dass Jens Spahn, Posterboy der Rechten in der Partei, als bekennender Schwuler keine Chance gehabt hätte in der Union, bevor Merkel sie umkrempelte."

Der Mann an der Spitze als Sonderfall

Susan Vahazadeh schreibt in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG unter der Überschrift "Sonderfall Kanzlerin" über das Lamentieren wegen Merkels vermeintlich unweiblichem oder dann doch wieder irgendwie weiblichem Führungsstil und betont dann: "Jedes Mädchen, das nach der Jahrtausendwende in Deutschland geboren worden ist, unterscheidet sich in einem Punkt von all seinen Vorgängerinnen: Es wuchs in einem Land auf, in dem, so lange es denken kann, eine Frau an der Macht war. Für dieses Mädchen wird ein Mann an der Spitze der Sonderfall sein!"

Auch in der TAZ sehen wir Merkel, einmal von hinten, nur Haare, aber wohlfrisiert, und zweimal von oben – drei Fotografen erinnern sich an ihre Begegnungen mit der Kanzlerin, und Ute Mahler, die sie in der Umbruchszeit um 2000 traf, als "sie dabei war, Vorsitzende der CDU zu werden", blieb als prägnantester Satz ihrer Begegnung mit Angela Merkel in Erinnerung: "Ich habe gerne den Kopf oben."

1965: Tausende Afroamerikaner marschieren durch die Südstaaten

Kurz vor den Kongresswahlen in den USA ist Verena Lueken für die FAZ durch die Südstaaten gereist, auf den Spuren der Bürgerrechtsbewegung. Sie erinnert an den Marsch Tausender Afroamerikaner von Selma nach Montgomery mit dem Ziel, dort ihr verfassungsmäßig verbürgtes Wahlrecht einzuklagen. Und eine ganze Reihe von ihnen bezahlte dafür, dass sie ihr Recht einfordern wollte, 1965 mit dem Leben.

Der "lange Weg in die Freiheit" sei auch heute noch nicht am Ziel, das wird der FAZ–Autorin in Alabama 2018 immer wieder deutlich: "Vielmehr liegt in den Möglichkeiten dieses Landes auch die, sich zu verlieren und die Idee seiner Gründerväter von einer gemeinsamen besseren Zukunft zu verraten. Die Frage, was sein sollte, kann, wie wir sehen, auch mit einer Kriegserklärung an Teile des eigenen Volks beantwortet werden, und mit 'We the People' kann auch gemeint sein: 'We the White People', 'We the Rich, and we the Abled'. Dahin treibt Amerika heute."

Und Verena Lueken erinnert daran, wie enttäuscht Martin Luther King war, "dass die armen Weißen mit den armen Schwarzen nichts zu tun haben wollten". Soweit die FAZ. Die TAZ wartet – ganzseitig mit Foto – mit Profanerem auf: "Noch acht Wochen bis Weihnachten." Kann man ja schon mal übersehen.

Warum Treppen mal als anstößig galten

Wenn Sie bis dahin noch ein wenig fitter werden wollen, trainieren Sie mit der SZ für aerobe Fitness, straffere Beine und einen knackigeren Hintern. Geht ganz einfach: Treppe nutzen. Dabei galten Treppen im Verlauf der Moderne architektonisch eher als anstößig, meint Gerhard Matzig. "Weil sie ganz offensichtlich antidemokratisch das Hierarchische illustrieren: das Denken in Stufen und in den Kategorien 'oben' und 'unten'.

Mal ganz abgesehen von der Frage der Barrierefreiheit. Spätestens mit der Erfindung des absturzsicheren Aufzugs im Jahre 1853 durch einen gewissen Otis ging es für die Treppen so oder so nur noch treppab." Hilft nix. Wer die Sache mit der Kondition in Angriff nehmen will, für den gilt "Aufzug war gestern."

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