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Kulturpresseschau | Beitrag vom 11.04.2021

Aus den FeuilletonsWarnung vor einer Zweiklassengesellschaft

Von Klaus Pokatzky

Kann man jemandem, der vollständig geimpft ist, seine Grundrechte weiter verwehren? Um diese Frage kreist eine Debatte, die die "Süddeutsche" zum Anlass für düstere Prognosen nimmt – dann nämlich, wenn das Impfen nicht endlich in die Gänge kommt.

"Der Geist beherrscht den Körper." Das lesen wir zur Ermutigung in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "Die geistige Überlegenheit ist mit dem Alter gewachsen", sagt Albrecht Mayer mit seinen 55 Jahren. "Vieles, was früher sehr anstrengend für mich war, kann ich jetzt relativ mühelos spielen." Albrecht Mayer spielt mühelos die Oboe bei den Berliner Philharmonikern.

"Seine neue Mozart-CD ist im Lockdown entstanden", steht in der Tageszeitung DIE WELT, der er ebenfalls ein langes Interview gegeben hat. "Deutschland ist einzigartig auf der Welt", sagt er da, was ja auch sehr ermutigend klingt. "Wir hatten ein wunderschönes Kulturleben. Das geht gerade vor die Hunde."

Und damit holt er uns herunter auf den Boden der Corona-Tatsachen. "Wir Künstler, die auf einer Bühne stehen, Schauspieler, Musiker, Sänger, haben alle große Angst, dass viele Strukturen zerstört, viele Veranstalter pleitegegangen sein werden, viele Konzerthäuser, Künstler, Schauspieler, Freischaffende bankrott sind."

Düstere Zukunftsaussichten – für Deutschland

Fern auf der anderen Seite des Atlantiks scheint es da wieder Hoffnung zu geben. "Joe Biden handelt", lobt der Berliner TAGESSPIEGEL den US-Präsidenten. "Er nimmt gewaltige Geldmengen in die Hand und hat seinen Covid-Plan zum Gesetz gemacht", schreibt Klaus Brinkbäumer: "Amerika impft und hilft den Leidenden".

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Aber auch Deutschland impft und hilft den Leidenden, jedenfalls denen der höheren und höchsten Altersgruppen, und dabei rumpelt es. "Wenn das Impfen nicht endlich in die Gänge kommt", warnt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, "wird der Impfpass als Passierschein in ein freies Leben auch zum Run auf das unnötig limitierte Impfgut", beschreibt Gerhard Matzig düstere Zukunftsszenarien, wenn wir möglicherweise eine regelrechte Zwei-Klassengesellschaft durch Corona bekommen.

"Man hat den Schwarzmarkt des Impfens, der so entsteht, und die gefälschten Impfdokumente schon vor Augen. Und nachdem man die Jugend zuletzt als haltlose Bande verunglimpft hat, wird man bald auch wieder bei der Altersdiskriminierung landen angesichts drohender Rollatorengreise, die dann das mediale Zerrbild bestimmen. Das Chaos ist da." Düstere Zukunftsaussichten.

Günther Jauch wirbt für Impfung

Was aber jetzt schon da ist, das sind die vielen, die sich ja gar nicht impfen lassen wollen, für die Corona auch eher so etwas wie ein Fliegenschiss ist. "Ich werde mich impfen lassen, wenn ich an der Reihe bin", sagt da der Fernsehmoderator Günther Jauch. Er ist an Corona erkrankt und war im Fernsehsender RTL "am Samstagabend per Videoschalte zu sehen", hieß es im TAGESSPIEGEL.

"Das Risiko, zu erkranken, ist für meine Begriffe viel bedeutender als das Risiko, dass es da irgendwelche Nebenwirkungen beim Impfen gibt", so Günther Jauch unmissverständlich. "Ich impfe mich und möchte einfach dafür werben, dass das so viele wie möglich auch tun."

Es sind schon recht ungewöhnliche Bilder, die Corona so zeitigt. "Lieber Herr Jauch, Sie sehen ein bisschen mitgenommen aus", sorgte sich die RTL-Moderatorin Barbara Schöneberger beim Betrachten "des 64-Jährigen mit den sichtbar unfrisierten Haaren", wie der TAGESSPIEGEL den Fernsehstar beschreibt, den wir doch ansonsten nur kennen, als käme er gerade aus dem Friseursalon.

"Was bleibt, ist die Hoffnung", meint Gerhard Matzig in der SÜDDEUTSCHEN bei seinem düsteren Zukunftsblick auf ein privilegiertes Leben mit dem Impfpass. "In diesem Fall ist es die Hoffnung auf einen unerwarteten Anfall kollektiver Weisheit abseits von Recht und Gerechtigkeit."

Die Weisheit stirbt zuallerletzt.

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