Aus den Feuilletons

Vorfreude auf Asterix

04:23 Minuten
Mit Spannung erwartet: Im Herbst erscheint ein neuer Asterix-Band. © dpa picture-alliance Egmont Ehapa
Von Ulrike Timm · 11.04.2019
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Comicfans wird es freuen. Der Titel des im Herbst erscheinenden Asterix-Bands ist raus: "Eine Tochter, beim Teutates!" Das melden NZZ und Süddeutsche Zeitung. Ein bisschen vom Inhalt wird auch schon verraten.
Um Jugendliche vor gefährlichen Inhalten im Internet zu schützen, unternehmen Plattformanbieter viel zu wenig, findet die SPD-Politikerin Heike Raab in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. Sperren ließen sich viel zu leicht umgehen, ein Klick, "bin über 18", schon hätte man Pornoseiten frei Haus. Dabei müsse man nur wollen.
"Denn es gibt funktionierende Angebote – sowohl im digitalen wie im analogen Bereich. Am Zigarettenautomaten etwa muss der Personalausweis zur Altersverifikation verwendet werden. Das Knowhow und die nötigen finanziellen Mittel sollten bei Plattformen und Anbietern vorhanden sein, ebenfalls Altersplausibilitätsprüfung durch die Personalausweisnummer oder die eID (elektronischer Identitätsnachweis) zu implementieren." Soweit die FAZ.

Wahrheit und Fakes

"Früher war die Wahrheit schöner", bedauert die NZZ.
"Fakes sind nicht wahr. Nur merkt man das nicht immer." Der schöne Titel gilt der Rezension eines Buches, das anhand zahlreicher literarischer Beispiele aufzeigt, "wie man Wahrheit erfindet", von der "List der Dichter" spricht und dem Gift der schönen Lügen.

Austellung zu Emil Nolde

Mit der geschönten wie der ungeschönten Wahrheit eines Künstlers beschäftigen sich gleich mehrere Feuilletons ausführlich – es geht um das Leben Emil Noldes, der seine Nähe zum Nationalsozialismus so sehr schönte und verfremdete, dass die Legende vom einsam und rebellisch im hohen Norden gegen Hitlers Ideologie anmalenden Künstlers bis vor kurzem hielt.
Zwar ist Noldes NSDAP-Mitgliedschaft schon seit Mitte der 1990er bekannt, aber in weiten Kreisen hielt die Legende vom Widerständler, und gerade erst wurden seine Bilder aus den Amtszimmern der Kanzlerin entfernt. Jetzt zeigt die große Ausstellung "Emil Nolde – eine deutsche Legende" im Hamburger Bahnhof in Berlin Noldes Verstrickungen in nazistischen und antisemitischen Ungeist. "Der Abgehängte" titelt der TAGESSPIEGEL, "Die große Übermalung" die WELT. Und es ist kompliziert.

Nolde als sein eigener Legendenbilder

Noldes Bilder wurden als "entartet" gebrandmarkt, er hatte Berufsverbot in der Nazizeit, aber er war Parteimitglied, hisste die Hakenkreuzfahne auf seiner Trutzburg Seebüll und äußerte sich besonders in seinen frühen Jahren unverhohlen antisemitisch. "Lange war Emil Nolde Herr seiner eigenen Legendenbildung, die nach seinem Tod ihre Fortsetzung fand", schreibt die WELT, und weiter:
"Es ist das Verdienst dieser Ausstellung, deren Kuratoren dankenswerterweise von der ‚Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde‘ unterstützt wurden, dieser Legende nachhaltig ein Ende gemacht zu haben. Die Ausstellung lehrt: Es gibt keine sicheren geistigen Orte."
Ähnlich sprechen auch der TAGESSPIEGEL und die TAZ von der klugen und umfassenden Ausstellung in Berlin, die die "Wandlungen in der Deutung des großen Emil Nolde" – so die TAZ – aufzeigt.

Vercingetorix erhält eine Tochter

Andere Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, im Herbst erschient der neue Asterix, aber schon jetzt – gutes Marketing ist alles – wird der Schleier ein wenig gelupft. Klar, Prügeleien und Wildschweingelage in der Schlussszene gehören zum unumstößlichen Tableau, aber diesmal heißt es "Eine Tochter, beim Teutates!". Das melden NZZ und SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.
"Wer Franzose wird, hat die Gallier und Vercingetorix als Vorfahren", verkündete der frühere Staatspräsident Sarkozy einmal und sorgte damit nicht nur für Polemik in der Einwanderungsdebatte, sondern lag auch dynastisch völlig falsch, belehrt uns die NZZ. Denn der junge Avernerhäuptling Vercingetorix sei 46 v. Chr. kinderlos gestorben.
Aber nun werde "auf wundersame Weise der abgerissene historische Faden diesen Herbst wieder aufgenommen", Vercingetorix erhält eine Tochter! Die muss durch allerhand durch, ein "Mädchenleben zwischen Erblast, Selbstbestimmung, Pubertät, Eigensinn, Gesellschaftszwang", zählt die SÜDDEUTSCHE auf, alles in politisch komplizierter Gesamtsituation. Da ist bestimmt allerhand Zaubertrank nötig!
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