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Kulturpresseschau | Beitrag vom 23.10.2018

Aus den FeuilletonsUngewisse Reise nach Norden

Von Ulrike Timm

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Migranten aus Honduras marschieren in Guatemala in einer Karawane in Richtung der mexikanischen Grenze.  (PA/dpa/Morena Perez Joachin)
Tausende Menschen aus Mittelamerika fliehen zu Fuß durch Mexiko, um in die USA zu gelangen. (PA/dpa/Morena Perez Joachin)

Mit der Flucht in Richtung USA hoffen tausende Menschen aus Mittelamerika auf eine bessere Zukunft. Die Bilder erinnerten an machtvolle Märsche von den Israeliten bis Mao, findet die "Welt". Das ersehnte Ziel könne aber trotzdem unerreicht bleiben.

"An Hessen führt kein Weg vorbei? Oh doch!" meint die TAZ und zeigt zum Start ihrer Reihe "Unbekanntes Hessen", wie man auch in dieser Wahlwoche sicher um das babbelnde Bundesland herumkommt:

"per Bahn, Schiff, Fahrrad – und wenn’s denn unbedingt sein muss, auch mit dem Auto". Liebevoll, ganzseitig und unter Umgehung aller Hindernisse hat die Taz die Wege nachgezeichnet, damit auch keiner unterwegs verloren geht. Kostprobe per Schiff:

"Für die Schiffspassage vom (noch) bayerischen Aschaffenburg nach Rotterdam liegt Hessen ganz schön im Weg".

Aber mit einem Umweg übers Mittelmeer kommt man schließlich doch in Atlantik und Nordsee und also an Hessen vorbei. Wir sind gespannt auf die Erkundungen der nächsten Tage, das "unbekannte Hessen" der TAZ ziert ein Weinkrug, und keiner kann sehen, ob, was und wieviel da drin ist.

Die Macht des gemeinsamen Marsches

Den möglichst direkten Zugang in Länder, die ihnen vielleicht oder nur erhofft eine bessere Zukunft bieten, suchen Flüchtlinge, derzeit gehen sie in Mexiko "zu Fuß nach Norden, mit ihren Siebensachen und ihren Babys. Es ist ein Marsch."

"Den Exodus kann niemand aufhalten: Die Bilder marschierender Flüchtlinge rufen historische Urbilder auf", schreibt Richard Kämmerling in der WELT und macht sich auf die Suche nach einer politischen Ikonographie. Die Bildkraft des Marsches führt ihn einmal quer durch die Kunstgeschichte, von Lucas Cranachs "Zug der Israeliten durch das Rote Meer" über den Kinderkreuzzug in historischem Stich bis zum historischen Marsch von Mussolinis Schwarzhemden auf Rom und dem Langen Marsch der Maoisten, den ein chinesischer Künstler auf die Leinwand brachte. Alles groß zu sehen.

Aber was soll uns das sagen?

"Die aktuellen Bilder aus Mexiko entbinden einmal mehr die Dialektik des alten Exodus-Topos", lesen wir in der WELT, "der Marsch erscheint als machtvoll und unbesiegbar, als seien diese armen und schwachen Menschen durch ihren Zusammenschluss jeder abstrakten Institution und politischen Ordnung überlegen, als sei jede Grenze plötzlich durch eine archaische Urgewalt überwindbar. Weil aber die Ängste proportional zu dieser imaginierten Macht wachsen, scheint zur Abwehr der Gefahr jedes Mittel recht. Der Vorstellungskraft könnte Waffengewalt gegenübertreten. Einem Donald Trump, dem Imagination und Realität immer mehr in eins fallen, ist alles zuzutrauen – sogar der Irrglaube, dem Marsch ein blutiges Ende bereiten zu können". Erstmal endet hier Richard Kämmerlings Artikel in der WELT.

Neue Musik ohne Kraft

In der NZZ wird nicht mit den Füßen abgestimmt, stattdessen heißt es "Bitte nicht mit den Füßen komponieren!". Eleonore Büning berichtet von den Donaueschinger Musiktagen, und bei zwei Dutzend Uraufführungen fehlt es ihr doch an musikalischer Energie, Poesie und Richtung.

"Stattdessen ziert ein Comic das Programmbuch. In dessen dritten Kapitel taucht, in alter Frische, ein kahlköpfig gestrichelter Theodor W. Adorno auf und krakeelt: 'Das klingt, als komponierten Sie mit den Füßen!' Was nicht nur ein alter Organistenwitz ist, sondern auch eine Parole, es meint so viel wie: ohne Idee."

So viel zu den altehrwürdigen Tagen der Neuen Musik, deren "Update your ears!" diesmal wohl eher ins Leere ging. Meint zumindest die NZZ.

Teure Bibelfälschungen

Einen richtigen Missgriff erwischte man in Washington. "Ein baptistisches Predigerseminar in Texas und eine evangelikale Hochschule in Kalifornien hatten Millionen für angeblich antike Schriftrollen ausgegeben." Man "kaufte eifrig Überreste von Texten, die Jesus selbst in der Hand gehabt haben könnte", Zweifel an der Echtheit gab es schon lange, jetzt haben 3-D-Mikroskope, Röntgenspektroskopie und Röntgenfluroszenz es nachgewiesen, und die WELT meldet das Desaster aus dem neuen Bibelmuseum in Washington: "Die Hauptattraktion ist eine Fälschung!".

Aber ob ein Evangelikaler dem bösen Einsatz der Technik glaubt?!

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(Deutschlandfunk Nova, Kultur, 09.07.2013)

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