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Kulturpresseschau | Beitrag vom 26.11.2018

Aus den FeuilletonsÜber musikalische Abgründe und heiße Debatten

Von Adelheit Wedel

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Eine leere Bühne mit Mikrofonen und Gitarre (imago stock&people)
Eine leere Bühne mit Mikrofonen und Gitarre (imago stock&people)

Von allen Seiten wird der Brexit derzeit analysiert. Denn viele fürchten, dass er ansteckend ist. Und so hat sich der Tagesspiegel den Britpop ein wenig genauer angeschaut. Der sei zuletzt zum bräsigen Dad-Rock verkommen. Liegt der Grund für den Brexit also in der Musik?

"Im Gefängnis wurde ich immun gegen Verzweiflung", sagt Yassin al-Haj Saleh. Wolf Lepenies schreibt in der Tageszeitung DIE WELT über den syrischen Schriftsteller:

"Genau 16 Jahre und 14 Tage verbrachte er in den Gefängnissen der Folterrepublik Syrien", wie er sein Heimatland heute nennt. Jetzt weilt er im zweiten Jahr als Fellow des Wissenschaftskollegs in Berlin. Lepenies bewundert seinen Kollegen: "Mit seiner inneren Würde und intellektuellen Aufrichtigkeit ist er ein unerbittlicher Zeuge  für die Verbrechen des Assad-Regimes". Seine Gefängniszeit nennt Saleh "ein aufgeschobenes Leben", in der er aber sein wahres Diplom erwarb. "In den Verliesen von Hafiz al-Assad lernte ich mehr als in der Universität von Aleppo. Seine Überlebensstrategie war ein Selbstbildungsprojekt."

"Wir wussten nur, was wir nicht wollten"

Die Erinnerung an den Beginn der syrischen Revolution, die so blutig zerschlagen wurde, schmerze ihn. Al-Haj Saleh dazu: "Es begann als eine demokratische, friedliche, keine salafistische Revolution, ehrlich gesagt, hatte ich auf sie gehofft, sie aber nicht erwartet." Mit Rückblick auf  1989 weist er auf ein Defizit der syrischen Revolution hin, gültig für alle Länder des arabischen Frühlings: "Wir hatten keinen Havel oder Mandela. Uns fehlten Anführer, die das Volk bewunderte. In Osteuropa gab es politische Programme, die Dissidenten wussten, was sie wollten. Wir wussten nur, was wir nicht wollten."

Lepenies Schlussfolgerung aus dem langen Gespräch mit dem Syrer: "Es sind säkulare Populisten wie Yassin al-Haj Saleh, auf die wir setzen sollten. Nicht nur, um die arabische Welt besser zu verstehen, sondern um uns mit ihr im Blick auf eine gemeinsame Zukunft zu verständigen."

Im nebenstehenden Gastkommentar der WELT unterstreicht Seyran Ates diese Sicht und fordert die Verbesserung der Imam-Ausbildung in Deutschland. Sie rückt Fragen ins Zentrum gesellschaftlicher Überlegungen: "Wer gestaltet die Ausbildung von Imamen und Religionspädagogen? Welche Inhalte werden vermittelt und wie? Wer bezahlt Religionslehrer?"

Ein Mali jenseits der üblichen Berichterstattung

Immer noch zu selten ist in der hiesigen Presse von Erfolgen in Afrika zu lesen. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG vom Dienstag werden wir fündig. Jonathan Fischer berichtet aus Mali. Die dortige Fotografieschule residiert in einem Hinterhof in Bamako. Sie gilt als "die wichtigste Fotografen-Schule ganz Westafrikas." Einer der Schüler zeigt dem Journalisten seine Bilder, für die er durch halb Mali gereist sei. Seine Fotografien zeigen "ein Mali jenseits der üblichen Kriegs- und Armutsberichterstattung, sie erzählen von Mythen, Sagen und Geistern, die in diesen Kraftorten leben, vom Ahnenglauben, der seit der Zeit der legendär reichen Monarchie alle  Wirrnisse der Tagespolitik überlebt hat." Die neueste Kooperation der Schule bringt allen Beteiligten Gewinn: "Die Schüler liefern Fotos an Getty Images, die größte Fotobank der Welt." Die Gagen dafür sichern zusammen mit der Schweizer NGO Helvetas die Finanzierung der Schule und ein fast kostenfreies Studium.

Von bräsigem Dad-Rock und heißen Debatten

Im TAGESSPIEGEL fragt Christian Schröder, eine Überschrift aus dem britischen "Guardian" zitierend: "Ist Britpop schuld am Brexit?" Unter den englischen Popstars habe der Brexit wenig Freunde. Pop stehe traditionell eher links. Aber, so schreibt Schröder, "irgendwann verkam Britpop, einst die Musik aufmüpfiger Lads, zum bräsigen Dad-Rock."  Aktuell jedenfalls, versichert der Autor: "Großbritannien debattiert leidenschaftlich über das schwierige Verhältnis von Pop und Politik."

Natürlich gehen die Feuilletons vom Dienstag auf den Tod von Bernardo Bertolucci ein. Er, "der bei Pierre Paolo Pasolini als Regieassistent begann", feierte Welterfolge. Die Tageszeitung TAZ erinnert an seinen letzten Film "Ich und Du" und hebt hervor: "Bertolucci konnte das: im Introvertierten die Extraversion erkunden. Mit großer, aber vor allem aufrichtiger Geste."

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