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Kulturpresseschau | Beitrag vom 21.07.2020

Aus den FeuilletonsStreitereien im Literaturarchiv Marbach

Von Gregor Sander

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Sandra Richter blickt in die Kamera. (Fabian Sommer / picture alliance / dpa)
Sandra Richter, Leiterin des Marbacher Literaturarchivs, sieht sich mit Vorwürfen aus der Belegschaft konfrontiert. (Fabian Sommer / picture alliance / dpa)

Die "Süddeutsche" berichtet über einen Streit im Deutschen Literaturarchiv in Marbach. Direktorin Sandra Richter werde von Mitarbeitern nicht nur für schlechte Stimmung verantwortlich gemacht - auch die Qualität ihrer Arbeit werde bemängelt.

"Über die Hintergründe einer Eskalation" verspricht Felix Stephan in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu berichten. Dabei geht es um das offenbar gestörte Verhältnis der Mitarbeiter des Deutschen Literaturarchivs in Marbach zu ihrer neuen Chefin Sandra Richter. In bester Vorabendserienmanier fasst der SZ-Autor zusammen was bisher geschah:

"Mitarbeiter berichteten in der Lokalpresse anonym von 'Führungsproblemen' und einer 'deutlich verschlechterten' Stimmung im Haus seit Richters Amtsantritt 2019. Die FAZ zitierte anonym Mitarbeiter, die die Qualität von Richters germanistischer Arbeit bemängelten und ihr Interviews im Lufthansa-Magazin ankreideten."

Interner Konflikt als Richtungsstreit

Das klingt nach reichlich Feuer unterm Dach im beschaulichen Marbach. Neben Platzmangel und Geldverteilungsdifferenzen hat Stephan folgenden Hauptstreitpunkt ausgemacht:

"Der Konflikt, der jetzt eskaliert, ließe sich leicht als Richtungsstreit zwischen Modernisierern und Traditionalisten begreifen. Sandra Richter hat sich als Vertreterin der 'digital humanities' profiliert. Ihre Ankündigung, das Archiv in Zukunft neben Kafka und Koselleck auch Computerspiele sammeln zulassen, weil es sich auch dabei um erzählerische Formen handele, hat einige aufmerken lassen."

Endgültig lichten kann der SZ-Autor den Archivnebel über dem Neckar nicht, aber er bezieht zumindest eindeutig Stellung mit einem Rat an die staatlichen Geldgeber:

"Nachdem ihr in aller Öffentlichkeit schlechter Stil, schlechte Stimmung, schlechte Germanistik und häufige Abwesenheit vorgeworfen wurde, könnten sich die Zuwender demonstrativ hinter Richter stellen, um das ganze Gefüge zu stabilisieren."

Trumps Wiederwahl ist durchaus möglich

Nach so viel Unklarheit im Literaturarchiv freuen wir uns über die klaren Sätze eines Schriftstellers. Bernhard Schlink, der mit seinem Roman "Der Vorleser" Weltruhm errang, hat der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ein Interview gegeben und schafft es auch hier mit wenigen Sätzen viel zu sagen, etwa wenn der ehemalige Verfassungsrichter das Problem des heutigen Amerika erklärt:

"In Deutschland und Europa gab es den Staat vor der Demokratie, während Amerika die Demokratie vor dem Staat hatte. Daher ist in Amerika der Staat in einer Weise Beute der Mehrheit, wie das bei uns nicht oder nur unter Verletzung der Verfassung möglich ist."

Hält der Autor, der seit vielen Jahren zwischen Berlin und New York pendelt, eine Wiederwahl von Donald Trump also für möglich?

"Natürlich. Schon weil das Wahlsystem so problematisch ist. Es liegt weitgehend in der Kompetenz der Staaten, die mehrheitlich von Republikanern regiert werden. Die Staaten bestimmen die Wahlkreise, und zumal die republikanischen Staaten schneiden sie oft so zu, dass sie die Mandatsmehrheit auch bei Abstimmungsminderheit behalten", so Bernhard Schlink in der FAZ.

Funktionieren gut gemeinte "Mütter-Pornos"?

Ganz andere Probleme geht das Privatfernsehen an, wie der Berliner TAGESSPIEGEL berichtet: "Mütter machen Porno", heißt der Doku-Zweiteiler, der an diesem und am nächsten Mittwoch auf SAT 1 zu sehen ist.

"Weil sie Angst haben, dass ihre Kinder durch solche Szenen an Sexualität herangeführt werden, haben sich fünf Frauen zu einem radikalen Schritt entschieden. Sie wollen ihren eigenen Porno produzieren, um Kinder vor falschen Erwartungen zu schützen", erklärt uns Kurt Sagatz.

Doch auch wenn dieser Kampf gegen kinderleicht erreichbare Internetpornografie aller Ehren wert ist, hat Berit Diesselkämper von der SZ so ihre Zweifel: "Kann das funktionieren? Mit einem selbst gedrehten Porno jungen Menschen zu einem nach Mutter-Maßstäben korrekten Verständnis von Sex zu verhelfen? Machen wir es kurz: Nein", meint die SZ.

Das war erwartbar, ist aber trotzdem schade. So bleibt uns nur noch ein Satz zum in weiten Teilen wechselhaften Sommerwetter. Eva Müller-Foell schreibt dazu in der TAZ:

"Desinfektionsmittel ist das Sonnenspray dieses Sommers. Zumindest habe ich mir in den letzten Wochen deutlich häufiger die Hände vor irgendwelchen Geschäften desinfiziert als meine Haut mit UV-Schutz eingesprüht."

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(Deutschlandfunk Kultur, Interview, 02.01.2019)

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