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Kulturpresseschau | Beitrag vom 14.01.2020

Aus den FeuilletonsSollte Benedikt auf Unfehlbarkeit pochen?

Von Klaus Pokatzky

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Papst Benedikt XVI. winkt am 27.02.2013 im Vatikan in Rom bei der letzten Generalaudienz auf den Petersplatz. Tausende Gläubige haben sich vor dem Petersdom versammelt, um den Pontifex zu verabschieden. Papst Benedikt XVI. hat als erster Papst der Neuzeit seinen Rücktritt erklärt. Foto: Michael Kappeler/dpa | Verwendung weltweit (dpa)
Der ehemalige Papst Benedikt leugnet die Co-Autorenschaft eines Buch, in dem ein Text von ihm zum Zölibat abgedruckt wurde. (dpa)

Während Papst Franziskus das Zölibat lockern möchte, hat sich der ehemalige Papst Benedikt in einem Buch dagegen ausgesprochen. Dann dementiert er seine Co-Autorenschaft. Die "Süddeutsche Zeitung" empfiehlt ihm, auf die "päpstliche Unfehlbarkeit" zu pochen.

"Das Unwort des Jahres 2019 ist ‚Klimahysterie‘", teilt uns die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG nüchtern mit zu der Kulturmeldung des vergangenen Tages. "Die Geschäfte zählen, die Zukunft muss warten – business as usual", so beschreibt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG ebenfalls ohne jede Hysterie das, was unsere Wirtschaft so mit unserem Planeten treibt.

Öko-Heuchler in der Wirtschaft

"Manager wie Politiker geben vor, die existentiellen Fragen, die sich mit der ökologischen Krise des Planeten verbinden, im Kern zu verstehen, ja, sie äußern angesichts der australischen Brandkatastrophe öffentlich Mitgefühl wie Siemens-Chef Joe Kaeser", schreibt Joachim Müller-Jung. "Nach außen wird grün geheuchelt und drinnen bleibt man stramm auf Linie."

Und dazu passt dann das Geschäft, das die Firma Siemens mit der australischen Kohlemine macht: business as usual eben. "Heute konsumiert die Welt 65 Prozent mehr Kohle als im Jahr 2000", erinnert uns die FRANKFURTER ALLGEMEINE, "und die zum Jahreswechsel veröffentlichte Prognose der Internationalen Energieagentur sagt eine ‚stabile Nachfrage‘ mindestens in den nächsten fünf Jahren voraus." Das nächste Unwort oder Wort des Jahres zum Klima kommt bestimmt.

Das Hin und Her um die Priester-Ehe

"Warum jetzt nur noch die Unfehlbarkeit hilft", ruft uns da die SÜDDEUTSCHE zu – ihr Thema ist allerdings das Klima hinter den Mauern des Vatikans. Da denkt ja Papst Franziskus an eine Lockerung des Zölibats, zumindest in bestimmten Weltregionen, und da hat sich sein Vorgänger Benedikt XVI. stramm zum Eheverbot für die Priester bekannt.

"Zwar hat Benedikt die Co-Autorschaft bei einem Vorwort zu dem am Mittwoch erscheinenden Buch des afrikanischen Kurienkardinals Sarah zu dieser Frage geleugnet", schreibt Gustav Seibt. "Doch dass der in das Buch aufgenommene Text von ihm selbst stammt, bleibt unbestritten. Außerdem hat Kardinal Sarah dem Dementi Benedikts (oder seiner Entourage) auf dem schnellsten möglichen Weg widersprochen, nämlich auf Twitter."

Das alles klingt ganz wunderbar nach Weißem Haus und einem dortigen Präsidenten, der ja seine engsten Mitarbeiter fast öfter zu wechseln pflegt als ein Priester seine Soutane. Aber Gustav Seibt empfiehlt dem derzeitigen Papst ein Mittel, das noch nicht einmal einem Donald Trump zur Verfügung steht: "nämlich das Dogma der päpstlichen Unfehlbarkeit in Fragen des Glaubens. Es wird in diesem Jahr 150 Jahre alt, und ausgerechnet jetzt könnte es gute Dienste leisten." Aber erst einmal sollte Ex-Papst Benedikt vielleicht zu einer intensiven Beichte gehen. Das hätte durchaus Vorbildcharakter. 

Wider das Gut-Böse-Schema

"Diejenigen Iraner, die nicht nur schimpfen, sondern sich wirklich für eine Öffnung ihrer Gesellschaft einsetzen, sehen den Westen keineswegs als plakatives Vorbild", heißt es in einem Interview der SÜDDEUTSCHEN zu den heftigen Demonstrationen, die es derzeit in dem anderen Staat gibt, der von Geistlichen beherrscht wird.

"Sie sind das Gut-Böse-Schema leid: der Westen ist gut, viele Staaten des Nahen Ostens sind böse und sollten dazu lernen", sagt Aria Adli, der Romanistik an der Universität zu Köln lehrt und regelmäßig im Iran forscht. "Meine Kollegen und Freunde wünschen sich selbstverständlich eine kritische Presse und eine Gesellschaft, in der unterschiedliche Positionen zu Wort kommen", fasst er seine Teheraner Erfahrungen zusammen. "Sie sehnen sich nach einer freien Kulturszene, aber sie wollen nicht dem Westen nacheifern".

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