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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 01.10.2014

Aus den FeuilletonsSchröders Visionen

Über die Verbundenheit des Ex-Kanzler zu Russland

Von Klaus Pokatzky

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Auf dem Russland-Tag in Rostock wirbt Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder für Vertrauen zu Russland. (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)
Stolz darauf, Russland wirklich zu verstehen - Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder auf dem Russland-Tag in Rostock. Schröder leitet den Aufsichtsrat der Gazprom-Tochter Nord Stream. (dpa / picture-alliance / Jens Büttner)

Die "Süddeutsche Zeitung" lädt ihre Leser ein, mal selbst eine Buchkritik zu schreiben. Und die "taz" informiert über die neusten Projekte des Altkanzlers Gerhard Schröder. Versöhnliche Töne kommen aus den Niederlanden, ebenfalls zu lesen in der "taz".

"Dies ist eine Einladung",

verheißt die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

"Es geht darum, gemeinsam mit Redaktion und Lesern ein Buch zu besprechen."

In digitalen Zeiten sinken die Zeitungsauflagen, digitale Zeiten schreien daher nach einer speziellen Leser-Blatt-Bindung.

"Innovation ist schließlich ein Mannschaftssport",

schreibt Dirk von Gehlen zu diesem Projekt, wo 100 Leserinnen und Leser im "Süddeutsche Zeitung Lesesalon" rezensieren sollen. Und zwar das Buch "Makers" von Chris Anderson, dem ehemaligen Chefredakteur des amerikanischen Technologie-Magazin Wired. Sie

"kommentieren, diskutieren und erstellen gemeinsam die Buchbesprechung, die am Ende des Experiments im Feuilleton der SZ gedruckt wird."

Schreiben Sie einfach eine Mail an lesesalon@sueddeutsche.de. Nun rezensiert mal schön, hätte Theodor Heuss da gesagt.

Ex-Kanzler Schröder - Brückenbauer und Russland-Versteher

"Der Goldene Windbeutel",

lesen wir in der BERLINER ZEITUNG,

"der Preis für die dreisteste Werbelüge, ist soeben einer dickmachenden und zahnschädigenden Säuglingsnahrung verliehen worden, die der Hersteller als vollwertige Mahlzeit angepriesen hat."

Vergeben wird die Auszeichnung mit dem schönen Namen von der Verbraucherorganisation Foodwatch. Ein Windbeutel ist ja eine Lüge an sich: reichlich aufgebläht – und wenn man reinguckt, ist eben nur Luft drin.

"Der Ehrengast aus Hannover",

so die Tageszeitung TAZ,

"heißt Gerhard Schröder und war einmal Bundeskanzler. Jetzt leitet er den Aufsichtsrat einer Tochterfirma des Gazprom-Konzerns."

Dessen Mehrheitseigner ist der russische Staat des Wladimir Putin, dessen lupenreine Demokratenhaftigkeit sich so ähnlich verhält wie ein Windbeutel: Wenn man reinguckt, ist böse Luft drin. Freund Gerhard Schröder hielt nun beim Russlandtag in Rostock eine Rede.

"Er sei ein Russland-Versteher und stolz darauf, sagt der Altkanzler",

wie Tobias Schulze in der TAZ beschreibt.

"Er hoffe auf Frieden in der Ukraine und eine Freihandelszone zwischen Lissabon und Wladiwostok. Und dann präsentiert er endlich seinen Friedensplan: ein gemeinsames Geschichtsbuch für Schüler aus Deutschland und Russland, verfasst von Historikern beider Länder, so etwas könne doch Brücken bauen zwischen den Völkern."

Willkürliche Inhaftierung

Ein gemeinsames Geschichtsbuch für Schüler aus der Ukraine und Russland wäre auch ein schönes Projekt.

"Der im Mai vom russischen Geheimdienst auf der Krim verhaftete ukrainische Filmregisseur Oleg Senzow soll nach Auskunft eines Moskauer Gerichts für weitere drei Monate im Gefängnis Lefortowo festgehalten werden."

Das erfahren wir ebenfalls aus der TAZ über Oleg Senzow, der nach dem Anschluss der Krim öffentlich gegen die russische Regierung protestiert hatte.

"Am 11. Mai hatten ihn russische Polizisten in seinem Haus auf der Krim festgenommen und nach Moskau verschleppt."

Das könnte auch ein interessantes Thema für eine Rede auf dem Russlandtag sein. Die Akademie der Künste in Berlin hat gegen die willkürliche Inhaftierung protestiert.

Deutsch-niederländische Freundschaft

"Über den Mauerfall hatten wir uns auch sehr gefreut."

Das sagt der niederländische Historiker Jacco Pekelder.

"Auch über die Bilder von den Trabbis und den auf der Mauer tanzenden Deutschen."

Das Interview in der TAZ ist ein wunderbares Bekenntnis zur deutsch-niederländischen Freundschaft. Jahrzehnte lang schwebte die Nazi-Besatzung im Zweiten Weltkrieg darüber –

"und nun sind die beiden Länder "the best of friends",

sagt die Interviewerin Katharina Borchardt.

"Haha! Das ist doch schön!",

meint Jacco Pekelder – und:

"Die Niederlande sind traditionellerweise ein antikommunistisches Land. Wir sind halt eine alte Handelsnation und können mit einem System wenig anfangen, das nicht auf freiem Handel basiert, sondern auf Vorschriften, Vorausberechnungen und Plänen. Für solche Vorgaben sind wir zu pragmatisch und zu freiheitsliebend. Wir fanden es daher gut, dass sich diese Freiheit nun auch auf Osteuropa ausdehnte."

Jedenfalls auf einen Teil Osteuropas. 

Mehr zum Thema:

Krim-Krise - Schröder als Vermittler in die Ukraine?
(Deutschlandradio Kultur, Debatte, 04.03.2014)

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