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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 03.04.2020

Aus den FeuilletonsReise zum inneren Kontinent

Von Klaus Pokatzky

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Ein Globus aus Draht zeigt den afrikanischen Kontinent (imago images / Greatstock)
Die Zeit der Corona-Krise biete die Möglichkeit, innere Kontinente zu bereisen, meint die Zeitung "Die Welt". (imago images / Greatstock)

Trost in trostlosen Zeiten versucht die "Welt" zu verbreiten: Viele große Denker hätten viel Zeit alleine in ihren Zimmern verbracht, das könne kein Zufall sein. Es folgt ein Aufruf zur Entdeckung der inneren Kontinente.

"Ich weiß, uns bedroht kein Krieg, sondern ein Virus", lesen wir im SPIEGEL, "aber ich denke, auch das ist ein furchtbarer Gegner", findet die Performancekünstlerin Marina Abramović im Interview. "Dass wir so wenig über diesen Gegner wissen, dass er unsichtbar ist, macht ihn so gefährlich."

Und im Feuilleton gibt es kaum ein anderes Thema als Corona. "Das Virus ist unser gemeinsamer, unsichtbarer Feind", heißt es in einem Appell, den der Berliner TAGESSPIEGEL abdruckt. "Wenn zu seiner Eindämmung aktuell Grenzen geschlossen und physische Kontakte auf ein Minimum begrenzt werden müssen, bedeutet dies, dass wir in dieser Zeit den gesellschaftlichen Dialog und Zusammenhalt in Europa umso stärker suchen und festigen müssen."

Das schreiben drei Kultusminister: die Deutsche Michelle Müntefering, der Italiener Dario Franceschini und der Spanier José Manuel Rodríguez Uribes. "Die Kraft unserer internationalen Kultur- und Bildungspolitik kann gerade jetzt einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, indem sie hilft, in der Stunde der Not weiter zusammenzurücken."

Die Welt nach Covid-19

Viele Blicke werden jetzt in die Zukunft geworfen: Wie unser Leben nach Corona alias Covid-19 sein wird. "Anders als die meisten Menschen gehe ich nicht davon aus, dass Covid-19 unsere Welt komplett verändert und hinterher nichts mehr ist wie zuvor", meint Juli Zeh.

"Ich glaube eher, dass eine solche Krise Trends verstärkt, die vorher schon existierten", erklärt die Schriftstellerin, Juristin und als solche ehrenamtliche Richterin am Verfassungsgericht Brandenburg im Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. "Optimistisch dürfen wir hoffen, dass die Krise uns daran erinnert, wie wichtig eine mit ruhiger Hand geführte demokratische Politik ist und dass wir alles daransetzen müssen, die Spaltung zwischen politischer Klasse und Bevölkerung zu heilen."

Geld für notleidende Musiker

Geholfen werden muss aber auch heute schon. "Die Deutsche Orchester-Stiftung hat mit ihrer Spendenkampagne für notleidende freie Musiker nach knapp drei Wochen rund 938.000 Euro gesammelt", heißt es in einer Meldung der SÜDDEUTSCHEN – über eine von so vielen hoffnungsvollen Initiativen in diesen trostlosen Tagen.

"In der Pandemie wird unsere Wohnung zum Büro, zum Kindergarten, zur Arrestzelle", heißt es in der Tageszeitung DIE WELT zu dem, was sich oft hinter dem harmlosen Wort Homeoffice verbirgt. "Glücklich können sich nun mal wieder die alleinstehenden Bewohner großbürgerlicher Altbauwohnungen fühlen, deren Gründerzeitetagen schon immer für das Zuhause-Bleiben einluden", schreibt Marcus Woeller.

Große Denker allein im Zimmer

"Das Heim ist im normalen Leben ein Rückzugs- und Schutzraum." So assistiert da Andrian Kreye in der SÜDDEUTSCHEN. "Draußen ist die Arena, drinnen das Heim. Das aber ist nun vorbei. Die Arena hat sich auf die mehr oder wenigen Quadratmeter reduziert, die vorher das Eigene waren."

Da gibt es aber auch Widerspruch. "Es kann kein Zufall sein, dass viele der größten Denker der Welt ungewöhnlich viel Zeit allein in ihren Zimmern verbracht haben", ruft uns Alain de Botton in Erinnerung. "Stille gibt uns die Möglichkeit, Dinge wertzuschätzen, die wir sonst zwar sehen, aber nicht wirklich bemerken", schreibt der britisch-schweizerische Literat in der WELT. "Wir sind zurzeit nicht nur eingesperrt, wir haben außerdem das Privileg, eine Reihe fremder, hin und wieder beängstigender, aber doch faszinierender innerer Kontinente zu bereisen."

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