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Kulturpresseschau | Beitrag vom 21.12.2020

Aus den FeuilletonsRadio ist ein Geschenk

Von Hans von Trotha

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Ein Mann sitzt auf einem historischen Foto in einem Schaukelstuhl und hört Radio. (picture alliance / dap / CHROMORANGE / Titus E. Czerski)
Radio hören annodazumal - mit jeder Menge Ruhe. (picture alliance / dap / CHROMORANGE / Titus E. Czerski)

Die erste deutsche Rundfunksendung wurde vor 100 Jahren ausgestrahlt. Die FAZ würdigt das Radio deswegen ausgiebig. Und vergleicht es mit den digitalen Medien, die immer etwas wollten: Daten beispielsweise. Das Radio hingegen lasse einen in Ruhe.

Vor 100 Jahren, am 22. Dezember 1920, "gab es die erste deutsche Rundfunksendung: ein Weihnachtskonzert". Aus diesem Anlass erzählen Bernt von zur Mühlen und Hans Knobloch in der FAZ eine kleine Geschichte des deutschen Rundfunks.

"Was macht das Wesen von Radio aus?", fragen sie. "Die innige, freundschaftliche Verbundenheit mit den Stimmen von Menschen, die man nie zu Gesicht bekommt. Moderatoren, die Familienanschluss erhielten, ohne die Fußmatte dreckig zu machen. Zu denen man über Jahre ein persönliches Verhältnis wie zu einem guten Nachbarn, Kumpel oder der besten Freundin aufbaut. Mitunter in der Illusion, es mit vielen anderen gleichzeitig zu erleben. Ein soziales Netzwerk lange vor Social Media."

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"Das Digitale kennt sein Gegenüber, beim Rundfunk bleibt es anonym", stellen die Autoren fest. "Die 'zentralisierte' Kommunikation des Broadcast-Zeitalters 'verflüssigt' sich im Digitalen. Die Gemeinsamkeit, die Radio mit dem Gros der heutigen digitalen Medien aufweist, ist auf den zweiten Blick gar keine: Beim Preisgeben und Nehmen von Persönlichem, ohne das menschliche Beziehungen nicht funktionieren, geht Radio in Vorleistung, ohne eine Gegenleistung zu verlangen. Die heutigen digitalen Medien wollen dagegen immerzu etwas: Privatsphäre, Daten, Aufmerksamkeit um jeden Preis. Radio hat es nie darauf abgesehen. Radio lässt einen in Ruhe, fordert nichts ein."

Radio, so die FAZ-Autoren, "ist ein Geschenk".

Das Verschwinden des Rundfunk-Zeitalters

"Die Pandemie", prophezeien sie, "wird, so paradox das klingen mag, in der Rückschau als jenes Ereignis in die Mediengeschichte eingehen, welches das Verschwinden des Rundfunkzeitalters beschleunigt hat." Denn das Virus "komplettiert den Siegeszug des Digitalen. Dabei verschwinden Kommunikationsräume, in den Innenstädten ebenso wie jene, die Radio hervorbrachte." Die beiden Autoren empfehlen für die Weihnachtszeit: "Schlagen Sie Ihrer Familie vor, gemeinsam Radio zu hören! Vielleicht hören Sie Überraschendes."

Für alle, die das nicht wollen, hat die FAZ-Redaktion die möglichen Antworten auf die Frage "Was tun an Weihnachten?" so unter ihren Mitgliedern verteilt, dass alles vorkommt:

Musizieren ("Virtuosität ist nicht nötig, auf Herz und Klangsinn kommt es an"); Vorlesen (A.A. Milnes "Pu der Bär" - "Das schönste Kinderbuch der Welt"); Kochen (und zwar nicht irgendetwas, sondern den "mallorquinischen Festtagsklassiker 'Pollastre amb gambes'"); Spazierengehen ("Das Zickzack des Sterns weist uns den Weg"): Spielen ("Spielen heißt, von sich selbst zu erzählen"). Und Anschauen: Unter der Überschrift "Diesseits und jenseits des Schachbretts" preist Jürgen Kaube hier die Netflix-Serie "The Queen's Gambit".

Netflix tauscht das Personal aus

Apropos Queen und Netflix: Im TAGESSPIEGEL beklagt sich Gerrit Bartels, offenbar Späteinsteiger bei der dritten Staffel von "The Crown", bitter über einen "extrem brutalen" Schlag, "zu dem die Serienmacher … ausgeholt haben": "Das Personal wurde komplett ausgetauscht."

Bartels gibt zu bedenken: "Wenn man knapp zwanzig Stunden mit immer denselben Schauspielern und Schauspielerinnen verbracht hat, ist es gewöhnungsbedürftig, plötzlich in ein Antlitz zu gucken, das, zum Beispiel im Fall der Königin, völlig anders aussieht: teigiger, großäugiger, sichtlich älter."

Das kann einem, gerade in Pandemie-Zeiten, allerdings auch passieren, wenn man nach längerer Zeit mal wieder in den Spiegel schaut.

Was bei Netflix nach "The Gambit Queen" und "The Crown" noch kommen kann, ist eigentlich nur eines – und das kommt jetzt auch: "The Empress". Auf deutsch: Sisi.

Unter der Überschrift "Ja, es ist Liebe" meldet Bernd Graff in der SÜDDEUTSCHEN: "Netflix verfilmt das Leben der Kaiserin Sisi neu." Eine "Neuverfilmung des größten Ausstattungs-Historien-Schmachtschinkens, die der deutsche Nachkriegssprachraum vorzuweisen hat", nennt es Graff.

Kurt Sagatz zitiert im TAGESSPIEGEL die Netflix-Autorin Katharina Eyssen. Sie wolle die Geschichte neu erzählen: "The Empress bietet uns die Chance, die bewegende Geschichte der Kaiserin Elisabeth für ein heutiges Publikum zu erzählen. Einem modernen Frauenbild entsprechend."

Na, da sind wir aber wirklich mal gespannt.

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