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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 12.03.2020

Aus den FeuilletonsPutin und die Pandemie

Von Ulrike Timm

Vladimir Putin spricht vor dem russischen Parlament, der Duma, am 10. März 2020 in Moskau. (imago images / TASS PUBLICATION / Anton Novoderezhkin)
Putin habe die Corona-Pandemie für eine Verfassungsreform ausgenutzt, schreibt Dmitri Bykow in der "FAZ". (imago images / TASS PUBLICATION / Anton Novoderezhkin)

Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" kommentiert die jüngste Verfassungsreform in Russland: Putin sei ein Coronavirus, das das Land nicht mehr loswerde. Denn nun kann der Kremlchef bis 2030 für den Posten des Präsidenten kandidieren.

"Der Literaturbetrieb hört Radio – leicht sentimentale Lagerfeuergefühle stellen sich ein" – die TAZ.

"Das Radioformat entspricht der Generaltendenz von Kulturveranstaltungen in Zeiten des Coronavirus" – die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG.

Klar, das geht uns hier runter wie Öl.

Schick ist es schon, wenn alle Feuilletons von der Bekanntgabe der Preisträger der Leipziger Buchpreises hier im Deutschlandfunk Kultur berichten, auch wenn alle – auch wir! – sich eine schöne, lebendige, drängelige und eine mit all ihren Menschenansammlungen fröhlich-leichtsinnige Buchmesse gewünscht hätten!

Buchpreiswahrnehmung rein akustisch

Vom eigentümlichen Reiz, den es hat, wenn den Stimmen die Gesichter und den Büchern die Cover abhanden gekommen sind, erzählt die SÜDDEUTSCHE. Dann konzentriert sich Lothar Müller vor allem auf den siegreichen Roman von Lutz Seiler, "Stern 111", den nicht nur er mit dem Vorgängerwerk, das 2014 den Deutschen Buchpreis gewann, "Kruso" nämlich, verknüpft sieht.

Richard Kämmerling in der WELT entpuppt sich als Autofan, zumindest literarisch: "Das erfolgreichste Automobil der jüngsten deutschsprachigen Literatur ist ab sofort ein Shiguli, Baujahr 71" – denn dieses Auto kommt in beiden erfolgreichen Romanen Lutz Seilers vor, und so fährt es als Bindeglied durch das Werk wie durch die Rezension.

"Vor allem aber steht das Auto wie ein blechgewordener Anachronismus stellvertretend für alle die Dinge, Worte und Menschen aus dem Osten, die in der westlichen Wendewelt aus der Zeit heraus und in ein Zwischenreich hineinfallen, dem man auch gleich den Namen Literatur geben könnte".

Der Sachbuchpreis für Bettina Hitzers "Krebs fühlen. Eine Emotionsgeschichte" und der Übersetzungspreis an Pieke Biermann, deren Tonfall schlicht Lust mache, den amerikanischen Roman "Oreo" von Fran Ross zu lesen – die Elogen darauf fallen kürzer, aber kaum weniger herzlich aus.

Ansonsten – lauter letzte Dinge heute.

Alternativer Kulturkonsum zu Hause

Die vorerst letzte Theaterpremiere vor der Absageflut in der Berliner Schaubühne, ein Werk mit dem Titel "Die Affen" von Marius von Mayenburg. Die SZ zitiert daraus über deren sogenannte "Menschenenkel":

"Kein andres Tier ist so beschissen dumm und ruiniert sich selber alles". Ok, das ist nicht aufbauend, scheint aber auf der Bühne durchaus etwas her zu machen. Fazit SZ: "Aufrechter Gang? Nein, danke!"

Motivierender ist da wohl doch der TAGESSPIEGEL, der von nun an mit täglichen Tipps für spannende Kulturerlebnisse zu Hause aufwarten wird: "Wir empfehlen im Wechsel Bücher, Sehens- und Hörenswertes außer der Reihe: drinnen bleiben und die Welt bereisen".

Russlands Coronavirus 

Die FAZ schaut nach Russland und vermeldet: "Gekröntes Virus: Putin nutzt die Pandemie aus". Die neueste Verfassungsänderung wird von einer Vielzahl Intellektueller traurig, wütend, ohnmächtig und wohl folgenlos kommentiert.

"Mit seiner Verfassungsänderung verhänge der Präsident eine Quarantäne gegen die europäische Rechtskultur über Russland", so zitiert die FAZ den Schriftsteller Dmitri Bykow, und weiter: "Dabei sei der de facto zum Zaren 'gekrönte' Putin selbst ein Coronavirus, den das Land nicht mehr loswerde."

Sie merken, wir werden das Virus derzeit auch nicht los, und das wird sich wohl so bald auch nicht ändern.

Streamen zur gesellschaftlichen Teilnahme

Hochzeiten fürs Streaming, Theater, Opern, Orchester, ja sogar Ausstellungen verlegen ihre abgesagten Termine ins Netz. Was hierzulande derzeit nicht zuletzt patent, geistesgegenwärtig, schlagfertig ist, gehört in Italien inzwischen zum gesellschaftlichen Überlebensmodus. Künstler, Musiker und Literaten haben hier in den sozialen Netzwerken die Kampagne #iorestoacasa-#ichbleibezuHause gestartet, lesen wir in der FAZ.

"Es spiele keine Rolle, ob man Monopoly spiele, einen Kuchen backe, ein Buch lese, online sei oder Serien schaue. Wichtig sei es, mitzumachen, denn es gehe um nicht weniger als das Leben selbst".  

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