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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 20.03.2014

Aus den Feuilletons"Putin inszeniert sich wie Mussolini"

Von Arno Orzessek

Demonstranten zeigen in Moskau ein Plakat mit Porträts von Adolf Hitler, Benito Mussolini, Felix Dzerzhinsky, Lavrenty Beria und Wladimir Putin.   (dpa / picture alliance / Novoderezhkin Anton)
Demonstranten zeigen in Moskau ein Plakat mit Porträts von Adolf Hitler, Benito Mussolini, Felix Dzerzhinsky, Lavrenty Beria und Wladimir Putin. (dpa / picture alliance / Novoderezhkin Anton)

Die Kulturpresseschau befasst sich unter anderem mit der Krim-Krise, mit dem sogenannten Welfenschatz und mit Automobilen und Versicherungsbetrug.

"'Hallo? Geht’s noch?'"

So lautet die populäre Frage, mit der sich die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG in der Rubrik „Phrasenmäher“ befasst.

Laut Lothar Müller erklingt im "Hallo?" der "Brustton der Empörung", im "Geht’s noch?" sogar Fassungslosigkeit – und zwar aus Gründen:

"Das zweigliedrige Gebilde 'Hallo? Geht’s noch?' wird nicht einfach so in die Luft gesagt, es hat einen Adressaten. Und zwar […] einen doppelten. Der eine Adressat ist der Vollidiot […]. Ihm sagt das 'Hallo? Geht’s noch?' eher mit Ausrufezeichen als mit Fragezeichen: 'Hast du noch alle Tassen im Schrank?' Der andere Adressat ist das Publikum. Es kennt das 'Hallo? Geht’s noch?' inzwischen so gut, dass es voller Vorfreude, kaum ist das 'Hallo' intoniert, schon das Echo erwartet, dass dem 'Geht’s noch?' unweigerlich folgen wird: 'Das geht gar nicht.'“

So der SZ-Autor Müller …

Der in der Formulierung "das geht gar nicht" unseres Erachtens das Unterfütterungs-'Ja' unterschlagen hat. Fast immer heißt es ja: 'Das geht ja gar nicht.' 

Okay. Phrasenmäher aus und Schluss mit Sprach-Spaß – es wird ernst.

"Die Faschisten sitzen im Kreml", titelt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG.

Der Osteuropahistoriker Stefan Plaggenborg behauptet:

"Putin inszeniert sich wie Mussolini. Der Führer ist das System. Man muss nur die Bilder nebeneinanderhalten, um die Parallele zu bemerken. Führerschaft und Virilität gehen zusammen: Mussolini halb nackt bei der Ernte, Putin halb nackt beim Angeln, das ganze Bildprogramm des Faschismus con variazione, mit Amphoren, sibirischen Tigern, beim Reiten und beim Skifahren. Dieser öffentliche Putin ist ebenso wie der Duce eine Kunstfigur, deren beherrschende Stellung aber nicht übersehen werden darf."

Beherrschendes Feuilleton-Thema ist indessen das Votum der Limbach-Kommission, den sogenannten Welfenschatz betreffend, den jüdische Kunsthändler 1935 an Preußen verkauft hatten.

"Der Welfenschatz ist keine Raubkunst", fasst Sven Felix Kellershoff in der Tageszeitung DIE WELT die Einschätzung der Kommission zusammen und erklärt:

"Am schwersten nachzuweisen war naturgemäß, dass die Verkäufer [damals] über den Kaufpreis verfügen konnten. Jedoch deutet die Tatsache, dass der Welfenschatz in mehreren Restitutionsbegehren bald nach 1945 nicht auftauchte, darauf hin, dass gerade dieses Geschäft als offenkundig sauber wahrgenommen wurde."

Laut SZ ist das letzte Wort womöglich noch nicht gesprochen:

"Die Empfehlung der Limbach-Kommission ist ohne rechtsbindende Wirkung. Ob die Anwälte [der Erben der jüdischen Kunsthändler] […] Klagen anstreben werden, bleibt zur Stunde offen. Zunächst äußerten sie nur ihr Unverständnis."

Eben das teilt die FAZ-Autorin Julia Voss:

"Nun ist der Rundumschlag erfolgt: Die Limbach-Kommission hat sich gegen die Ansprüche aller ausgesprochen, gegen ‚die Erben der vier Kunsthändler und etwaige weitere frühere Miteigentümer‘. Die […] Kommission besitzt demnach auch Gewissheit über Fälle, die bisher gar nicht geprüft wurden. Woher? Für die Erben […] muss das eine überraschende, schallende Ohrfeige gewesen sein. Dem Ansehen der Kommission dient sie nicht."

Im übrigen sei Liebhabern von Restitutions-Scharmützeln der Grundsatz-Artikel "Böser Wille, guter Glaube" von Peter Raue im Berliner TAGESSPIEGEL empfohlen.

Liebhaber von Automobilen und Versicherungsbetrug dürfte hingegen der Artikel "So schnell du auch rollst, das digitale Auge sieht dich" in der FAZ interessieren.

Constanze Kurz erläutert "Warum unsere Nummernschilder gescannt werden" und will von uns wissen:

"Ist Ihr Auto eigentlich auch auf Ihren unfallfreien, in ländlicher Gegend wohnenden Großvater mit Garage zugelassen, wegen der Versicherungsprämien? Dann sollten Sie das in Zukunft ändern […]. Wenn Ihr Auto nur zweimal im Monat bei Opa in der Garage steht, könnte das […] in einem System zur flächendeckenden automatisierten Erfassung und Auswertung von Fahrzeugkennzeichen unangenehm auffallen."

So Constanze Kurz in der Ratgeber-Postille FAZ.

Und das war’s für heute. Bleiben Sie … mit einer Überschrift der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG "Fehlbar und furchtlos." 

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