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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 04.11.2016

Aus den Feuilletons"Ohne Twitter kein Trump"

Von Klaus Pokatzky

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Donald Trump (picture alliance/dpa/Foto: Cristobal Herrera)
Donald Trump, republikanischer Präsidentschaftskandidat, während einer Wahlkampfrede am 2. November 2016 in Miami, Florida. (picture alliance/dpa/Foto: Cristobal Herrera)

"Das Ausmaß und die Schändlichkeit von Trumps Lügen machen mich krank", erklärt Jonathan Franzen in der "Welt". Ohne das Internet wäre der republikanische Präsidentschaftskandidat überhaupt nicht so weit gekommen, so der US-Schriftsteller.

"Was braucht ein guter Glückskeksspruch?" Das fragt die Tageszeitung TAZ im Interview den Glückskekse-Produzenten Raphael Schäfer. Seine Antwort: "Er muss eine Person zum Lächeln bringen, darf nicht langweilig sein oder altbacken."

Elbphilharmonie ein architektonischer Glücksfall

So wie ein neues Wunderwerk in Hamburg. "Den ersten überragenden Bau des neuen Jahrtausends", nennt es die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. "Ein stets neue Hochgefühle weckendes Bauwerk wie die Elbphilharmonie ist in unseren architektonisch nicht gerade verwöhnten Zeiten ein Glücksfall", schreibt hingerissen Roman Hollenstein. Und nach so viel Glück nun zum Ernst des Lebens.

Jonathan Franzen ist schockiert über Trumps Erfolg

"Der Wahlkampf hat mich beharrlich krank gemacht", sagt der amerikanische Schriftsteller Jonathan Franzen, wenige Tage, bevor am Dienstag in den USA ein neuer Präsident oder eine erste Präsidentin gewählt werden. "Das Ausmaß und die Schändlichkeit von Trumps Lügen machen mich krank", erklärt er der Tageszeitung DIE WELT im großen Interview. "Der Kern seiner Unterstützer sind weiße Männer ohne Collegeabschluss." Und deren Lage, das ist in einem anderen WELT-Artikel zu lesen, hat sich "trotz aller Versprechen seit Jahrzehnten nicht verbessert". Das schreibt Peter Schneider. "Es sind amerikanische Wutbürger, die ihre Religion, ihr Wertesystem, ihre Lebensleistung, ihre persönliche Agenda von den Demokraten verraten sehen."

"Das Phänomen Trump ist undenkbar ohne das Internet"

Denn, so Peter Schneider: "Die reale Kaufkraft der mittleren Haushalte der USA ist heute wieder auf dem Stand von 2007 angelangt, die des unteren Viertels der mittleren Haushalte auf dem Stand der Sechzigerjahre." Donald Trump also als "unerschrockener Kämpfer gegen das verhasste Establishment" – da fehlt aber noch was. "Ohne Twitter kein Trump", meint Jonathan Franzen. "Das Phänomen Trump ist undenkbar ohne das Internet und die sozialen Medien. Das Internet hat eine Welt geschaffen, in der es möglich ist, in seiner eigenen virtuellen Realität zu leben", sagt der Literat im WELT-Interview. "Für seine Unterstützer sind seine Lügen nicht einmal Lügen: Sie stimmen vollkommen mit der Onlinerealität, in der sie leben, überein. Und Twitter verstärkt das, weil Nuancierung und Komplexität auf Twitter unmöglich sind."

Liam Gallagher von Oasis kritisiert Konzertbesucher 

Die digitale Welt macht viele krank. "Waren Sie in letzter Zeit mal auf einem Konzert?", fragt Liam Gallagher, einst Sänger der legendären Band "Oasis" und erzählt dann im Interview mit der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG: "Da stehen die alle vor der Bühne und machen nur noch klick, klick, klick mit ihren Handykameras. Die tanzen nicht mehr, die singen nicht mehr, die trinken auch kein Bier mehr."

Melt-Festival (picture alliance/dpa/Foto: Sophia Kembowski)Tanzen nicht und trinken kein Bier. Besucher auf einem Konzert würden nur noch "klick, klick, klick mit ihren Handykameras" machen, sagt Liam Gallagher von Oasis. (picture alliance/dpa/Foto: Sophia Kembowski)

"Martin Luther-Abend" im Schloss Bellevue

Zum Feiern geht man heute besser zum Bundespräsidenten, nämlich zum "Martin Luther-Abend" in Schloss Bellevue: "mit einem Vortrag des Luther-Biographen Heinz Schilling", wie uns die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG aufklärt, "sowie mit Forellen-Rillettes, dem bei Luthers Schlemmertafeln üblichen kalorienreichen Brotaufstrich, diesmal zubereitet vom Bellevue-Koch Jan-Göran Barth als Häppchen für den spätabendlichen Empfang", was Christian Geyer alles nicht sehr erfreut: "Von Staats wegen wird hier noch den Forellen-Rillettes eine zivilreligiöse Bedeutung zugesprochen. Geht das noch mit rechten Dingen zu? Leben wir nicht in einem weltanschaulich neutralen Staat?" Wir empfehlen dem Kollegen einen Blick in unser Grundgesetz, wo es in der Präambel heißt, es sei vom deutschen Volk gegeben: "Im Bewußtsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen".

Glückskekssprüche und Rechtschreibfehler

Ansonsten empfehlen wir natürlich noch die Glückskekse. "Was geht gar nicht" an Glückskekssprüchen, will die TAZ noch wissen. "Rechtschreibfehler", antwortet der Kekse-Bäcker Raphael Schäfer. Und was ist sein persönlicher Lieblingsspruch? "Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag."

Hoffentlich haben wir am kommenden Dienstag etwas zu lachen.

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