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Kulturpresseschau | Beitrag vom 20.04.2019

Aus den FeuilletonsNotre-Cœur

Von Klaus Pokatzky

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Blumen liegen vor Notre-Dame in Paris. (imago images | PanoramiC)
An Geld für den Wiederaufbau scheint es nicht zu mangeln. „Die generösen Konzerne, die bereits zum Teil Beträge von 100 oder 200 Millionen Euro versprochen haben, agieren im Übrigen nicht ganz uneigennützig“, war in der "taz" zu lesen. (imago images | PanoramiC)

"Notre-Dame ist das alte, große Herz dieser herrlichen Stadt", schreibt Alex Capus in der "NZZ". Und wenn das Herz betroffen ist, ist kein Wort zuviel. Zuhauf gibt es Ratschläge, Liebesbekundungen in Millionenhöhe und Hoffnungen.

"Jetzt wird in die Hände gespuckt", titelte die Tageszeitung TAZ und dachte nicht an die Steigerung des Bruttosozialprodukts - wie einst die legendäre Band Geiersturzflug mit ihrem schönen Lied. "Macron macht Tempo und ganz Frankreich diskutiert und plant die Wiederherstellung seines Nationalschatzes Notre-Dame."

So ging es vielmehr um das Thema der Woche: den Brand "eines Symbols allerersten Ranges für unsere Kultur und Zivilisation", so die Tageszeitung DIE WELT, "die meistbesuchte Sehenswürdigkeit von ganz Frankreich". Und nicht nur das. "Auch das Kino hat die Kirche zum Mythos gemacht", erinnerte die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG etwa an den unsterblichen Glöckner von Notre-Dame: "Victor Hugos großen Roman", der so oft verfilmt wurde wie kaum sonst ein literarisches Werk.

Wahre Freundschaft bewährt sich in der Not

"Kein gebürtiger Pariser ist jemals auf dem Eiffelturm gewesen, keiner würde sich auf Montmartre blicken lassen; diese Orte überlässt man den Touristen", meinte in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG der französisch-schweizerische Schriftsteller Alex Capus und beschrieb seine Pariser Kindheit, "einen Steinwurf entfernt" von der Kathedrale. "Sie ist das alte, große Herz dieser herrlichen Stadt, hier kommt man immer wieder vorbei, um eine Viertelstunde für sich zu sein."

Und bleiben die Franzosen jetzt bei sich, wenn sie sich an den Wiederaufbau machen? "Wäre es nicht wünschenswert, ja, geboten gewesen, dass die deutschen Politiker, ihren Kollegen anderer Länder voran, den Franzosen sofort ihre Teilnahme bekundet hätten?", wird in der WELT gefragt. "Stattdessen ließen sie einem Donald Trump und dem Oberbürgermeister von London den Vortritt – eine kaum nachvollziehbare Versündigung gegen die alte Weisheit, dass sich wahre Freundschaft in der Not bewährt", empörte sich Dankwart Guratzsch.

Uneigennützige Spenden in Millionenhöhe

An Geld für den Wiederaufbau scheint es jedenfalls nicht zu mangeln. "Die generösen Konzerne, die bereits zum Teil Beträge von 100 oder 200 Millionen Euro versprochen haben, agieren im Übrigen nicht ganz uneigennützig", war in der TAZ zu lesen. "Ihre Spenden können sie zu 60 Prozent von den Steuern absetzen; falls die Notre-Dame zum trésor national (Nationalschatz) erklärt wird, was wahrscheinlich ist, kann dieser Steuerrabatt sogar 90 Prozent betragen", klärte uns Rudolf Balmer auf.

"Ich habe diese Kritik gehört. Aber ich bedanke mich wirklich bei diesen Mäzenen", erklärte da die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo: "Unsere Geschichte, unser Kulturerbe verbinden und halten uns zusammen", meinte sie im Interview mit der WELT. "In dieser Woche fand Paris ganz kurz zu sich selbst", lesen wir in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG. "Am Dienstagmorgen etwa, als die Sonne gegen sieben Uhr unter einem feinen Nieselregen aufging, standen überall um Notre-Dame Menschen am Ufer und schauten die amputierte Kathedrale schweigend an", hat Annabelle Hirsch beobachtet.

"Frauen, Männer, Kinder hielten auf dem Weg zur Schule oder zur Arbeit an, als würden sie eine verletzte Verwandte besuchen." Da fragte Ullrich Fichtner im SPIEGEL: "Wird die Reparatur von Notre-Dame nun dabei helfen, auch die sozialen Risse in der französischen Gesellschaft zu kitten?" Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG erinnerte an deutsche Erfahrungen. "Wie der Wiederaufbau der kriegszerstörten Kirchen eine gemeinschaftsstiftende Arbeit war", meinte Stefan Trinks, "so könnte auch die Rekonstruktion von Notre-Dame de Paris ein gespaltenes Land wieder zusammenbringen."

Seit dem Jahr 21 v. Chr. gibt es die Feuerwehr

Vergessen wir die tapferen Retter nicht. "Schon im alten Ägypten gab es Feuerlöscheinheiten", klärt uns die WELT AM SONNTAG über den Feuerwehrmann in der Geschichte auf. "Aber ohne die Entstehung von Millionenstädten im Römischen Reich hätte es nicht des Organisationsgrades bedurft, den die Feuerwehren bald erreichten", schreibt Hannah Lühmann. "Die alten Römer mit ihren Mietskasernen, mit ihrer teilweise hölzernen Architektur, mussten sich etwas einfallen lassen, um die immer wiederkehrenden Feuersbrünste zu bekämpfen, und so gründeten sie im Jahre 21 v. Chr. die erste richtige Feuerwehr."

Ein Blick in den 38. Asterix-Band

Und damit sind wir bei dem Franzosen, der noch berühmter ist als der Glöckner von Notre-Dame. Einen "ersten Blick in den im Oktober erscheinenden 38. ‚Asterix‘-Band" warf nämlich die SÜDDEUTSCHE – Titel: "Die Tochter des Vercingetorix". Endlich spielt mal in dem kleinen gallischen Dorf ein junges Mädchen die Hauptrolle.

"Es ist die Geschichte einer Teenagerin, die sich in einer politisch komplizierten Welt mit ihrer Herkunft, den Keifereien und Anzüglichkeiten der Dorfbewohner, mit deren Eigensinn, vor allem aber mit den Problemen des Erwachsenwerdens und wohl auch mit der zu fetten Wildschweinkost herumzuschlagen hat."

Fast 200 Jahre Bistum Limburg

Und für alle, die in den nächsten Jahren nicht die derzeit berühmteste Kathedrale der Welt besichtigen können, empfehlen wir einen anderen interessanten und kirchlichen Ort. "Die Luxuswohnung des im Frühjahr 2014 zurückgetretenen Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst ist seit Mittwoch zum Teil öffentlich zugänglich." Das teilte uns DIE WELT mit – über eine kluge Verwendung der ansehnlichen Räume für eine Ausstellung zur fast 200-jährigen Geschichte des Bistums Limburg.

"Die Exponate der Ausstellung erstrecken sich von der Kopfbedeckung des ersten Limburger Bischofs Jakob Brand bis zu zwei Weingläsern von der letzten Bischofsweihe am 18. September 2016."

Auf nach Limburg – Frohe Ostern!

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