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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 05.07.2015

Aus den FeuilletonsMonika Grütters findet 67 Millionen Euro - und kann sie nicht ausgeben

Von Adelheid Wedel

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Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, in ihrem Büro im Kanzleramt in Berlin (picture alliance / dpa)
Überraschung im Haushalt: Die Staatsministerin für Kultur und Medien, Monika Grütters, in ihrem Büro im Kanzleramt in Berlin (picture alliance / dpa)

Der deutsche Filmförderfonds steckt in einer Finanzkrise, schreibt "Die Welt" - obwohl im Haushalt der Kulturstaatsministerin Grütters noch 67 Millionen Euro darauf warten, ausgegeben zu werden. Zwei große deutsch-amerikanische Filmprojekte stünden derzeit auf der Kippe.

"Die Alge ist das neue Modell für die Welt", lesen wir in der Tageszeitung DIE WELT und wollen natürlich auch wissen, wieso das so ist. Mladen Gladic fand die Erklärung dafür beim Bauhaus-Gipfel in Weimar, einem Treffen für die kreative Ökonomie, das in diesem Jahr zum zweiten Mal dort stattfand. Man spielte "The World Game", erfunden von Buckminster Fuller, seines Zeichens Utopist, Erfinder, Architekt, Philosoph.

"'Bucky', der 1983 starb, ist der Säulenheilige des Treffens. Er hinterließ der Welt ein recht heterogenes Œuvre von Büchern, Konstruktionen und eigenartigen Visionen." 

Er hat unter anderem das Bild vom "Raumschiff  Erde" populär gemacht, und wollte damit deutlich machen, "dass wir Erdlinge alle im selben Boot sitzen und mit dem, was wir haben, verantwortlich umgehen müssen".

"Designing Society" heißt das Motto des diesjährigen Treffens, "das im Geiste des Bauhauses neue Formen ausloten will. Alternative Modelle des gemeinsamen Lebens und Arbeitens, auf der Suche nach Wegen nicht unterzugehen."

Filmförderfonds vor Antragsstau

Eine andere Gruppe von Kreativen, die Filmleute, können sich über einen Zusatzfonds für ihre Arbeit freuen. Es ist ebenfalls DIE WELT, die zunächst feststellt:

"Der deutsche Filmförderfonds steckt vor einer entscheidenden Sitzung an diesem Dienstag in der Krise."

Seine Mittel sind von 70 Millionen auf 50 Millionen gekürzt worden. Als Konsequenz daraus steht der DFFF nun vor einem Antragsstau, denn unter dem Stichwort "Anreiz zur Stärkung der Filmproduktion in Deutschland" sind im Haushalt von Kulturstaatsministerin Grütters weitere 67 Millionen Euro aufgetaucht.

"Grütters aber braucht die Erlaubnis, das Geld verausgaben zu dürfen. Dazu müssen an anderer Stelle Einsparungen vorgenommen werden."

Ein Antrag muss erstellt werden, das aber geschah bisher nicht. Dabei besteht die Gefahr, dass zwei große amerikanische Projekte aus Geldmangel woanders hin geschickt werden. Die aber würden, wenn sie in Deutschland drehen dürften, über Lohn, Steuern, Dienstleistungen etwa das Sechsfache der Fördersumme wieder einbringen. Hanns-Georg Rodek fragt deswegen in der WELT verwundert:

"Kann es sein, dass im BKM [Beauftrage(r) der Bundesregierung für Kultur und Medien; Anm. d. Red] niemand bemerkt hat, auf wie vielen Millionen man noch sitzt?" (redaktioneller Hinweis: Bitte beachten Sie  zum Bericht der "Welt"  auch die Richtigstellung des Staatsministeriums für Kultur und Medien unten auf dieser Seite.)

Unwillkommene Übernahme an der Volksbühne

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG widmet der Berliner Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz eine ganze Zeitungsseite.

"Seit letztem April steht fest, dass die Ära des Intendanten Frank Castorf 2017 enden soll – nach 25 Jahren. Was verleiht dem Haus seine singuläre Strahlkraft?"

Darüber meditiert Barbara Villiger Heilig.

"Die Übernahme des Hauses durch den Museums-Tausendsassa, den Flamen Chris Dercon, wird vom Großteil der Volksbühnen-Crew als 'unfriendly takeover' empfunden."

Hausintern herrsche Konsens, meint die Autorin:

"Castorf, eine Ausnahmeerscheinung, hätte bleiben sollen, bis er von sich aus den Rücktritt angeboten hätte."

Das Besondere dieses Theaters wird in der NZZ skizziert, eines Theaters, "bei dem Ernst, Spiel, Theorie, Jargon und Realität mit der zwanglosesten Natürlichkeit immer wieder verschmelzen zu einem jener Kultstücke, welche die Volksbühne weltberühmt machten."

In Klagenfurt begeisterten vor allem Frauen

Der Bachmann-Wettbewerb spielt natürlich in den Feuilletons vom Wochenanfang eine Rolle. Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG hebt hervor:

"Noch selten ist es beim Klagenfurter Wettlesen so eng geworden. Gleich fünf Autorinnen mit hervorragenden Texten konnten sich berechtigte Hoffnungen auf den Hauptpreis machen."

In den Berichten wird immer betont, dass diesmal vor allem Frauen begeisterten. Und so ist es wenig verwunderlich, dass tatsächlich eine Frau den Preis gewann: Nora Gomringer. Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG informiert, dass der preisgekrönte Text unter dem Titel "Recherche" im Netz unter faz.net/gomringer nachzulesen ist, ein Text, der – wie Jan Wiele in der FAZ schreibt - "eigentlich ein Hörspiel und ein Stück raffinierter Meta-Schlüsselliteratur ist."

 

Redaktioneller Hinweis:

Zum Bericht der Zeitung "Die Welt" hat das Staatsministerium für Kultur und Medien am 6. Juli 2015 folgende Richtigstellung veröffentlicht:

Zu Pressemeldungen, dass im Haushalt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) 67 Mio. Euro für den "Anreiz zur Stärkung der Filmproduktion in Deutschland" zusätzlich zu den 50 Mio. Euro aus dem Deutschen Film Förderfonds (DFFF) zur Verfügung stehen, stellt die Pressestelle der BKM folgendes richtig:

Bei den 67,435 Mio. Euro handelt es sich um Verbindlichkeiten aus Förderzusagen aus den vergangenen Jahren, die - wie bei Filmprojekten üblich - über mehrere Jahre abgerufen werden. Dies erfolgt jeweils nach den entsprechenden Produktionsschritten. Diese Summe ist bereits im Bundeshaushalt 2015 abgedruckt und daher schon seit Januar 2015 öffentlich. Der Betrag ist kein zusätzliches Fördergeld, sondern Bestandteil der Projektbewilligungen der BKM bzw. der Filmförderungsanstalt (FFA). Diese bewilligten Fördergelder sind vollständig mit Projekten hinterlegt und damit ausgeschöpft.

Mehr zum Thema:

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