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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 05.09.2019

Aus den FeuilletonsMit dem E-Scooter (nicht) nach Jerusalem

Von Klaus Pokatzky

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Das Foto zeigt den Pariser Bischof Denis Jachiet beim Tragen eines Holzkreuzes - im Hintergrund stehen zwei E-Scooter. (dpa / picture alliance / abaca / Raphael Lafargue)
Schnappschuss aus Paris - der beweist, dass der E-Scooter bereits im Christentum angekommen ist. (dpa / picture alliance / abaca / Raphael Lafargue)

Beinahe hätte diese Plage auch Jesus erfasst. Aber nach einer Absage vonseiten der Oberammergauer Festspiele, so schreibt die "Süddeutsche", wird Jesus nicht elektronisch angetrieben düsen, sondern weiterhin auf einem Esel einziehen.

"Heutzutage würde Jesus nicht mehr auf einem Esel reisen." Dieses Zitat finden wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. "Er würde sich vermutlich auf einem E-Roller oder mit einem anderen tier- und umweltfreundlichen Elektromobil fortbewegen."

Das meint die Tierschutzorganisation Peta, der der Kulturpressebeschauer einen Blick in seine Straße in Berlin-Wilmersdorf empfehlen würde. Dort werden die E-Roller derart kreuz und quer und asozial auf dem Bürgersteig abgestellt, dass die Sehbehinderten aus dem Blindenhaus um die Ecke überhaupt nicht mehr ungestört spazieren gehen können. Christlich ist das nicht.

Absage aus Oberammergau

"Bei den traditionellen Oberammergauer Passionsspielen im kommenden Jahr soll Jesus nach Ansicht von Tierschützern nicht auf einem Esel, sondern auf einem E-Scooter nach Jerusalem einziehen", klärt uns die SÜDDEUTSCHE über Wünsche der Organisation Peta auf – die von den Oberammergauern gleich eine Absage bekommen hat.

Die Alternative mit E-Scootern sei nicht denkbar, sagte ein Sprecher. Die Passionsspiele stünden in einem historischen Kontext, in dem es noch keine Elektrofahrzeuge gegeben habe. Esel sind auch nicht so dumm zu Blinden.

Kampf den Autofahrern

"Einst ein Freiheitssymbol, ist das Auto für den Fahrer im Stau inzwischen zur Gefängniszelle geworden", heißt es in der Tageszeitung DIE WELT. "Straßenlärm und Abgase schmälern die Lebensqualität und schädigen die Gesundheit der Stadtbewohner", schreibt Dankwart Guratzsch – und gibt wieder, was sich manche Verkehrsexperten da als mögliche Maßnahmen ausdenken:

"Um den Pkw-Verkehr einzuschränken oder abzuwürgen, wird zunächst das städtische Parkplatzangebot rigoros vermindert und verteuert. Gleichzeitig rücken die Kommunen dem verbotswidrigen Parken mit drastisch erhöhten Bußgeldern zu Leibe. Wo es keine Parkplätze gibt und ein Parkschein das Doppelte eines Stadtbahntickets kostet, wird selbst hartgesottenen Pkw-Liebhabern die Anfahrt mit dem eigenen Auto vergällt."

Solange die dann nicht alle auf den E-Roller umsteigen und meinen Bürgersteig damit blockieren, klingt das doch recht gut.

Nur wenige glauben Trump

Und damit zum Wetter, zu einem Hurrikan mit dem Namen Dorian. "Jeder weiß, dass Donald Trump wenig Ahnung von nichts hat", steht in der SÜDDEUTSCHEN. "Als er also am Wochenende über Dorian sagte, er habe noch nie von einem Hurrikan der Stärke fünf gehört, obwohl es allein in seiner Amtszeit bereits drei solche Wirbelstürme gab, wunderte sich niemand", meint Alex Rühle.

"Wir waren bis dato nicht wirklich einem Politiker begegnet, der so viele inkorrekte oder falsche Dinge gesagt hat wie Trump." Das sagt im Interview mit der Tageszeitung TAZ Glenn Kessler, Faktenchecker bei der Washington Post – und gibt dann Entwarnung: "Wir haben bei der Washington Post vor Kurzem eine Umfrage gemacht, wie viele Amerikaner den Falschaussagen des Präsidenten glauben, und sogar unter seinen Unterstützern tun das nur wenige." Und: "Der Einfluss von Trump könnte also letztendlich sein, dass unsere Debatten mehr auf Fakten basieren werden."

Also mehr Vernunft und weniger Glauben – wobei sich beides ja auch gut ergänzen lässt. "Wie klein wäre der Schritt zur großen Versöhnung aller Glaubensrichtungen durch das Bekenntnis, 'unsere Vernunft hat sich für unsern Glauben entschieden'", empfiehlt in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG Hans Widmer zur Versöhnung der verschiedenen Religionen. "Wenn der Gläubige dabei seine Vernunft als Geschenk Gottes versteht, rundet er sein Glaubenskonzept ab – ohne jedes Besserdünken und ohne jede Aggression." Und Jesus bitte ohne E-Roller.

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