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Kulturpresseschau | Beitrag vom 21.08.2020

Aus den FeuilletonsMit Deep Purple in die Vergangenheit

von Tobias Wenzel

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Die Musiker von Deep Purple spielen auf einer Bühne vor einer großen Videoleinwand. (picture alliance/Vaclav Salek/CTK/dpa)
Deep Purple-Sänger Ian Gillan will Statuen von Kolonialisten lieber aufpolieren, statt sie zu stürzen. (picture alliance/Vaclav Salek/CTK/dpa)

Deep Purple stehen an der Spitze der Charts - wie vor 50 Jahren. Mit politischer Korrektheit könne er nichts anfangen, sagte Sänger Ian Gillan dem "Spiegel". Sich für den Rassismus der Vergangenheit zu entschuldigen, sei Unsinn.

"Sie wissen nicht, was ein Rentkammersekretär macht? Wer Jacobi oder Schleiermacher waren? Was Pantheismus ist?", fragt Charlotte Szász in der WELT und empfiehlt nicht nur für diesen Fall das ihrer Meinung nach "wahnsinnig gute" Buch "Hegels Welt" des FAZ-Herausgebers Jürgen Kaube. Denn der Autor habe ein besonderes Feingefühl für die "Verarbeitungskapazität" seiner Leser. Zu Hegels Vater, dem Rentkammersekretär, schreibe Kaube: "Heute würde man vielleicht sagen, er arbeitet im Finanzamt von Stuttgart."

Auch die TAZ widmet sich Hegel, mit dem Gastbeitrag eines weiteren Hegel-Sachbuch-Autors. Dabei ist der 250. Geburtstag des Philosophen erst am Donnerstag. Aber mit irgendetwas wollen die Feuilletonseiten in der sommerlichen Nachrichtendürre ja gefüllt werden. 

Lisa Eckhart im Sommerloch

Michael Hanfeld versucht es in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN mit einem Interview, das er schon, hört man heraus, vor einiger Zeit mit der österreichischen Kabarettistin Lisa Eckhart geführt hat, wenn auch, nachdem das Hamburger Harbour Front Literaturfestival sie ausgeladen hatte.

Es klingt ein wenig so, als wäre Hanfeld das Interview nicht ergiebig genug gewesen, als hätte er es deshalb erst gar nicht veröffentlichen wollen, als hätte ihn das Feuilleton-Sommerloch nun aber umgestimmt. Für diese Interpretation spricht, dass Hanfeld nur einige Antworten Eckharts in seinen Fließtext einbaut. Eigentlich heißt sie Lisa Lasselsberger. Aber als Kunstfigur Lisa Eckhart tritt sie auf. Und als solche hat sie die Sätze geäußert, die manche für antisemitisch halten.

"Auf der Bühne mag sie hinter dieser elegant-stilisierten, durchaus bösartigen, dann wieder scheinbar aufgeklärten Figur verschwinden", schreibt Hanfeld, "doch bringt die Präsenz dieser ganzheitlichen Kunstschöpfung es mit sich, dass die Person für alles, was Lisa Eckhart sagt und schreibt, in Haftung genommen wird." Das, inklusive der "Angriffe von links" und der "falschverstandenen Vereinnahmung von rechts", ändere sich erst, wenn Lisa Lasselsberger nicht mehr in die Rolle der Lisa Eckhart schlüpfe. Auf Hanfelds Frage, wann das sei, antwortet die Kabarettistin: "Das weiß weder sie noch ich".

Problem mit der Gegenwart

Ian Gillan, der Sänger von Deep Purple, würde die österreichische Kabarettistin sofort verteidigen, liest man aus Arno Franks Artikel für den SPIEGEL heraus. Wie schon vor 50 Jahren stehe die Band wieder an der Spitze der Charts, nun mit dem neuen Album "Whoosh!". Aber mit der Gegenwart habe Ian Gillan ein Problem. Er könne nichts mit politischer Korrektheit und wenig mit den Antirassismusprotesten anfangen. Gillan halte es für Unsinn, so Frank, sich für den Rassismus der Vergangenheit zu entschuldigen.

"Wie weit gehen wir zurück? 100 Jahre? 1000 Jahre? Ich höre, da gibt es keine Limits", wird Gillan zitiert. "Das ist gut, denn heute Morgen hatte ich in der Post einen Brief von Julius Cäsar, der sich bei mir für die Versklavung der Britonen vor über 2000 Jahren entschuldigt." Auch davon, Statuen von Kolonialisten zu stürzen, hält der Deep-Purple-Sänger nichts: "Wir mochten nicht, was passiert ist, also ist es nie passiert? Sorry, das ist idiotisch. Besser wäre es, die Statuen aufzupolieren!" Kommentar des SPIEGEL-Autors: "Eine Statue ist in gewisser Weise auch 'Whoosh!'".

Mit Wein gegen Corona

Vermutlich hat es auch in den Köpfen vieler Menschen in letzter Zeit "Whoosh!" gemacht: "Der Weinkonsum der Deutschen ist während der Corona-Zeit um 12,5 Prozent gestiegen", berichtet Satiriker Hans Zippert in der WELT und macht sich seinen unvergleichlich eigenen Reim darauf: "Als das RKI behauptete, das Tragen von Masken sei wenig hilfreich, trennten sich tausende von ihrem Mundschutz und kippten sich einige Hektoliter Grauburgunder hinter die nicht mehr vorhandene Binde."

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