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Kulturpresseschau | Beitrag vom 14.02.2020

Aus den FeuilletonsMit Billie Eilish in die Zukunft blicken

Von Tobias Wenzel

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Billie Eilish singt während eines Konzertes. (imago images / Zuma Press/ El Universal)
Der Song zum 25. James-Bond-Film mit Daniel Craig in der Titelrolle kommt von Billie Eilish. (imago images / Zuma Press/ El Universal)

Wie sich Daniel Craig von der Rolle des James Bond verabschieden wird, erfahren wir spätestens, wenn der Film in die Kinos kommt. Solange will man beim „Tagesspiegel“ nicht warten und liest zwischen den Zeilen des Titel-Songs von Billie Eilish.

Von Anfang und Ende handeln die Feuilletons vom Samstag. Dieser erste Satz der Kulturpresseschau würde, wollte er Literatur sein, bei Peter-André Alt sicher durchfallen, weil er einfach nicht verführerisch genug ist. Alt hat ein Buch über erste Sätze der Weltliteratur geschrieben. DIE WELT druckt einen Auszug ab: "Am Beginn jeder Erzählung steht ein Verführungsversuch", schreibt Alt. "Scheinbar aus dem Nichts kommt ein Satz, der seine Leser gewinnen und verstricken soll."

Nicht nur der Leser stehe im ersten Satz auf dem Spiel, sondern gleich der ganze Text. Nur warum ist es so schwer, den ersten Satz zu finden? Weil er "Anfang und zentraler Nervenpunkt einer epischen Handlung zugleich" sei, erläutert Alt. Er zitiert einen Tagebucheintrag Franz Kafkas ‒ "Anfang jeder Novelle lächerlich" ‒ und aus Kants "Kritik der reinen Vernunft". Kant schrieb mit Blick auf das Paradoxe an der Schöpfungsgeschichte: "Also kann zwar in der Welt manche Reihe der Dinge anfangen, die Welt selbst aber kann keinen Anfang haben."

Was meint Billie Eilish mit "No Time to Die"?

Vom Anfang zum Ende. Und dem von James Bond. Am 2. April kommt der neue Bond-Film in die Kinos. Zum letzten Mal mit Daniel Craig als Hauptdarsteller. Nur wie verabschiedet sich seine Figur? Etwa durch einen Filmtod? Christian Schröder lässt sich durch den neuen Bond-Titelsong - "No Time to Die" von Billie Eilish - zu dieser Mutmaßung im TAGESSPIEGEL verleiten.

"Über den Punkt, an dem Verletzung in Wut umschlägt, ist das lyrische Ich dieser Trauerballade bereits hinaus. Den letzten Triumph, sie weinen zu sehen, will die Hintergangene ihrem Missetäter nicht gönnen", liest Schröder aus dem Lied und versucht sich in Interpretationen: "Natürlich lässt sich die Bitterkeit dieser Zeilen auf die Figur des James Bond beziehen, eines notorischen Schwindlers und Schwerenöters, der in jedem seiner Filme von immer neuen, stets jungen Bond-Girls umschwärmt wird. Andererseits könnte auch der Darsteller gemeint sein."

Der neue Song wirke "wie ein Totenlied": "Das Lied befeuert die Spekulationen, dass der Schauspieler 'Keine Zeit zu sterben' ‒ so der deutsche Titel ‒ maximal endgültig verlässt: letal."

Briefe von Franz Werfel an seine Ehefrau

Vom letalen Abgang und Abgesang zu posthum veröffentlichten Briefen. Alma Mahler-Werfel wollte die Briefe, die ihr ihr Ehemann Franz Werfel geschrieben hatte, nach dessen Tod herausbringen. Deshalb bat sie den Autor und Journalisten Friedrich Torberg, diese Briefe zu sichten. Der war von dem, was er da las, angewidert, was wiederum ein nun aufgetauchter Brief Torbergs an seine Frau verrät.

Daraus zitiert die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Torberg störte an Werfels Briefen, "daß da ununterbrochen Programm gemacht wird, von ihm zwar, aber es ist das ihm von ihr aufgezwungene, pfui Teufel. Hashpasch. Oasch. Diese Drecksau. Diese infame, berechnende, wirkungsgeile Drecksau". Am liebsten wolle er mit der Witwe den Kontakt abbrechen. Torberg lehnte die ihm anvertraute Aufgabe zwar in einem Brief an Alma Mahler-Werfel ab, allerdings auf heuchlerisch-schmeichlerische Weise.

Aus den auf Wirkung zielenden Briefen Franz Werfels zog Friedrich Torberg eine persönliche Konsequenz. Er bat seine Frau in dem von der SZ zitierten Brief ‒ und da wären wir wieder beim Anfang: "Bitte tu mich um ½ 12 wecken, mit einem Fliegenfänger oder einer Zirkusglocke oder mit irgendetwas, wo gar kein Pathos drin ist und keine Herrschsucht und kein Programm".

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