Seit 01:05 Uhr Tonart

Freitag, 25.09.2020
 
Seit 01:05 Uhr Tonart

Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 27.09.2019

Aus den FeuilletonsMette-Marits Sonderzug nach Frankfurt

Von Tobias Wenzel

Beitrag hören Podcast abonnieren
Protraitfoto der elegant gekleideten Norwegischen Kronprinzessin Mette-Marit bei einer Gala zum 50. Geburtstag des Dänischen Kronprinzen Frederik von Dänemark im Christiansborg Palast in Kopenhagen am 26 Mai 2018.  (Photo: Patrick van Katwijk | Dutch Photo Press / dpa)
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit liebt und fördert Literatur. (Photo: Patrick van Katwijk | Dutch Photo Press / dpa)

Norwegen ist Gastland der Frankfurter Buchmesse. Ein Grund für Kronprinzessin Mette-Marit mit einem Sonderzug voller Dichter dorthin zu reisen, weiß der "Spiegel". Die "Welt" hat Mette-Marit zur Chefredakteurin ihrer Literaturbeilage gemacht.

Literatur, Licht und Natur, Tiere mal pur – das bieten die Feuilletons vom Samstag. Aber der Reihe nach:

I.K.H. – was ist das denn für eine Abkürzung? Fragt man sich beim Blick in die Literaturbeilage der Tageszeitung DIE WELT. Die neue Ausgabe der "Literarischen Welt" wurde, steht da, "gestaltet von I.K.H. Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen". Von Ihrer Königlichen Hoheit also. Die wurde von der Zeitung als Gast-Chefredakteurin gewonnen, weil Norwegen in diesem Oktober Gastland der Frankfurter Buchmesse ist und weil Mette-Marit Literatur liebt und sie fördert.

Mette-Marits Liebe zur Literatur

Im Gespräch, das Mara Delius mit I.K.H. geführt hat, geht es unter anderem um den Einfluss der norwegischen Natur auf die Literatur des Landes. Es wird Lichtmetaphorik bemüht. Über den Autor Karl Ove Knausgård sagt Mette-Marit: "Knausgård hat die Fähigkeit, über etwas Dunkles zu schreiben, das er dann zu etwas ganz Hellem destilliert." Knausgård selbst hat für die Ausgabe einen Text geschrieben, außerdem Siri Hustvedt einen über ihre amerikanisch-norwegische Familie. Die Redakteurinnen der "Literarischen Welt" deuten an, dass sie überrascht von der Zusage I.K.H. gewesen seien.

Wie Mette-Marit selbst eine Absage bekommen hat, erfährt man aus Volker Weidermanns SPIEGEL-Artikel über den anstehenden Gastlandauftritt Norwegens bei der Frankfurter Buchmesse. Die Kronprinzessin und besagter Knausgård haben nämlich einen Sonderzug organisiert, mit dem die norwegischen Autoren nach Frankfurt reisen. Zwar nicht aus Norwegen, sondern aus Köln. "Aber immerhin. Die Geste zählt", kommentiert Weidermann.

Alle geladenen Norweger steigen in den Sonderzug. Nur einer sträubte sich: Tomas Espedal. Und da I.K.H. ihn nicht am Telefon überreden konnte, bat die Kronprinzessin ihn, den Schriftsteller, um eine Frühstücksaudienz. Die gewährte er, wie Weidermann berichtet: "Mette-Marit kam, große Sonnenbrille, tuchverhüllt, von drei Sicherheitsmännern begleitet, frühstückte, bat Espedal erneut und nachdrücklich in ihren Dichterzug. Aber vergebens. Espedal kommt allein. Die Prinzessin mit den anderen Dichtern."

Vielleicht war Albrecht Dürer so naturverbunden, wie man es den Norwegern nachsagt. "Dann wahrhaftig steckt die Kunst inn der Natur. Wer sie herauss kann reissen, der hat sie", schrieb Dürer, was wiederum Philipp Meier mit Blick auf die Dürer-Ausstellung in der Albertina in Wien in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG zitiert. Dürer habe in seinen brillanten Zeichnungen wie "Das große Rasenstück" und "Feldhase" tatsächlich die Natur in diesem Sinne herausgerissen. "Ein Pelzknäuel in Habachtstellung", so nennt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG den berühmten Dürerhasen. Wer ihn betrachtet, will mit ihm kuscheln.

Spinnen-Exzentrik im Gericht

Weniger mit den Tieren, die die TAZ vorstellt. Genauer gesagt handelt es sich um Broschen im Tierdesign, die sich Brenda Hale, Präsidentin des Obersten Gerichtshofs in Großbritannien, ansteckt. "Tierisch ansteckend", hat die Zeitung Fotostrecke und Artikel genannt. "Ob Spinne oder Frosch, ihre Sammlung an viel zu großen Tierbroschen ist beachtlich", schreibt Tania Martini.

Als die Richterin jüngst das Urteil verlas und erklärte, Boris Johnson habe das Parlament unrechtmäßig pausieren lassen, trug sie eine Spinnenbrosche. Bemerkenswert sei diese Exzentrik an einem gänzlich unexzentrischen Ort wie einem Gericht, urteilt die Journalistin. Das erinnert sie an die britische Politik: "Die Guten bringen ihre Exzentrik über die Kleidung zum Ausdruck und die Bösen über eine Art Körperexpressionismus aus schlagenden Armbewegungen, mangelnder Impulskontrolle und wirrem Haar."

Fazit

weitere Beiträge

Kompressor

Film "Space Dogs"Die Straßenhunde Moskaus und die Raumfahrt
Szene aus dem Film "Space Dogs": Ein Straßenhund steht nachts in Moskau, im Hintergrund Läden und Hochhäuser (Elsa Kremser (Raumzeitfilm))

Im Film "Space Dogs" wird das Publikum Teil eines Moskauer Straßenhunderudels. In ihnen soll der Legende nach der Geist der Hündin Laika, des ersten irdischen Lebewesens 1957 im All, weiterleben. Menschen kämen im Film nicht gut weg, erklärt das Regie-Duo.Mehr

weitere Beiträge

Das könnte sie auch interessieren

Entdecken Sie Deutschlandfunk Kultur