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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 01.04.2014

Aus den FeuilletonsMedienboom am Hindukusch

In Afghanistan berichten mehr Journalisten denn je, in China drangsaliert die Regierung die Künstler

Von Klaus Pokatzky

Während in Berlin eine Ausstellung von Ai Weiwei beginnt, werden in China Kunstwerke beschlagnahmt. In Afghanistan fürchten derweil die Medien, dass ihr aktueller Boom endet, sobald westliche Truppen das Land verlassen.

 Das Wort "stattfinden" sollte in der Sprache am besten gar nicht erst stattfinden. Das lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Ist es doch das Geringste, was man von einer Sache überhaupt sagen kann, dass sie eben stattfindet, heißt es in der Glosse "Phrasenmäher". Noch weniger Aussagekraft besitzt nur noch das Gegenteil, dass etwas also nicht stattfindet, meint Christopher Schmid: "Ich finde ja hier nicht mehr statt", sagt zum Beispiel der Autor, von dem länger kein Text gedruckt wurde.

Die Politik der Einschüchterung

Das könnten auch Künstler sagen, die in China zum Beispiel, wo wir ja nur Ai Weiwei kennen, dem jetzt in Berlin eine große Schau seiner Werke gewidmet wird. Wie geht es den anderen Gegenwartskünstlern in China – und wer setzt sich für ihre Rechte ein?, fragt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG – und präsentiert Beispiele von Künstlern, deren Werke beschlagnahmt werden; von Bürgerrechtlern, denen unter der Regentschaft des Präsidenten Xi Jinping die Todesstrafe droht. Das Klima ist für die Wirtschaft freundlicher, für die Kunst finsterer geworden, schreibt Niklas Maak. Die Politik der Einschüchterung legt eine ganze Kunstwelt lahm – und nicht nur sie: Seit Xi sein Amt antrat, wurden so viele Bürgerrechtler wie seit dem Tiananmen-Aufstand nicht mehr festgenommen. Doch bei uns findet das kaum statt.

Viel hört man nicht. Vielleicht auch, weil es einfacher ist, in einem Einzelfall auf rechtsstaatliche Behandlung zu drängen, als zu kritisieren, dass gerade Tausende von Künstlern, eine ganze Generation, eingeschüchtert und drangsaliert werden – was die Legitimität des ganzen Systems anzweifeln würde.

Medien stehen unter Schutz internationaler Kampftruppen

Afghanistan findet bei uns statt – jedenfalls, solange auch deutsche Soldaten noch im Kriegseinsatz am Hindukusch stehen. Dann nehmen wir solche Meldungen wahr, wie jetzt die von einem Taliban-Attentat in einem Hotel in der Hauptstadt Kabul. Bevor die Sicherheitskräfte sie töteten, hatten die Taliban im Restaurant neun Menschen erschossen, darunter den AFP-Reporter Sardar Ahmad, seine Frau und zwei ihrer Kinder, erfahren wir aus der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Nach dem Mord an ihrem Kollegen haben nun rund 50 afghanische Journalisten erklärt, dass sie zwar weiterhin über Anschläge berichten werden, aber 15 Tage lang die Veröffentlichungen der Islamisten nicht mehr verbreiten werden. Die Aufständischen betreiben eine eigene Internetseite in den Landessprachen und in Englisch, sie verbreiten Videos und Fotos, geben auf Anfrage Interviews, rufen von sich aus bei Journalisten an.

Sie kommen entsprechend zu Wort, schreibt Tobias Matern – und berichtet über die Entwicklung der afghanischen Medienszene unter dem Schutz internationaler Kampftruppen: Afghanistan erlebt einen regelrechten Medienboom. Nach offiziellen Angaben erscheinen nicht nur Dutzende Zeitungen, sondern senden auch 174 Radiostationen und 65 Fernsehkanäle ihre Programme. Und was ist, wenn der Westen Ende des Jahres seinen Isaf-Einsatz beenden wird? Viele Afghanen befürchten, dass westliche Hilfsgelder auch für die Medien gestrichen werden, wenn das Militär abzieht. Und sie trauen ihren Sicherheitskräften nicht zu, die Islamisten in Schach zu halten.

Trauer um Jacques Le Goff

Von einem großen Historiker nehmen die Feuilletons Abschied: Jacques Le Goff, ein bedeutender Mittelalterforscher und ein europäischer Intellektueller, wie es in der SÜDDEUTSCHEN heißt, dessen Todesnachricht am Dienstag in Paris selbst den Lärm der Regierungsumbildung vorübergehend zu übertönen vermochte, schreibt Joseph Hanimann. Sein Fundus an Anekdoten, Lesefrüchten und Zitaten aus den Quellen war so beschaffen, dass immer etwas passte, nie erlebte man ihn sprach- oder lustlos, schreibt Nils Minkmar in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN: Seine ansteckende Freude am Leben machte auch die entlegensten Themen interessant, und sein Interesse war grenzenlos.

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