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Kulturpresseschau | Beitrag vom 18.06.2020

Aus den FeuilletonsManche Denkmäler gehören nur noch ins Museum

Von Klaus Pokatzky

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Ein Museumsmitarbeiter versucht, das Denkmal für den spanischen Konquistador Juan de Oñate vor dem Albuquerque-Museum von Graffiti zu reinigen. (Jim Thompson / Zuma / imago-images)
Das Denkmal für den spanischen Konquistador Juan de Oñate vor dem Albuquerque-Museum wird von Graffiti gereinigt. Die "Neue Zürcher Zeitung" wünscht sich einen demokratischen Prozess bei der Entfernung umstrittener Denkmäler. (Jim Thompson / Zuma / imago-images)

Die "NZZ" lehnt die Schleifung von Sklavenhändlerstatuen durch Selbstermächtigung ab. Zwar gehörten diese Denkmäler nicht in den öffentlichen Raum, das Problem sollte aber mit demokratischer Legitimierung gelöst werden - durch Diskurs und Abstimmung.

"Die Aktion 'Musikernothilfe' der Deutschen Orchester-Stiftung hat seit dem 16. März 2020 über 2,1 Millionen Euro Spenden eingesammelt", erfahren wir im Berliner TAGESSPIEGEL. "Gespendet haben auch die Mitglieder aller Berliner Orchester." Das ist doch mal eine schöne Nachricht in Coronazeiten.

"Die Sehnsucht, sich zu treffen, ist stärker als alles andere", heißt es in einem Interview des TAGESSPIEGEL - nicht nur zum schönen Beisammensein zu klassischer Musik. "Ich kann mir Kultur nicht vorstellen, ohne dass man sie mit anderen teilt, ohne Austausch, ohne diese kollektive Schwingung", sagt der frühere französische Kulturminister Jack Lang.

Vorschläge zum Umgang mit fragwürdigen Denkmälern

Manchmal werden in diesen Tagen auch Abrisswerkzeuge geschwungen, wenn es um einstige Symbole von Zivilisation geht. "Heute lassen sich die Deutschen wenigstens in den Kulturredaktionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von einer revolutionären Stimmung Beine machen", steht in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, "die auf den Sturz der Denkmäler von Sklavenhändlern, Reichsgründern und anderen des Rassismus verdächtigten Personen drängt".

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Das schreibt Patrick Bahners - und da lassen wir uns gerne Beine machen, wenn es um Rassismus und Artverwandtes geht. "Statuen von Sklavenhändlern gehören ins Museum, nicht in den öffentlichen Raum - zumindest nicht unkommentiert", lesen wir nämlich in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG. "Statt Schleifung durch spontane Selbstermächtigung sollte jedoch besser der Weg demokratischer Legitimation gewählt werden", schlägt der Zürcher Kunsthistoriker Jörg Scheller eine Brücke. "Das Problem müsste, im Idealfall, auf direktdemokratischem Weg angegangen werden können: durch zivilgesellschaftliche Initiative, öffentlichen Diskurs, Abstimmung, also demokratische Legitimierung."

Rassismus in Deutschland ist ein anderer als in den USA

Und wie ist es bei uns heute mit Rassismus und Artverwandtem bestellt? "Es gibt in Deutschland nicht die gleichen Fälle von tödlicher Polizeigewalt wie in den USA", heißt es in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. "Aber es gibt unglaubliche Geschichten von Verharmlosung rassistischer Taten, von falschen Ermittlungen, der unsensiblen Behandlung von Opfern, von Opfern, die für Täter gehalten werden. Die NSU-Geschichte hat das ja gezeigt."

Das sagt der Rassismusforscher Mark Terkessidis im Interview und wirft einen Blick in die jüngere Vergangenheit: "De jure ist Deutschland erst seit kurzem Einwanderungsland. Erst 1998 hat die Bundesregierung einen 'unumkehrbaren Prozess der Zuwanderung' anerkannt. Vorher ging man davon aus, dass die sogenannten Ausländer alle wieder nach Hause zurückgehen. 2000 ist das Staatsangehörigkeitsrecht geändert worden, was klargemacht hat: Es gibt auch Deutsche nichtdeutscher Herkunft. Das Bewusstsein ist häufig nicht so schnell mitgekommen." Die einen brauchen eben länger und manche werden es nie begreifen.

Französisches Lob für die deutsche Demokratie

"Frankreich dagegen förderte schon im 19. Jahrhundert Einwanderung. Wer sich zu Frankreich bekannte, sollte auch Franzose sein können", sagt Mark Terkessidis noch - und da wollen wir doch noch mal einen Franzosen hören.

"Madame Merkel hat ein Klima des Respekts geschaffen", steht im TAGESSPIEGEL. "Ich persönlich habe ihre viel kritisierte Entscheidung in der Flüchtlingskrise bewundert. Das war sehr mutig und sie hat damit die Ehre Europas gerettet. Frankreich ist zwar das Land der Revolution, aber das demokratische Ideal von 1789 ist in Deutschland am besten verwirklicht." Das sagt Jack Lang noch in seinem TAGESSPIEGEL-Interview. "In meinen Augen ist Deutschland die größte Demokratie in Europa."

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