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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 05.10.2014

Aus den FeuilletonsLutz Seilers große Chance auf den Buchpreis

Autor des Hiddensee-Romans "Kruso" gilt als klarer Favorit

Von Gregor Sander

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Lutz Seiler, deutscher Schriftsteller, Ingeborg-Bachmann-Preistraeger 2007. Aufgenommen am 08.10.2010 in Frankfurt (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)
Lutz Seiler (picture alliance / dpa / Erwin Elsner)

Kurz vor der Verleihung des Deutschen Buchpreises haben sich die Kritiker festgelegt: "TAZ" und "Tagesspiegel" setzen auf Lutz Seiler und seinen Hiddensee-Roman "Kruso". Uneinigkeit herrscht über Markus Lanz' Auftritt in "Wetten, dass..?".

"So. Auf nach Frankfurt."

Gewollt lakonisch beginnt Dirk Knipphals seinen Artikel in der TAZ. Denn am Montag wird am Main mal wieder der Deutsche Buchpreis vergeben und einen Tag später dann die Buchmesse eröffnet:

"Der Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier wird zur Eröffnung sprechen und vom Outfit her von der Autorin Sofi Oksanen locker in den Schatten gestellt werden, die für das Buchmessen-Gastland Finnland die Eröffnungsrede hält. Auf diesen Auftritt darf man gespannt sein, auch politisch. Sofi Oksanen wird ganz sicher auf die derzeitigen Konflikte mit dem von Putin regierten Russland eingehen."

Und das Rennen um den Deutschen Buchpreis 2014? Für Knipphals ein Kopf-an-Kopf-Rennen:

"Erster Favorit ist Lutz Seiler mit seinem Hiddensee-Roman 'Kruso'. Zweiter Favorit ist Thomas Hettche mit seinem Pfaueninsel-Roman 'Pfaueninsel'. Alles andere wäre eine Überraschung, eine sehr große Überraschung."

Robert Wilson lässt Hüften schwingen

Der Berliner TAGESSPIEGEL legt sich da noch etwas mehr fest und interviewt im Aufmacher "Kruso"-Autor Lutz Seiler, als wäre er bereits der Preisträger:

"Wie war das beim Schreiben, gerade im Vergleich zum Schreiben von Gedichten? Man merkt 'Kruso' zum Teil an, dass er aus der Feder eines Lyrikers stammt?", fragt Gerrit Bartels und Seiler antwortet: "Das Schreiben von Prosa ist etwas völlig anderes. Man schaut anders in die Welt, hat andere Wahrnehmungszustände. Man muss immer präsent, immer auf der Baustelle sein, über eine lange Zeit. Davon abgesehen ist 'Kruso' klassisch erzählt. Kann sein, dass man als Lyriker mehr Aufmerksamkeit darauf legt, wie ein Bild in Szene gesetzt wird, und dass man gar nicht anders kann, als auf Klang und Rhythmus zu achten."

"Die Neger" von Jean Genet am Pariser Odéon

Großen Wert auf Bilder und Rhythmus legt auch Robert Wilson in seinen Theaterinszenierungen. Am Pariser Odéon hat er nun "Die Neger" von Jean Genet inszeniert. Joseph Hanimann beschreibt das Stück von 1959 in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG so:

"Eine Gruppe Schwarzer spielt vor einem Königs- und Gerichtshof aus Schwarzen mit weißer Gesichtsmaske die Ermordung einer Weißen durch einen Schwarzen sowie dessen Verurteilung. Wilson hat aus dem burlesken Situationsreigen ganz im Sinne des Spielleiters Archibald – 'Meine Damen und Herren, heute Abend spielen wir für Sie' – eine Nummernrevue gemacht."

Was Barbara Villiger Heilig von der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG sehr gefällt:

"Ausgerechnet Robert Wilson, dem sonst nichts artifiziell genug sein kann, lässt plötzlich Körper tanzen, Hüften schwingen, Hände klatschen. Hautenge Kostüme in allen Regenbogenfarben mit Pailletten und Strass, Fräcke und Smokings mit Glitter-Revers schmiegen sich in die swingenden Rhythmen des Jazz. Ein Zauber."

Die Tageszeitung DIE WELT kalauert in ihrer Überschrift am Rande des Rassismus: "'Die Neger' bleiben blass." Aber immerhin begründet Thomas Hahn, warum ihm Wilsons Interpretation nicht zusagt:

"Wilson leuchtet zwar seine Bühne aus wie zu einem Konzert, nicht aber Genets Text."

"Wetten, dass..?" - zwischen milden Worten und Kritik 

Eine bereits abgesetzte Unterhaltungsshow zu moderieren ist keine leichte Aufgabe und so findet Hans Hoff in der SZ milde Worte für die drittletzte Ausgabe von "Wetten, dass..?":

"Markus Lanz hat eine überdrehte Diane Keaton ertragen, die alles niederküsste, was nicht bei drei auf den Bäumen war, ihm ist es gelungen, den oft als Komiker missverstandenen Hyperaktivisten Ralf Schmitz nicht wegen nachgewiesener Unerträglichkeit der Bühne zu verweisen, und er hat selbst für die Altmetall-Ansammlung, die sich als Tokio Hotel vorstellte, die richtigen Worte gefunden."

Keine Gnade kennt hingegen Jan Freitag vom TAGESSPIEGEL:

"Alles lausig und lahm. Aber es ist eben auch einfach nicht recht die Schuld von Markus Lanz. Schuld ist vor allem das Wesen zeitgenössischen Fernsehentertainments. Es degradiert stets bemühte Unterhaltungsverwalter wie Lanz zu unbeliebten Strebern im Lichtschatten aufregender Klassenkasper."

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(Deutschlandradio Kultur, Aktuell, 05.10.2014)

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