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Kulturpresseschau | Beitrag vom 03.07.2018

Aus den FeuilletonsLobeshymnen auf Terézia Mora

Von Adelheid Wedel

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Die Schriftstellerin Terézia Mora spricht am 27.05.2015 im Rahmen eines festlichen Abends, zur Würdigung von literarischen Übersetzerinnen und Übersetzern, im Schloss Bellevue in Berlin. (picture alliance / dpa / Gregor Fischer)
Die Schriftstellerin Terézia Mora: Im Oktober wird ihr in Darmstadt der Georg-Büchner-Preis 2018 verliehen. (picture alliance / dpa / Gregor Fischer)

Sie ist eine gute Wahl: In den Feuilletons herrscht Einigkeit über Terézia Mora als Büchner-Preisträgerin. Ihre "knappe, hochexplosive Sprache" wird gelobt – und dass die Schriftstellerin dem Chaos um uns herum etwas entgegenzusetzen habe.

Keines der uns vorliegenden Feuilletons lässt es sich entgehen, ausführlich über Terézia Mora, die neue Büchner-Preisträgerin, zu berichten. Es fallen viele Lobesworte, ja Lobeshymnen, die in ihrer Eindeutigkeit bestätigen: Es ist eine gute Wahl.

Ihre ersten Sporen verdiente sich die Deutsch und ungarisch aufgewachsene Autorin für ihre Übersetzungen, und so findet Gregor Dotzauer im TAGESSPIEGEL die schöne Formulierung:

"Man muss sie sich als eine Schriftstellerin vorstellen, die die Wörter einmal in die linke und einmal in die rechte Hand nimmt, mit abwechselnd zugekniffenen Augen mustert und daraus ihr Gespür für das Gewicht von Sätzen gewinnt. Es leuchtet von daher ein, dass sie die Präzision ihres eigenen Schreibens früh auch im Übersetzen schulte. Ohne sie hätten weder Péter Esterházys ausufernder Familienroman 'Harmonia Cealestis' noch István Örkénys absurde 'Minutennovellen' aus dem … Ungarischen in ein leuchtendes Deutsch gefunden."

Eine Erzählerin mit großen Stärken

Dotzauer lobt Moras "knappe, hochexplosive Sprache". Dirk Knipphals hebt in der Tageszeitung TAZ hervor: "Die Stärken der Erzählerin liegen in der Beschreibung solcher ganz konkreten und dann doch wieder komplexen Situationen der Hilflosigkeit. Sind es Übergänge? Ist es das verfehlte Leben? Ist es vielleicht sogar das bestmögliche Leben, das man real zur Verfügung hat?" fragt er und setzt fort:

"Die verschiedenen Grade der Selbstzerstörung sind ihren Figuren nicht fremd… Oft sprechen sie aneinander vorbei, oft verschweigen sie auch das, was sie eigentlich sagen wollen, oder sie können es nicht formulieren."

Moras Texte sind eminent gegenwärtig

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG bezieht sich Tilman Spreckelsen auf die Begründung der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung: Mora erhalte den Preis für die lebendige Sprachkunst und eminente Gegenwärtigkeit ihrer Texte. "Dem kann man nur zustimmen", meint er, und:

"Schließlich geht beides hier auf besonders geglückte Weise Hand in Hand, man könnte sogar sagen, dass die Sprachkunst die Gegenwärtigkeit erst hervorbringt und abbildet, dass hier also ein offenes Auge, ein offenes Ohr eine passende Zunge findet, mehr noch, dass die Erfahrung von der widersprüchlichen Vielstimmigkeit der Welt ihren Ausdruck in einer adäquaten Vielstimmigkeit der Poesie findet." Mora beweise so, "dass man dem Chaos um uns herum etwas entgegenzusetzen hat."

Diesen Gedanken findet man auch in Lothar Müllers Kommentar in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Wir lesen: Diese "gute Wahl ehrt in einer Zeit, in der Deutschland und seine europäischen, zumal osteuropäischen Nachbarn, politisch zueinander in Distanz geraten, ein Werk, in dem sie literarisch vitale Beziehungen unterhalten, ein Werk jenseits der Idylle und auf Augenhöhe mit der Gegenwart."

Von Kunsthalle Mannheim bis Filmfest München

Natürlich gibt es auch andere Themen in den Mittwochsfeuilletons. So feiert der TAGESSPIEGEL den "spektakulärsten deutschen Museumsbau des Jahres": die neue Kunsthalle in Mannheim.

Blick auf das Jugendstilgebäude vom neueröffneten Museumskomplex in Mannheim, 30.05.2018 (imago stock&people)Blick vom neueröffneten Museumskomplex in Mannheim auf das Jugendstilgebäude (imago stock&people)

Die FAZ registriert: "Der Schriftsteller Maxim Biller poltert in Heidelberg", und die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG gewinnt dem demografischen Wandel unserer Gesellschaft eine positive Seite ab: Die Fernsehfilme auf dem Münchner Filmfest zeigen: "Frauen und Männer dürfen endlich älter aussehen als höchstens 50 Jahre."

Keine Kussszenen und verpixelte Weingläser

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG meldet sich Bülent Mumay mit seiner Kolumne am Ende der ersten Woche nach Erdogans Wiederwahl. Er berichtet unglaubliche Dinge, über die man lachen könnte, wären sie nicht so ernst: Die Jagd auf Andersdenkende, "die Verteufelung der Opposition" wird zunehmend gewalttätiger. Der Regulierungsbehörde für Rundfunk und Fernsehen "reguliert" auf Teufel komm raus: "Das Fernsehen zeigt keine Kussszenen mehr, in neuen Produktionen sind Sex und Alkohol tabu. In älteren Filmen werden sogar Weingläser verpixelt." Ausländische Serien kommen mit seltsamen Untertiteln daher.

Bülent schreibt: "Um ja nicht von der Zensurbehörde bestraft zu werden, erlebten wir bereits, dass 'Präservativ' im Untertitel als 'Schalldämpfer' wiedergegeben wurde."

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