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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 26.02.2020

Aus den FeuilletonsKultur in Zeiten von Corona

Von Klaus Pokatzky

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Touristen in Mailand auf dem Duomo Platz am  25.2. 2020  (dpa/ Cristiano Barni/Eidon/)
Das Coronavirus ist in Italien angekommen – in Mailand schützen sich die Menschen mit Mundschutz-Masken (dpa/ Cristiano Barni/Eidon/)

Der Coronavirus hat nicht nur Europa erreicht, sondern inzwischen auch die Kulturwelt. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet, dass in Mailand Museen und Theater geschlossen sind. Inzwischen werden schon Vergleiche zur Zeit der Pest gezogen.

"Rund 28 Prozent der Bundesbürger empfinden ein grundsätzliches Misstrauen gegen die Berichterstattung etablierter Medien", lesen wir in der Tageszeitung TAZ über eine Studie der Mainzer Universität – die herausgefunden hat, dass der Anteil der skeptischen Mediennutzer 2019 um sechs Prozent angestiegen ist.

Die Kirchen und der Qualitätsjournalismus

"Der Anteil der Deutschen, die Medien bei wichtigen Themen grundsätzlich vertrauen, blieb jedoch mit 43 Prozent stabil", heißt es weiter in der Meldung des Evangelischen Pressedienstes EPD. Da wäre es doch schön, wenn die Evangelische Kirche dazu beitragen würde, dass vor allem auch der Qualitätsjournalismus stabil bleibt – oder?

"Die evangelische Kirche will ihre Journalistenschule schließen", erfahren wir in CHRIST UND WELT, der Beilage der Wochenzeitung DIE ZEIT, über protestantische Sparpläne. "Im Anfang war das Wort", erinnert in einem flammenden Plädoyer Heribert Prantl. "Kirche braucht die Sprache, um Gehör und Glauben zu finden. An der Evangelischen Journalistenschule wird sie gelehrt. Sie muss weiter gelehrt werden", fordert das Mitglied der Chefredaktion der Süddeutschen Zeitung im Konkurrenzblatt CHRIST UND WELT.

"Die katholische und die evangelische Kirche sollten sich freilich überlegen, ob sie nicht ihre Journalistenschulen zusammenlegen. Das wäre ein wunderbares Zeichen von Ökumene." Und bestimmte Sparmaßnahmen sind ein Zeichen von Verantwortungslosigkeit. "Sie kostet jährlich rund 500.000 Euro brutto", klärt uns Merle Schmalenbach in CHRIST UND WELT darüber auf, was mit der Schließung der Journalistenschule eingespart werden könnte – die in den letzten 25 Jahren 200 Volontärinnen und Volontäre ausgebildet hat. 500.000 Euro brutto etwa als Gehalt: Darüber würden unfähige Spitzenmanager nur lachen.

Drastische Maßnahmen gegen die Angst

"Europa spürt die Angst", steht in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG. "Die Angst vor der Panik ist mittlerweile so groß wie die Angst vor dem Erreger selbst", schreibt Joachim Müller-Jung über die "neue Seuche Covid-19" – das Coronavirus. "In dieser Lage Entschlossenheit zu demonstrieren, Quarantäne zu verordnen, Schleimhautabstriche zu verordnen und Schulen oder Museen zu schließen bis hin zum Berufsverbot sind Möglichkeiten, die auch etwa das deutsche Infektionsschutzgesetz sehr wohl zulässt."

Und anderswo sind schon drastische Maßnahmen getroffen worden – die "auch für skurrile Vorkommnisse" sorgen, wie es in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG heißt: "Der mittlerweile 85-jährige Modedesigner Giorgio Armani präsentierte am vergangenen Wochenende seine Kollektion auf der Mailänder Fashion Week ohne Zuschauer. Er wollte das Publikum nicht unnötig gefährden – oder es zumindest nicht zeigen. Die Show wurde vor leeren Rängen präsentiert und ins Internet übertragen."

Es geht aber noch schlimmer. "Nichts darf stattfinden, alle Veranstaltungsorte und Museen bleiben vorerst geschlossen", so die FRANKFURTER ALLGEMEINE. "In Mailand, wo das kulturelle Herz Norditaliens am lautesten schlägt, herrscht Stille." Karen Krüger lebt dort, und ihr "Lagebericht" berührt daher besonders. "Die Kultur wurde unter Quarantäne gestellt, und schon jetzt sind die Folgen erheblich und strahlen auf ganz Italien aus." Nicht nur die Mailänder Museen und Theater sind geschlossen – in den Kirchen dürfen auch keine Messen mehr abgehalten werden. "Fragt man Mailänder, ob der Stadt schon einmal Ähnliches widerfahren sei, dann hört man oft: nicht einmal während des Zweiten Weltkriegs. So etwas hat Mailand nur während der Pest erlebt."

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