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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 09.06.2017

Aus den FeuilletonsKlugscheißen mit Helene Hegemann

Von Klaus Pokatzky

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Helene Hegemann  (picture alliance/dpa/Foto: Arno Burgi)
Die Autorin Helene Hegemann im Oktober 2013 auf der Frankfurter Buchmesse (picture alliance/dpa/Foto: Arno Burgi)

Regisseurin und Schriftstellerin Helene Hegemann, bekannt geworden mit ihrem umstrittenen Roman "Axolotl Roadkill", hat dem "Spiegel" ein Interview gegeben und stellt fest: Yoga ist "die totale Vereinzelungssportart".

"Alle Religionsgründer, ohne Ausnahme, waren Outsider", klärt uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG auf: "Outsider blicken tiefer."

Und dann gibt es Lebenshilfe für uns alle: "Warum Sie viele Freaks kennen, aber selbst keiner sein sollten."

Und wer ist ein Freak? "Einstein fand keine Uni-Stelle, also fristete er ein schlechtbezahltes Dasein als Patentbeamter dritter Klasse in Bern – wo er in seiner Freizeit die Physik revolutionierte", nennt Rolf Dobelli einen Outsider, der ich aber ganz gern gewesen wäre.

"Margaret Thatcher, eine der stärksten britischen Premierminister, war Hausfrau und katapultierte sich aus dem Nichts in die Politik." Nein, danke!

"Als Fußballprofi bin ich privilegiert", zitiert die Tageszeitung TAZ einen jungen Freak unserer Tage und seine Wahlentscheidung gegen die aktuelle Eiserne Lady namens Theresa May.

"Ich sollte also für einen niedrigen Steuersatz sein, wie er von den Konservativen vertreten wird, das tue ich nicht", sagt der Fußballer Liam Rosenior: "Es geht uns ALLE an, es geht um die ganze Gesellschaft."

Betrogene englische Jugend

Und die junge britische Gesellschaft hat nun ihre Premierministerin zum Outsider gemacht.

"Die Jugend, die sich durch das Brexit-Votum und die Sparpolitik der Konservativen um ihre Zukunft betrogen fühlte, scheint den Ausschlag gegeben zu haben", ist in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG zu lesen.

"Das lässt sich nicht nur aus der höheren Wahlbeteiligung gegenüber 2015 schließen, sondern auch aus Umfragen, die darauf deuten, dass die Labour-Strategie gefruchtet hat, während die konservative Kampagne ins Stocken geriet", meint Gina Thomas.

"Sie haben die Arroganz der Eliten satt", heißt es in der TAZ. "Gerade die Jungen stimmten dann massenweise für Labour. Zuvor hatten Popstars wie Massive Attack",

schreibt Julian Weber, "die bei der Jugend Gehör finden, aktiv für eine Wahlbeteiligung der ErstwählerInnen und für die Politik der Labour Party geworben." 

Lauter Freaks.

"Plötzlich wusste ich, ich gelte als Klugscheißerkind und sollte besser den Mund halten; ich wusste, wie es ist, als hässlich und unfähig beschimpft zu werden."

Helene Hegemann macht jetzt Yoga

Das erzählt die Regisseurin und Schriftstellerin Helene Hegemann im SPIEGEL-Interview – die ja berühmt wurde, als sie vor sieben Jahren für ihren Roman "Axolotl Roadkill" sehr großzügig bei anderen abgeschrieben hatte.

"Ich hatte meine Unbefangenheit verloren, weil ich plötzlich Geld mit dem Schreiben verdiente. Jeder Satz musste darüber entscheiden, ob ich mein Leben auf die Reihe kriege, organisatorisch und finanziell."

Nun hat Helene Hegemann ihre Unbefangenheit wiedergefunden und das Buch verfilmt. Yoga spielt darin eine wichtige Rolle:

"Das ist total zeitgemäß, aber auch ein bisschen unsympathisch. Die totale Vereinzelungssportart. Yoga ist eine Art von Betätigung, mit der man sich nicht beweisen muss, für die man keinen anderen braucht, bei der nichts von einem erwartet wird."

Und: "Dass jetzt alle in Deutschland auf Yoga abfahren und nicht Handball oder Beachvolleyball spielen oder tanzen gehen, finde ich schon interessant."

Keiner geht zum Handball? Wenn wir berücksichtigen, dass allein die beiden Handball-Bundesligen jedes Jahr zwei Millionen Zuschauer haben, können wir nur feststellen, dass sich Helene Hegemann treu geblieben ist, was ihren Sinn für Realitäten angeht.

"Outsider geniessen einen taktischen Vorteil. Sie müssen sich nicht an die Protokolle des Establishments halten und verlieren dadurch keine Zeit", stellt Rolf Dobelli noch in der NEUEN ZÜRCHER fest – nicht ohne Neid.

"Pflegen Sie Freundschaften mit Outsidern", rät er und empfiehlt dabei "Toleranz. Outsider sind selten pünktlich. Manchmal sind sie ungewaschen oder tragen bunte Hemden."

So wie Albert Einstein?

Fazit

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