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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 14.04.2016

Aus den FeuilletonsJunge Literaturzeitschrift - auf Papier!

Von Ulrike Timm

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Mehrere Exemplare der Literaturzeitschrift "Sachen mit Wörtern" (Sachen mit Wörtern)
Die Literaturzeitschrift "Sachen mit Wörtern" (Sachen mit Wörtern)

"Zurück in die Zukunft" lautet das Motto der neuen Literaturzeitschrift "Sachen mit Wörtern", die auf Papier erscheint, schreibt die "TAZ". Die "SZ" berichtet von dem erfolgreichen Heidelberger Liederfestival "Neuland.Lied".

Kuguschuge – ist doch klar: Kulturgutschutzgesetz! Die Kenner von der Besuchertribüne im Bundestag sprechen das ganz lässig. Bloß, Kenner sind so knapp. Die WELT hat die parlamentarischen Mühen der Ebene begleitet und eine Ausschusssitzung besucht, wo sich Abgeordnete um ein klareres Bild von Kuguschuge bemühen.

"Es ist eine zähe Sache, so ein Willensbildungsprozess, Drei-Minuten-Statements, Nachfragen, neue Nachfragen…"

Bald sollen die Abgeordneten ja abstimmen über ein Gesetz, dass Kulturstaatsministerin Monika Grütters in bester Absicht gestemmt hat: Wertvolles Kulturgut soll im Inland bleiben, die Einfuhr von Kunst aus dem Ausland soll besser geregelt werden – und das der erfolgsgewohnten Grütters dann so komplett zerbröselt wurde, weil es Sammler in letzter Konsequenz um ihre Sammlungen bringen könnte, zumindest aber eine Bürokratieschlacht verursachen würde. Sagen die zahlreichen Gegner des Entwurfs von Kuguschuge. Jetzt also Ortstermin der WELT im Ausschuss.

"Wenn die Abgeordneten aus all dem überhaupt eine Tendenz heraushören, dann wohl die, dass das Gesetz überarbeitungsbedürftig ist – und keiner sagen kann, wie genau. Was 'national wertvoll' ist und wie ein Expertengremium in der Praxis entscheiden soll, weiß immer noch kein Mensch, die Sachverständigen können sich heute nicht mal darauf einigen, was denn eigentlich ein 'Herkunftsland' ist, das Land, das ein Kunstwerk exportiert, oder das Land, in dem das Kunstwerk entstanden ist."

Liederfestival ohne weihevolle Kulturtempelstimmung

Hilfe! Und Flucht! Ob der ambitionierte Stuttgarter Koch, dem sich die Gastrokritik in der FAZ widmet, vielleicht mal im Bundestag auftischen sollte, um eine Prise Sinnlichkeit in so eine Ausschusssitzung zu bringen? – Aber ob das rettet? Hören Sie mal:

"ein Lolli aus getrocknetem Parmesan mit Schnittlauch, eine flüssige Olive mit Sardellenpaste, die als Sphäre im Mund wie ein spitzer Freudenschrei zerplatzt, und eine winzige Krabbe aus Büsum, die auf einem Podest aus Krabbenfarce und einer Scheibe Charentais-Melone liegt, um der Süße des Meerestieres eine fruchtige Note entgegenzuhalten…!"

Sorry, liebe FAZ – vielleicht hätte man doch … einfach essen … und nicht schreiben sollen. Die Pressebeschauerin kennt sich zugegebenermaßen mit dergleichen Kompositionen nicht wirklich aus, bloß ein bisschen mit Büsumer Krabben. Aber wenn die schon auf’s Podest von was auch immer müssen, dann bitte nicht bloß eine, sondern reichlich. Die sind so gut!

Zwei ermutigende Artikel, der erste steht in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG und erzählt davon, wie sich in Heidelberg ein Liederfestival etabliert, mutig, fantasievoll, optimistisch, und allen Untergangsszenarien über den Kunstgesang zum Trotz. "Man muss sich sein Publikum heranziehen", sagt Intendant Thorsten Schmidt – mit Möglichkeiten zum Mitsingen, mit Konzertformaten, die die Schnittmenge von Kunstlied und Popsong austesten, mit exquisiten Darbietungen des Repertoires, die die Kunst nicht an eine vermeintliche Coolness verkaufen und die doch ohne weihevolle Kulturtempelstimmung auskommen. In England kann man das ziemlich gut. Vielleicht bringt "Neuland.Lied" auch in Deutschland den Aufschwung.

"Druck, ohne dabei die Onlinekanäle zu vergessen"

Die zweite Ermutigung steht in der TAZ. "Hip und haptisch lesen" – eine kleine tapfere Truppe junger Leute um die 30 hat eine neue Literaturzeitschrift gegründet. Keinen Blog. Kein Portal. Eine neue Literaturzeitschrift aus echtem Papier, Auflage derzeit 250 Stück, finanziert über "Soli-Partys, Crowdfunding und Fördergelder." "Sachen mit Wörtern", so heißt sie. Und die TAZ meint:

"Für die literaturschaffende Generation 25 plus heißt das Konzept also: 'Zurück in die Zukunft': Druck, ohne dabei die Onlinekanäle zu vergessen."

Toitoitoi.

Merken Sie was? Wir sind ohne die Causa Böhmermann durch die Kulturpresseschau gekommen. Das können sie gut finden oder aber mit einer Überschrift aus der BERLINER ZEITUNG kontern, nämlich:

"Überall ist der Wurm drin!"

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