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Kulturpresseschau | Beitrag vom 21.01.2020

Aus den FeuilletonsIst dieser Film die bisher lustigste Hitler-Komödie?

Von Gregor Sander

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Roman Griffin Davis als der kleine Junge Jojo Betzler und Taika Waititi als Adolf Hitler stehen sich in einer Szene des Films "Jojo Rabbit" gegenüber und zeigen mit überraschter Mimik mit den Zeigefingern aufeinander.  (picture alliance / dpa / ZUMA Wire / wentieth Century Fox)
"So lustig ist der deutsche Diktator im Kino noch nie gewesen", schreibt "Die Welt" über den Hitler-Film "Jojo Rabbit". (picture alliance / dpa / ZUMA Wire / wentieth Century Fox)

"So lustig ist der deutsche Diktator im Kino noch nie gewesen", schreibt "Die Welt" über den Film "Jojo Rabbit". Es geht um einen Jungen, der von einem Fantasie-Hitler Nachhilfe in Rassenhass bekommt - das toppe auch Chaplins "Der große Diktator".

Die Frage, ob man über Hitler lachen kann, hat sich für Hannes Stein von der Tageszeitung DIE WELT erledigt. Er ist sich sicher, "dass sich auf der ganzen Welt eigentlich nur die Deutschen darüber den Kopf zerbrechen. Alle anderen – vor allem jene, die unter Hitler gelitten beziehungsweise gegen ihn gekämpft haben – fanden immer schon, dass dieser Massenmörder auch zum Brüllen ist. Zum Brüllen komisch natürlich."

Und so wird in der Kritik "Der große Diktator" von Charlie Chaplin erwähnt oder Mel Brooks "Frühling für Hitler", aber sie alle werden jetzt offensichtlich in dem Film* "Jojo Rabbit" von einem neuen Film-Hitler an die Wand gespielt: "So lustig ist der deutsche Diktator im Kino noch nie gewesen. Das hat folgenden Grund: Es gibt ihn gar nicht – oder genauer, es gibt ihn nur im Kopf von Jojo Betzler."

Nachhilfe vom Fantasie-Hitler

Dieser Hitler ist also das personifizierte schlechte Gewissen eines kleinen deutschen Jungen, der sich selbst als zu weich für die Nazi-Diktatur empfindet und dafür von seinem nur für ihn sichtbaren Psychoführer hart an die Kandare genommen wird und Nachhilfe bekommt in Rassenhass und Eroberungswillen. Gespielt wird der Fantasie-Hitler vom Regisseur Taika Waititi, der sowohl maorische als auch jüdische Vorfahren hat.

Für Andreas Platthaus von der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG ist aber noch ein zweiter Aspekt entscheidend für die hohe Qualität der Komödie: "Neben dem Komischen ist auch noch das Emotionale an diesem Film zu preisen: wie gegen die Zerrbilder der Nazis die durchaus tiefen Psychogramme eines an sich selbst zweifelnden Jungen und eines vom Tod bedrohten Mädchens gesetzt werden."

David Lynch vor der Kamera

Die Frage:"Ist das noch Kunst oder schon Plemplem?", stellt David Steinitz in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu einem anderen Film. Netflix hat sich und David Lynch zu dessen Geburtstag am Montag einen Kurzfilm des Jubilars gestreamt, in dem der Meister sogar mitspielt:

"'Jack' wurde in Schwarzweiß gedreht und knistert wie eine alte Filmkopie mit diversen Gebrauchsspuren und Kratzern. Lynch, der Kommissar, verhört einen Verdächtigen, Jack. Bei dieser Figur handelt es sich um einen kleinen Affen, der einen schmalen Anzug mit Krawatte trägt, und der auch sprechen kann."

Und ist das nun Kunst oder schon Plemplem? Steinitz zeigt sich schwankend: "Wie immer bei Lynch liegt die Wahrheit wohl irgendwo in der Mitte. Wobei für seine Fantastereien die Form des Kurzfilms eine ausgezeichnete Wahl ist. In überlangen Spielfilmen wie 'Inland Empire' hatte er sich in seinen Traumlabyrinthen zuvor manchmal etwas verrannt."

Pet Shop Boys immer noch unverstaubt

Respekt und Lob haben sich die Pet Shop Boys für ihr 14. Studioalbum bei Ulf Lippitz vom Berliner TAGESSPIEGEL erarbeitet: "Dabei klingt das Duo null verstaubt. Keine andere Band aus den achtziger Jahren hat sich so konsequent an der Schnittstelle zwischen Dance und Pop abgearbeitet, immer wieder neue Soundideen für sich entdeckt und weiterentwickelt."

Begann ihr erster Hit "West End Girls" 1985 mit klappernden Stöckelschuhen auf dem Asphalt von London, beginnt die neue Platte so: "35 Jahre später rattert nun eine U-Bahn durch das Eröffnungsstück des neuen Albums 'Hotspot'. Es gibt wieder Fanfaren, Pumperbeats – und eine Lautsprecherstimme, die verkündet: Hallesches Tor." Denn die Ur-Briten aus der Zoohandlung leben inzwischen in Berlin und haben sich pflichtschuldig auch in die Stadt verliebt.

Betrunken vom Kopfüber im Upside-down-House

Da klingt ein Phänomen aus ihrer Heimat doch schon spannender, von dem in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG berichtet wird. In England sind jetzt Upside-down-Houses als Jahrmarktsattraktion in Mode. Also Häuser in denen Möbel oder die Toilette an der Decke kleben. Doch wozu soll das gut sein, fragt man sich. Sabine von Fischer hat folgende Antwort erfahren:

"Manche blieben bis zu zwei Stunden, bis sie vom schrägen Kopfüber wie betrunken seien. Dann müssten sie nämlich nachher nicht mehr zu viel Zeit im Pub verbringen."


*An dieser Stelle hatten wir das Produktionsland falsch benannt.

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