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Kulturpresseschau | Beitrag vom 07.09.2018

Aus den FeuilletonsGlückwunsch, Wibke Bruhns, zum 80.!

Von Klaus Pokatzky

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Wibke Bruhns liest im ZDF als erste Frau am 12. Mai 1971 die Spätnachrichten. Die Journalistin durchbrach damit eine Männerdomäne im bundesdeutschen Nachrichtengeschäft. (picture-alliance / dpa)
Wibke Bruhns liest im ZDF als erste Frau am 12. Mai 1971 die Spätnachrichten. Die Journalistin durchbrach damit eine Männerdomäne im bundesdeutschen Nachrichtengeschäft. (picture-alliance / dpa)

Es gab eine Zeit, da durften Frauen nicht mal Nachrichten vorlesen. 1971 fing die Journalisten Wibke Bruhns beim ZDF damit an. Später ging sie als Korrespondentin nach Jerusalem oder Washington. Der Tagesspiegel gratuliert der "gewichtigen Stimme im deutschen Journalismus".

"An deutschen Universitäten werden inzwischen jährlich etwa 30.000 Doktortitel vergeben. Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz", lesen wir in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG, "hat gerade dazu aufgefordert, das 'kritisch zu hinterfragen'", so Jürgen Kaube: "Man brauche nicht so viele Doktoren, denn nicht einmal ein Fünftel davon bleibe in der Wissenschaft. Der große Rest strebe die Promotion nur an, weil Doktortitel bei der Karriere helfen."

Und wie die Doktortitel helfen. Da werden auch Leute zu Bestsellerautoren, die einen Nachnamen tragen, der doch stark nach Migrationshintergrund klingt. "Eine Woche nach Erscheinen führt Thilo Sarrazins neues Buch die Bestsellerlisten an", klärt uns die Tageszeitung DIE WELT auf: "Ob Amazon-Ranking oder 'Spiegel'-Liste, 'Feindliche Übernahme' ist die Nummer eins", schreibt Louis Kittelmann. "Man habe 220.000 Exemplare ausgeliefert, bis Mittwoch seien circa 100.000 verkauft worden, gibt der Finanzbuch-Verlag, bei dem das Buch erscheint, auf Nachfrage an." Die hochangesehene Deutsche Verlagsanstalt wollte das Werk des Doktors der Staatswissenschaften Thilo S. ja bekanntlich nicht veröffentlichen.

Seehofers Mütter-Endzeit-Rhetorik

"Bundesinnenminister Horst Seehofer hat die Migration die 'Mutter aller Probleme' genannt", steht in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG zu einem Zeitgenossen, an dem wir sehen, dass Karrieren bei uns auch ohne Doktortitel möglich sind. "Wer wird ihm jetzt noch glauben?", fragt Sonja Zekri und zählt die sprachlichen Leistungen des Verwaltungs-Betirebswirts Horst S. aus den vergangenen Jahren auf: "2013 nannte Seehofer die bayerische Landtagswahl die 'Mutter aller Schlachten' und 2017 die Bundestagswahl die 'Mutter aller Wahlen'." Genderneutral ist das auf jeden Fall nicht – was der Vater aller Wahlschlachten-Mütter so von sich gibt. "Die jetzige Formulierung ist also kein Ausrutscher, sondern ein Muster, da greift ein Politiker ins Register einer Endzeit-Rhetorik", findet Sonja Zekri: "Vor zehn Jahren hätte sich Seehofer noch darauf hinausreden können, dass seine Anspielung ironisch gemeint ist. Aber so gemütlich sind die Zeiten nicht mehr."

Wie wahr! "Viele, wenn auch nicht alle heterosexuellen Männer, haben ein Problem mit weiblicher Autorität", lesen wir in einem Interview der FRANKFURTER ALLGEMEINEN. "Sobald eine Frau sich intellektuell oder auch physisch behauptet, fühlen diese Männer sich entmannt", meint die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt – mit einem Doktortitel in Philosophie. "In den Universitäten gibt es heute mehr junge Frauen als Männer. Mädchen sind bereits in der Schule erfolgreicher als Jungen. In unserer Kultur wird das als Verrat an den Jungen codiert. Jungs können halt nicht stillsitzen. Mädchen schon."

Kitzlige Themen und Recherchegenauigkeit

Und zum Abschluss noch etwas Schönes aus der Medienwelt. Wir gratulieren der Kollegin, die "vom 12. Mai 1971 an erste Nachrichtensprecherin im deutschen Fernsehen war, bei 'heute' im ZDF" – wie der Berliner TAGESSPIEGEL an jene Zeiten erinnert, als Frauen auf dem Bildschirm noch eine schlagzeilenträchtige Sensation waren. "Wibke Bruhns wandelte mit großer Sicherheit zwischen den Medienwelten", schreibt Joachim Huber, "zwischen Print und Fernsehen. Sie schrieb für den 'Stern', als Korrespondentin im herausfordernden Jerusalem bis 1983." Dann Washington, schließlich wieder Radio und Fernsehen; stets als "eine gewichtige Stimme im deutschen Journalismus", so der TAGESSPIEGEL. "Kitzlige Themen, Recherchegenauigkeit und ein uneitler, pragmatischer Grundton zeichneten ihre Texte aus", erinnert Joachim Huber. "Am Samstag feiert Wibke Bruhns ihren 80. Geburtstag." Glückwunsch!

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