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Kulturpresseschau / Archiv | Beitrag vom 02.04.2019

Aus den FeuilletonsGaucks Deutschlandreise

Von Gregor Sander

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Altbundespräsident Joachim Gauck hält einen Vortrag vor Publikum (dpa/Danny Gohlke)
Bundespräsident a.D. Joachim Gauck. (dpa/Danny Gohlke)

Ex-Bundespräsident Joachim Gauck spricht mit Linkspartei bis Pegida - das ZDF begleitet ihn mit der Kamera. In dem Film sehe man, wie viel Überwindung es Gauck gekostet habe, mit jemanden zu reden, dessen Gesinnung er radikal ablehne, schreibt die "FAZ".

Der Bundespräsident a.D. ist durchs Land gefahren und wurde vom ZDF dabei begleitet. Joachim "Gauck spricht mit Petra Pau von der Linkspartei und mit René Jahn, dem Mitbegründer von Pegida. Er trifft Wolfgang Schäuble, Navid Kermani und Lothar de Maizière, den letzten Regierungschef der DDR. Marianne Birthler ist dabei, die ihm als Bundesbeauftragte der Stasi-Unterlagen folgte, die ehemalige Sprecherin der AfD, Frauke Petry, und der Politikwissenschaftler Herfried Münkler",

zählt Hannah Bethke in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG auf und ist zufrieden mit der Vielfalt der Gesprächspartner:

"Wie viel Überwindung es Gauck gekostet haben mag, mit jemandem zu reden, dessen Gesinnung er radikal ablehnt, zeigt der Beginn des Gesprächs mit dem Pegida-Vertreter, in dem Gauck ihn nicht anguckt."

Im Berliner TAGESSPIEGEL betont Kurt Sagatz:

"Nach der Premiere des Films sagte Gauck, die Unterschiedlichkeit zwischen Ostdeutschen und Ostdeutschen sei vielfach markanter als zwischen Ostdeutschen und Westdeutschen",

Aber warum das so ist und ob das stimmt, bleibt im Nebel.

Christoph Hein als Übersetzer

Verwirrung gibt es auch um Christoph Hein. Er hat den Roman "Am Ende ein Blick aufs Meer" eines gewissen Philipp Lyonel Russell übersetzt, aber Lothar Müller stellt in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG fest:

"Es gibt zur deutschen Übersetzung kein englisches oder amerikanisches Original. Die erste Nachfrage verläuft im Sande. Der Insel Verlag mag weder die Frage beantworten, wer ihm das Manuskript angeboten hat, noch, ob es sich um das Original oder die Übersetzung handelte."

Christoph Hein ist der SZ gegenüber auskunftsfreudiger:

"Soviel ich weiß, so Hein, liegt die Originalausgabe bei Farrar, Straus and Giroux und wird dort möglicherweise unter seinem tatsächlichen Namen veröffentlicht. Welche Staatsbürgerschaft Russell hat, weiß ich nicht. Er ist Wissenschaftler und Autor und wohl auch noch ein Industrieller; letzteres vermute ich, da die Kanzlei Noll&Keider in Wien ihn in Europa wirtschaftlich vertritt."

Klingt fast wie in einem Krimi.

Die Liebe zur Musik

Ebenfalls in der SZ erklärt der inzwischen 53-jähriger Techno-Pionier und DJ Westbam, warum er das Komponieren nicht lassen will:

"Arbeiten müsste ich eigentlich nicht, aber ich liebe es, Musik zu machen. Was für meine Kinder Computerspiele sind, ist für mich Musik. Nur dass ich im Unterschied zu ihnen abends einen fertigen Track habe."

Dieser etwas nerdige Kompositionsansatz ist vermutlich nichts für Ebow, die Matthieu Praun in der Tageszeitung DIE WELT als "die vielleicht erste wirklich gute politische Rapperin Deutschlands" feiert.

"Ebru Düzgün macht schon seit Jahren Musik, heute kriegt sie endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdient", schwärmt Praun und bescheinigt der gebürtigen Münchenerin sowohl musikalischen als auch textlichen Tiefgang. Außerdem löst sie für den Kritiker auch ein musikalisches Geschlechterproblem:

"Dass Weiblichkeit auch den obligatorischen Phallusreim schlägt, beweist Ebow eindrucksvoll, indem sie nebenbei endgültig die Frage nach dem weiblichen Gegenstück zum Deutschrap-Klassiker 'Lutsch meinen Schwanz' beantwortet: 'Schmeck mein Blut!' Darin steckt die ganze Kraft des Albums, die ganze Wut einer Künstlerin, die gekommen ist, um sich zu holen, was ihr gehört."

Deutscher Baumarkt verärgert Südkoreanerinnen

Die Werbung eines deutschen Baumarkts sorgt hingegen für Ärger in Südkorea. Im Hornbach-Filmchen der Berliner Werbeagentur "Heimat" werden verschwitzte T-Shirts von älteren deutschen Heimwerkern eingeschweißt und in Fernost im Automaten angeboten. Was dann passiert, beschreibt Fabian Kretschmer in der TAZ:

"Dort kauft sich eine junge Asiatin die deutsche Unterwäsche von einem Straßenautomaten, schnieft ekstatisch daran und verdreht – scheinbar hocherregt – ihre Augen."

Inzwischen haben 18000 Menschen eine Petition gegen diese als rassistisch und sexistisch empfundene Werbung unterschrieben und Bernd Graff von der SZ riecht eine Motivation:

"Sollten Hornbach/Heimat dieses kleine Skandalon im ewigen Kampf um Aufmerksamkeit tatsächlich beabsichtigt haben, kann man nur sagen: 'Yippie Ya Ya, Yippie Yippie Yeah!'".

Mehr zum Thema

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