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Kulturpresseschau | Beitrag vom 27.11.2018

Aus den FeuilletonsGänsehaut beim Lesen des Grundgesetzes

Von Hans von Trotha

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Vier Hefte übereinander: das Grundgesetz als Magazin (Lars Krüger)
Dass die Paragrafen des Grundgesetzes eine besondere historische Errungenschaft sind, erkennt die "Welt". (Lars Krüger)

Beim Lesen des Grundgesetzes könne man Gänsehaut bekommen, stellt die "Welt" fest. Beim Durchblättern eines Magazins, das alle 146 Artikel in originalgetreuer Abfolge abgedruckt hat, werde klar, was für eine "historische Errungenschaft" das GG sei.

"Wer hat denn Angst vor Deutschland?", wird Andreas Rödder, Autor des Buchs "Wer hat Angst vor Deutschland?", in der NZZ gefragt. Die Antwort lautet in dankenswerter Knappheit: "Alle." - Damit wäre das schon mal geklärt.

Ansonsten ermöglichen es die Feuilletons des Tages, in der Kulturpresseschau mal zwei Magazine zu zitieren, die hier sonst nicht vorkommen: den Playboy und das Grundgesetz.

Sie haben richtig gehört: "Das deutsche Grundgesetz erscheint als aufwendig produziertes Magazin". Und das hat Leonie Bartsch für die Welt durchgeblättert. Es trägt, irgendwie ist heute ein Tag der Redundanzen, den Titel: "Das Grundgesetz als Magazin".

Magazine mit Gänsehautfaktor

"Auf 124 Seiten", so Bartsch, seien "alle der 146 Artikel in originalgetreuer Reihenfolge abgedruckt". - "So", schreibt Bartsch weiter, "blättert man hindurch, liest mal hier, mal dort, wie man das eben so bei Magazinen macht" – das war´s dann wohl mit der "originalgetreuen Reihenfolge" – "blättert weiter durch den Text, und plötzlich wird einem beim Lesen bewusst, um welche historische Errungenschaft es sich hier eigentlich handelt."

Das ist natürlich super. Und das passiert einem beim Durchblättern des neuen Playboy nicht. "Und plötzlich hat man Gänsehaut beim Lesen." – Das Zitat gehörte noch zum Grundgesetz, noch nicht zum Playboy. "Es ist erstaunlich, wie eine künstlerische Aufmachung die Wahrnehmung ein und derselben Sache schärfen kann." - Der auch.

Jetzt aber vom Grundgesetz in der Welt zum Playboy in der Süddeutschen. In dem einen geht es um die unantastbare Würde des Menschen, in dem anderen um die offenbar angetastete Würde des Mannes. Julian Dörr in der Süddeutschen: "Ein Playboy-Sonderheft erklärt, wie Männer heute sein sollen", während es direkt daneben übrigens um die Würde der Niederländerin Sylvie Meis geht, einst Ehefrau des HSV-Fußballers Rafael van der Vaart, jetzt Sylvie "in der dreiteiligen Casting-Show Sylvies Dessous Models ". Zitat: "Klar werde ich auch verkauft."

Gesichtsmaske als ICE-Service

Dazu würde noch besser als der Playboy die taz vom Tage passen mit ihrer "Schöner- ans-Ziel-kommen"-Reportage. Es geht darum, dass "die Parfümeriekette Douglas mit der Deutschen Bahn (kooperiert) und sogenannte Beauty ICEs durchs Land" schickt. Adrian Schulz ist für die taz mitgefahren. Spoiler: Er hat zum ersten Mal in seinem Leben eine Gesichtsmaske aufgetragen.

Aber jetzt endlich zum Playboy. Die "How-to-be-a-Man"-Playboy-Sonderausgabe will laut Süddeutscher "ein 'Guide' sein für 'Gentlemen', aber eigentlich ist sie, so Julian Dörr: "das Heft für die große männliche Verunsicherung. Im Vorwort" sei "die Rede von 'ausufernden MeToo-Debatten' und vom 'Mann an sich unter Generalverdacht'. Weshalb es dringend eine Instanz bräuchte, die erklärt, was ein Mann heute können, machen, haben und wissen muss. Die Antwort des Heftes darauf lässt sich" laut Julian Dörr "in einem Wort zusammenfassen: konsumieren." Und zwar, so Dörr: "Uhren, Parfum, Uhren, Eiswürfelformen, Surfbretter, Uhren, Fahrräder, Uhren, Messer, historische Revolver, Daunenjacken." Und Uhren wahrscheinlich.

"Laut Playboy ist" es laut Dörr "wichtiger, zu wissen, wie man auf einer einsamen Insel überlebt, als wie man mit seinen Mitmenschen und Gefühlen ordentlich umgeht."

Brutale Bedingungen auf dem Mars und bei der Parkplatzsuche

Was der Playboy und Julian Dörr beide vergessen, nicht aber Gerhard Matzig und Elon Musk, ist, was noch wichtiger ist, nämlich: ein Parkplatz. Matzig hat, auch das in der Süddeutschen, von Musk gelernt: "Warum die Menschen zum Mars wollen? Wegen der Parkplätze". - "Ich rede davon", zitiert Matzig Musk, "dort hinzuziehen".

Allerdings wisse er auch, dass auf dem Mars "brutale Bedingungen" herrschen, "es wird hart", so Musk, so Matzig. "Wie es der Zufall will", so Matzig weiter, "ist am Montag schon mal die Marsmission Insight in Form eines Roboters nach einer rund 485 Millionen Kilometer langen Reise auf dem Mars gelandet. Einer der Nasa-Verantwortlichen schwärmt: "Dort sieht es aus wie auf einem großen, öden Parkplatz. Als Bewohner des von SUVs belagerten Sehnsuchtsortes München- Schwabing oder des umdieselten Berlin-Mitte-Elysiums kann man", findet Matzig, "das Glück eines freien Parkplatzes am Ende einer monatelangen Suchaktion gut nachvollziehen. Gewiss", fasst er die Lage für den "Neumarsianer Musk" (Matzig über Musk) zusammen, "das Leben dort oben wird hart, brutal und möglicherweise endlich. Aber hey: ein Parkplatz!"

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