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Kulturpresseschau | Beitrag vom 21.01.2019

Aus den FeuilletonsFrauen, deren Namen wir uns merken müssen

Von Adelheid Wedel

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Gegner der Präsidialreform protestieren in Istanbul. Eine junge Frau reckt die Faust. (AFP)
Eine Kopftuch-Pflicht gibt es nicht in der Türkei, dennoch kann der Verzicht darauf riskikoreich sein. Hier demonstrieren Frauen gegen Erdogan - mit und ohne Tuch. (AFP)

Junge Frauen in der Türkei bekennen sich öffentlich zu einem Leben ohne Kopftuch. Nicht ohne Risiko, schreibt die "taz". Die "Süddeutsche" erzählt die Geschichte der Senegalesin Fatoumata Ba, die in Afrika die Digitalisierung vorantreibt.

Fatoumata Ba – diesen Namen sollte man sich merken. In der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG erfahren wir über sie: "Auf der diesjährigen Digitalkonferenz "DLD" in München erklärte die Senegalesin, wie die digitale Revolution gerade ganz Afrika umkrempelt." Fatoumata Ba ist "nicht einmal dreißig Jahre alt, aber sie ist bereits jetzt eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Afrikas", schreibt Bernd Graff. Im Jahr 2013 hat sie "das unfassbar erfolgreiche Jumia" gegründet; das ist so etwas wie ein afrikanischer Versandhandel für den gesamten Raum der Subsahara mit seinen rund 900 Millionen Einwohnern.

Von 120 Einzelpersonen zu 45.000 Kleinunternehmen

Bis jetzt sei die Zahl der afrikanischen Internetnutzer mit lediglich zwei Prozent Welt-Anteil immer noch verschwindend gering, "doch Fatoumata Ba setzt darauf, dass Afrika sich gerade wandelt und dabei nach ganz anderen als europäischen oder US-amerikanischen Modellen verfährt", meint der Autor und betont, nirgendwo auf der Welt schreite die Digitalisierung schneller voran als in Afrika.

"Alles läuft über das mobile Netz, vom Bestellen zum Bezahlen, vom Ausbilden zum Arbeiten", eine Extremexpansion. Und die junge Senegalesin mittendrin, "sie setzt gezielt auf kleinere und mittlere Firmen und fördert sie." Es begann mit 120 Einzelpersonen in Nigeria, mittlerweile sind allein dort 45.000 Kleinunternehmen angesiedelt, afrikaweit sind es eine halbe Million, die Waren bei ihrem Versandhandel bestellen und vertreiben.

Mit und ohne Kopftuch

Anderen Mut beweisen junge Frauen in der Türkei, erfahren wir aus der Tageszeitung TAZ. Unter dem Hashtag #10Year Challenge bekennen sie sich zu einem Leben ohne Kopftuch. Sie teilen in den sozialen Medien zehn Jahre alte und aktuelle Fotos, zunächst mit, dann ohne Kopftuch. "Diese Frauen gehen ein großes Risiko ein, indem sie ihre Entscheidungen öffentlich machen," erklärt Burcin Tetik. Eine Nutzerin schrieb: "Keine von uns muss die Identität, die unsere Familien und die Gesellschaft für uns wählt, annehmen. Wir weigern uns, ein Leben zu leben, dass wir uns nicht ausgesucht haben."

In der Türkei gibt es keine Kopftuchpflicht. Die Frauen riskieren nicht, von der Polizei bestraft zu werden, dennoch ist ihre Entscheidung aufgrund repressiver Familien und des gesellschaftlichen Drucks alles andere als einfach und, so Burcin Tetik, "es geht hier um mehr als ein bloßes Tuch, nämlich darum dass Menschen mit verschiedenen Identitäten so leben können, wie sie wollen. Gerade das ist es aber, was in der Türkei in den letzten Jahren am meisten fehlt."

"Ich diene Deutschland"

Noch eine Frau, die Schlagzeilen macht. In der Tageszeitung DIE WELT setzt sich Nariman Hammouti-Reinke für eine größere Wertschätzung und mehr Anerkennung der Bundeswehr ein. "Ich diene Deutschland", sagt die Berufssoldatin, eine in Berlin geborene Tochter marokkanischer Eltern, und zählt ein Fehlerregister auf.

"Es scheint schick zu sein oder eine gewisse intellektuelle Flughöhe zu beweisen, wenn man herablassend auf die Streitkräfte schaut", wehrt sich die junge Frau und erklärt: "Ich wünsche mir mehr Anerkennung für das, was meine Kameraden und ich leisten. Wir wollen dafür geschätzt werden, dass wir unseren Beruf zum Wohl des Gemeinwesens ausüben." Gerade hat sie unter dem Titel "Ich diene Deutschland, ein Plädoyer für die Bundeswehr – und warum sie sich ändern muss" bei rowohlt Polaris veröffentlicht.

"Achtsam für Ungleichheit, von der man profitiert"

Ganz ohne Männer soll diese Kulturpresseschau nicht enden. Wir verweisen auf den Gastkommentar in der WELT, in dem sich Jan Kalbitzer Gedanken über "die Männer von morgen" macht. Er bemerkt einen "schleichenden Wandel hin zu einer Erziehung, bei der Mädchen viel Freiraum gelassen wird und Jungs mehr reguliert werden, um nicht so zu werden wie die peinlichen älteren Männer, die nicht mehr zu den neuen Moralvorstellungen passen."

Einen von ihm gegebenen Ratschlag für den modernen Mann setzen wir an unseren Schluss. Er sollte beachten, "wie man wachsam sein kann für Ungleichheit, von der man selbst profitiert".

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