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Kulturpresseschau | Beitrag vom 22.10.2020

Aus den FeuilletonsFrauen an die Macht!

Von Hans von Trotha

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Die US-Demokratin Kamala Harris sitzt vor US-Flaggen. (/picture alliance / US Senate Television via CNP)
Hoffnungsträgerin für viele Wähler der Demokraten in den USA: Die als Vizepräsidenten vorgesehene Kamala Harris. (/picture alliance / US Senate Television via CNP)

Frauen spielen im US-Wahlkampf eine wichtige Rolle, schreibt die TAZ - als Wählerinnen und als Präsidentschaftsanwärterinnen. Und die US-Wahl sei nur ein Anfang - Politikerinnen in den Regierungen gehöre die Zukunft.

Wie steht es um die Frauen in unserer Kultur? - Genau da wird nun in den Feuilletons genauer hingeschaut, in allen Sparten.

In der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG nimmt sich der emeritierte Linguist Peter Eisenberg die Sprache als solche vor. In "Anmerkungen zum Unterschied zwischen grammatischem und biologischem Geschlecht" kommt er zu dem reichlich hochkulturell formulierten Schluss: "Das falsche Weibliche zieht uns hinan".

Er weist auf ein paar sehr grundsätzliche Dinge hin, wie: "Lebewesen haben ein Geschlecht, aber nicht Wörter. Keine Sprache der Erde enthält auch nur ein einziges männliches oder weibliches Wort." So sortiert er allerlei sprachliche Grundlagen im Umgang mit weiblichen Formen und gelangt als Linguist sichtlich unzufrieden zu dem Fazit:

"Dass so getan wird, als könne man die Sprache verändern, ohne sie zu kennen, darf nicht zur Gewohnheit werden. Auch wenn man Grammatik nicht mag", so der Verfasser einer Deutschen Grammatik, "sie allein kann bei strukturellen Fragen zeigen, was geht und was nicht gehen kann."

TV-Serien verzerren die Realität

Strukturellen Fragen geht auch eine neue Studie der Medienwissenschaftlerin Elizabeth Prommer nach. "Streaming-Serien", zitiert der TAGESSPIEGEL daraus, "spiegeln nicht die Gesellschaft wider: Frauen sind weniger vielfältig dargestellt als Männer. Sie kommen seltener vor, sind jünger, schlanker und nur in bestimmten Berufen zu sehen." Und: "Was die Sichtbarkeit ethnischer Vielfalt betrifft, dominiert die jeweilige Mehrheitsbevölkerung."

Caroline Schwarz kommentiert den Vergleich zu entsprechenden Studien zum Fernsehen in der TAZ so: "Das Gefühl, dass Serien vielfältigere Lebensrealität abbilden, bestätigt sich zum Teil. Doch es ist noch genug Luft nach oben – vor allem bei deutschen Produktionen." 

Andrian Kreye geht der Sache in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG grundsätzlicher nach. Was ihn interessiert, ist die Agenda der Streamingdienste, denn:

"Seit das Silicon Valley mit dem Aufstieg der Streamingplattformen Netflix, Amazon Prime und - in Amerika - Hulu nicht nur den weltweiten Vertrieb, sondern auch die Produktion von Kultur übernommen hat, stellt sich die Frage, welche Politik das transportiert. Weil amerikanische Popkultur entgegen vielen Vorurteilen immer auch einen Wertekanon in die Welt trug. Das begann mit den Soft Power-Strategien gleich nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Auslandsgeheimdienst CIA finanzierte über seinen Kulturableger Congress for Cultural Freedom von Literaturzeitschriften über Jazz-Tourneen bis zu Ausstellungen moderner Kunst so manches in Europa, was als Höhepunkte des Midcentury Modern in die Kulturgeschichte einging. Der pragmatische, zugleich kunstsinnige Ansatz war, dass ein Gemälde von Jackson Pollock, ein Film mit Humphrey Bogart oder die Big Band von Dizzy Gillespie auch auf europäische Barbaren und Kommunisten eine mitreißendere Wirkung haben, als ein Ölschinken des sozialistischen Realismus, ein patriotischer Heimatfilm oder Marschmusik. Das war Kultur als Keim der Demokratisierung."

Verantwortung der Streamingdienste

In diese Tradition sortiert Kreye die Streamingdienste ein, oder doch zumindest ihre Verantwortung. "Dass sie in Serien und Filmen Geschichten auf dem Niveau von Hollywood erzählen können, haben die Streamingdienste bewiesen", meint er. "Ob sie einen universal gültigen Kanon finden und transportieren können, der mehr ist als der nostalgische Eskapismus in eine amerikanische Vergangenheit, wird sich nach dem Wahltag des 3. November zeigen. Dann aber stellt sich noch eine Frage: Wenn Streamingdienste als digitale Plattform Werte transportieren, was geschieht in Zukunft mit den von Kreye so genannten Radikalisierungsplattformen Facebook und Twitter?"

Frauen entscheidend für die US-Wahl

Zitiert wird in der SZ auch der Komiker Sacha Baron Cohen, der unbedingt wollte, dass die Fortsetzung seiner "Borat"-Komödie vor dem US-Wahl-Tag ausgestrahlt wird, denn – Zitat: "wir wollten, dass es Frauen daran erinnert, wen sie wählen – oder wen sie nicht wählen".

In der TAZ kommentiert US-Hip-Hop-Ikone Chuck D, der mit Public Enemy ein neues Album veröffentlicht hat, die Lage so: "Wenn Joe Biden gewinnt, wäre das ein Anfang. Kamala Harris ist die eigentliche Hoffnung für die Zukunft. Ich glaube", so Chuck D., "Politikerinnen in den Regierungen gehört ohnehin die Zukunft."

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