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Kulturpresseschau | Beitrag vom 13.05.2021

Aus den FeuilletonsFragen an die Zeit nach der Pandemie

Von Klaus Pokatzky

Illustration: Draufsicht auf einen Tisch, um den sich viele Menschen zum Frühstück treffen. (imago / Ikon Images / Marcus Butt )
"Kehrt die Normalität möglicherweise schneller zurück, als der Geist ihr folgen kann?", fragt die FAZ. (imago / Ikon Images / Marcus Butt )

Vielleicht ist die Welt bald wieder „normal“: Cafés, Kino und Theater offen. Doch was bleibt von der Pandemie? In welcher Hinsicht wirkt das Erlebte sich dauerhaft auf das Zusammenleben aus? Diese Fragen stellt die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“.

"Solange er schreibt, ist jeder Schriftsteller eine Insel." Der Kulturpressebeschauer auch. "Weit entfernt vom lärmenden Kontinent der übrigen Welt, nicht bloss durch die Wände des eigenen Zimmers isoliert, eine Insel inmitten von Zeit und Geschichte", entführt uns die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG in die Geborgenheit des Schreibenden.

"Aber all das geschieht, damit ich erneut in die Welt zurückkehren und ihr etwas hinzufügen kann, selbst wenn es nur klitzeklein ist", meint der bulgarische Schriftsteller Georgi Gospodinov. Die Auswahl in den Feuilletons ist fast nie klitzeklein – kehren wir in ihre Welt und damit hinein in die Welt von uns allen. 

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"Wird die postpandemische Gesellschaft nicht wiederzuerkennen sein?", fragt die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG. "Kehrt die Normalität möglicherweise schneller zurück, als der Geist ihr folgen kann?" Unser Geist und unser Herz schreien auf jeden Fall gemeinsam nach der Normalität.

Die Fragen nach dem Danach mehren sich

"Seit das Ende der unmittelbaren Virusbedrohung greifbarer wird, mehren sich die Fragen nach dem Danach, die Überlegungen, in welcher Hinsicht das Erlebte fortwirken und das Zusammenleben dauerhaft verändern wird", schreibt Elena Witzeck und wirft auch einen Blick auf eine Generation, die wenigstens in der letzten Zeit hin und wieder zu einem Thema auf den Kulturseiten wurde.

"Spricht man mit deutschen Jugendlichen, die mittlerweile einen großen Teil ihrer Teenagerzeit unter Masken verbracht haben, sagen auch sie: Machen wir uns keine Illusionen. Das bleibt. An dieser gefühlten Realität zu rütteln wird nach dem Ansturm auf Cafés, Kinos und Fußballstadien auch ein politischer Auftrag sein." Und ein Auftrag an uns alle, die wir älter sind. 

Mittagessen zwischen Plexiglasscheiben

"Wir Filmschauspieler haben Glück", lesen wir in der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG: "Wir sind Künstler, die während der Corona-Zeit noch Arbeit finden", schreibt Heike Makatsch. "Bühnen wurden geschlossen, aber vor der Kamera darf man sich unter strikten Auflagen noch nah sein." Und dann wird uns mal klar gemacht, wie es denn heutzutage ist, wenn sich jemand vor der Kamera präsentieren will.

"Der Maskenbildner empfängt mich morgens in einem astronautenähnlichen Schutzanzug, mein Mittagessen nehme ich zwischen Plexiglasscheiben alleine ein. Bis die Kamera rollt, hinterlassen die Gummizüge der Maske Streifen in meinem sorgsam angemalten Gesicht." Und da müssen wir denken, dass es uns doch noch gut geht. 

Eskalierende Lage in Israel

"Es sieht leider so aus, als ob wir uns auf einen Krieg zubewegen", steht in der SÜDDEUTSCHEN, "obwohl ich immer noch hoffe, dass er vermieden werden kann", meint der israelische Schriftsteller David Grossman zu dem, was nun in seinem Heimaltland passiert. "Im Moment herrscht die Eskalation der Gewalt", sagt er im Interview.

"Das Beunruhigendste ist seit Längerem, was zwischen Juden und Arabern innerhalb Israels geschieht. Es gibt viele Orte, an denen jüdische und arabische Israelis aneinandergeraten. Man bräuchte sehr viel Weisheit und sehr viel Reife, um dieses delikate Verhältnis zwischen Juden und Arabern innerhalb Israels in der Balance zu halten."

Wenn sie sich daran erinnern würden, dass ihr Glaube an den einen Gott – genauso wie der der Christen – sehr viel mehr miteinander Gemeinsames als Trennendes hat, dann könnte dieses sicherlich sehr hilfreich sein.

"Weil vom Göttlichen die Rede war, kann ich sagen, dass ich an den Gott des Unbeständigen und Schwindenden glaube", ruft uns da der Schriftsteller Georgi Gospodinov in der NEUEN ZÜRCHER zu. "Und an den Gott der Geschichten, die Rettung bringen." Glaube tröstet immer.

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